Hamburger Terminal-Ausbau verzögert sich um mindestens ein Jahr

Eigentlich sollte bereits im kommenden Frühjahr ein Interims-Satellit auf dem Vorfeld des Hamburger Flughafens in Betrieb gehen. Doch die Nachfrage schwächelt und die Konsolidierungswelle bei den Airlines erschwert die Planbarkeit.

Entwurf für die Shuttle-Gates am Flughafen Hamburg. © Flughafen Hamburg/Formfest

Aufgrund von Turbulenzen im Luftverkehrsmarkt verschiebt der Hamburger Flughafen die Inbetriebnahme neuer Passagiergates um ein Jahr auf 2021. "Der Markt hat sich nicht so schnell entwickelt, wie wir es gedacht hatten", sagte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler dem "Hamburger Abendblatt".

Bis 2020 sollten eigentlich 14 sogenannte Shuttle-Gates als Terminal-Satellit auf Vorfeld 2 entstehen, das durch die Startbahn 33 vom Hauptvorfeld getrennt ist. Mit diesen sollen nach Auskunft des Flughafens vorübergehend Gates kompensiert werden, die aufgrund von anderen Baumaßnahmen zeitweise nicht genutzt werden könnten, wie Eggenschwiler nun bestätigte. Die Shuttle Gates seien ein Interimsbau mit 14 sogenannten "Wiwo"-Gates (Walk in walk out) mit Pre-Boading-Zonen, an denen die Fluggäste zu Fuß ins Flugzeug gelangen. Sie werden über Busse mit den Terminals verbunden.

Wenn die Shuttle-Gates stehen, soll der Ausbau der Rückseite von Pier Süd abgeschlossen werden. Dort ist sich der Rückbau des alten Frachthofs laut den Betreibern weitgehend abgeschlossen. Auf der frei gewordenen Fläche sollen fünf neue Flugzeugpositionen mit entsprechenden Fluggastbrücken entstehen. Der eigentlich für 2020 geplante Baustart verschiebt sich nun ebenfalls um mindestens ein Jahr. Sobald Pier Süd vollständig ausgebaut ist, sollen die Shuttle Gates wieder abgebaut werden. Die Kapazität des Flughafens soll sich dann nach Abschluss der Bauarbeiten am Terminal in den 2020er Jahren von 53 auf 56 Abstellpositionen vergrößern.

Flughafen rechnet mit schwächerer Nachfrage auch wegen Luftverkehrsteuer

Zur Begründung der Verschiebung des Ausbaus bezieht sich Eggenschwiler auf eine hinter den Erwartungen leicht zurückgebliebene Nachfrage und die schwierige Planbarkeit der künftigen Entwicklung. So sei die Fluggesellschaft Germania in die Insolvenz gegangen, Condor habe das Aus gedroht und Ryanair und andere Airlines kämpften mit den 737-Max-Problemen bei Boeing, zählte der Airport-Manager auf. Die irische Gesellschaft zieht zum 8. Januar 2020 zwei in Hamburg stationierte Flugzeuge ab und streicht sieben Routen zum Sommerflugplan 2020.

© AirTeamImages.com, HAMFive Lesen Sie auch: Ryanair schließt Basis in Hamburg

Einen Dämpfer im Reisegeschäft befürchtet Eggenschwiler außerdem durch die geplante Erhöhung der Luftverkehrssteuer und schwächere Konjunkturprognosen. Das Flugprogramm im nächsten Jahr sei aber mit der bestehenden Infrastruktur zu leisten.

Außerdem werde das Budget des Airports durch die Verschiebung des Ausbaus um schätzungsweise zwei Millionen Euro entlastet. 2018 nutzten 17,23 Millionen Passagiere den Flughafen, ein Rückgang von 2,2 Prozent gegenüber 2017. In diesem Jahr nun sollten die Passagierzahlen um rund 2,5 Prozent zulegen. Für einen Rekord gebe es derzeit jedoch zu viele Unsicherheit, sagte Eggenschwiler. 2020 erwartet er eine stabile Passagierentwicklung.

Ausbau ist in Hamburg durchaus umstritten

Im vergangenen Jahr gab es in der Stadt Diskussionen, ob die mit 500 Millionen Euro Kosten veranschlagten Ausbaupläne nicht zu weit gehen. So wurde Condor-Chef Ralf Teckentrup mit der Aussage zitiert, dass die Fluggesellschaften in den kommenden Jahren keinen Bedarf für den Bau der Pier Süd sähen. Sie befürchten höhere Flughafenentgelte und höhere Ticketpreise, um den Ausbau der Infrastruktur zu refinanzieren.

Die Umweltschutzorganisation BUND klagt vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht gegen die Ausbau-Vorhaben. Der Flughafen-Chef befürchtet daraus aber keine Konsequenzen. Für die Baumaßnahmen sowie die Investitionen in eine neue Gepäckanlage hat der Flughafen 384 Millionen Euro veranschlagt.

© Flughafen Hamburg/Formfest, Lesen Sie auch: Flughafen Hamburg ist mit Vorfelderneuerung und Satellit bald fertig

Von: dk

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