Erstmals seit fünf Jahren: Gewinn bei Ryanair sinkt

In den Halbjahreszahlen muss Ryanair einen Gewinnrückgang mitteilen. Grund dafür sind nicht nur die Streiks - Airline-Chef O'Leary sieht einen anderen Faktor als größeres Risiko für sein Geschäft.

Ryanair-Chef Michael O'Leary © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Ryanair muss den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren hinnehmen. Der Gewinn sank in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres um sieben Prozent auf etwa 1,2 Milliarden Euro, wie der Billigflieger am Montag mitteilte.

In den Monaten April bis September hat die Airline zwar 4,79 Milliarden Euro Umsatz gemacht, acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Nettomarge sank jedoch von 29 auf 25 Prozent.

Hohe Treibstoffkosten, sinkende Ticketpreise

Als Gründe für den Rückgang nannte Ryanair die Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Ersatzzahlungen wegen der EU-Fluggastrechte. Die Verluste durch die Übernahme der Mehrheit an Lauda Motion sind dagegen in den Zahlen nicht berücksichtigt.

Ryanair hatte bereits Anfang Oktober seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt und damals schon dieselben Gründe genannt wie jetzt. Nun erwartet die Fluglinie den Gewinn im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende März) bei 1,10 bis 1,20 Milliarden Euro. Zuvor war der Konzern von 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro ausgegangen.

Weitere Flugstreichungen nicht ausgeschlossen

Diese Prognose bestätigte das Unternehmen nun zur Halbjahresbilanz. Ryanair-Chef Michael O'Leary bezeichnete den Ausblick in einem Interview mit "Bloomberg" als konservativ. Er sehe den Ölpreis als größtes Risiko. Eine erneute Anpassung sei aber eventuell erst nötig, wenn ein Barrel über 100 Dollar koste.

Außerdem schloss die Airline weitere Kapazitätskürzungen oder Stationsschließungen nicht aus, sollte der Ölpreis weiter steigen oder das Niveau der Flugpreise weiter fallen.

Bislang geht Ryanair für das Gesamtjahr von Mehrkosten in Höhe von 460 Millionen Euro für Treibstoff aus. Zudem erwartet sie ein weiteres Nachgeben der Flugpreise um zwei Prozent. In den ersten sechs Monaten sanken sie bereits um drei Prozent.

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Zu den Kosten der Streiks von Piloten und Kabinenpersonal in den vergangenen Monaten machte Ryanair keine Angaben. In der Mitteilung hieß es lediglich, man habe an allen acht Tagen mit "begrenzten Streiks" den Betrieb zu über 90 Prozent aufrechterhalten können.

Bei Lauda Motion geht Ryanair weiterhin mit einem Verlust von 150 Millionen Euro im ersten Jahr aus. Bereits im zweiten Jahr soll sich die österreichische Beteiligung jedoch der Gewinnschwelle annähern - dazu würden Verbesserungen bei der Kostenkontrolle, der Absicherung der Treibstoffpreise und im Flottenmanagement beitragen, teilte Ryanair mit.

Aktien steigen

Die Märkte reagierten positiv auf die Zahlen. Die Ryanair-Aktie legte am Morgen um über vier Prozent zu. Im Zuge der Gewinnwarnung Anfang Oktober war das Papier stark eingebrochen. Das britische Analysehaus Liberum schrieb in einem ersten Kommentar, nach der Gewinnwarnung seien die aktuellen Zahlen keine Überraschung mehr.

Die nun beibehaltene Prognose und das Kursniveau seien aber Einstiegsgründe, hieß es. Laut UBS-Experte Jarrod Castle waren die Zahlen sogar einen Tick besser ausgefallen als befürchtet.

Von: pra, dpa

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