Schlechte Aussichten trotz guter Zahlen bei Ryanair

Die erfolgsverwöhnte Ryanair muss sich auf härtere Zeiten einstellen. Der Sommer lief zwar noch gut, doch Max-Desaster, Brexit und Laudas Preiskampf am Standort Wien werden ab diesem Winter wohl auf die Zahlen schlagen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary. © APA/dpa / Helmut Fohringer

Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max und die Wirren rund um den Brexit halten Europas größten Billigflieger Ryanair weiter in Atem. Unternehmenschef Michael O'Leary befürchtet für die kommenden Monate eine weitere Verunsicherung der Verbraucher, weil weiterhin ein Brexit ohne Abkommen im Raum steht. Die ersten Max-Jets von Boeing erwartet er nicht vor März oder April.

Zudem dürfte die Ryanair-Tochter Lauda wegen einer Ticket-Preisschlacht in Deutschland und Österreich höhere Verluste einfliegen als zunächst gedacht. Gegenüber Analysten sagte O'Leary, dass er damit rechne, dass Lauda jetzt den Break-Even-Punkt im kommenden Jahr schaffen werde. Allein in Wien werde die Airline dann 18 Maschinen stationiert haben.

Am Finanzmarkt konzentrierten sich die Anleger zunächst aber auf die aktuellen Quartalszahlen. Kurz nach Handelsbeginn in London legte die Ryanair-Aktie um 2,7 Prozent zu. Der Billigflieger hatte in dem für Fluggesellschaften wichtigen Sommerquartal mehr verdient als von Analysten erwartet.

Geldbringer Ancillaries

So stieg der Umsatz in den Monaten Juli bis September im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in Dublin mitteilte. Vor allem die Zusatzerlöse zogen deutlich an, die etwa aus den Reservierungen bestimmter Sitzplätze stammen oder aus den Extrakosten, die entstehen, wenn Kunden bevorzugt an Bord gehen und einen kleinen Rollkoffer mit in die Kabine nehmen. Der Gewinn legte wegen deutlich gestiegener Spritkosten allerdings nur um acht Prozent auf 910 Millionen Euro zu.

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2020 peilt O'Leary einen Überschuss von 800 bis 900 Millionen Euro an. Mit Blick auf das erste Geschäftshalbjahr konnte Ryanair den Gewinn mit 1,15 Milliarden Euro allerdings nur auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums halten. Das ist zwar rechnerisch schon mehr als der angepeilte Jahresgewinn. In den reiseschwachen Wintermonaten schreiben Fluggesellschaften aber in der Regel rote Zahlen.

Keinen unrealistischen Optimismus verbreiten

Und der Winter könnte es diesmal besonders in sich haben. "Wir versuchen, den unrealistischen Optimismus von einigen unserer Wettbewerber zu vermeiden", teilte die Airline mit.

Zwar rechnet das Management für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Anstieg der Passagierzahlen um acht Prozent auf 153 Millionen. Zudem dürften die Ticketpreise im Winter etwas höher ausfallen als ein Jahr zuvor. Allerdings hänge dies stark von Entwicklungen wie einem möglichen No-Deal-Brexit ab. Auch dürften die Treibstoffkosten im Gesamtjahr um 450 Millionen Euro steigen, und auch die übrigen Stückkosten je Sitzplatz dürften um zwei Prozent nach oben gehen.

Wegen der verspäteten Auslieferung des Boeing-Mittelstreckenjets 737 Max dürften der Airline zum Start der nächsten Sommerhalbjahrs allenfalls 20 Max-Flugzeuge zur Verfügung stehen. Ursprünglich hätten es 58 sein sollen, zuletzt hatte O'Leary noch mit 30 gerechnet.

Von: hr, dpa

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