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Gedankenflug Pimmel am Himmel: Wollen Sie wissen, was wirklich hinter solchen Überschriften steckt?

Wenn Sie klicken hat airliners.de-Herausgeber David Haße gewonnen. Denn hier enthüllt er die Ökonomie hinter irrelevantem Schwachsinn im Netz. Lesen sie, warum airliners.de lieber die geheimen Wünschen der Abonnenten erfüllt statt Fragezeichen hinter Überschriften zu setzen.

Klick: Ein Penis über Bremen! © Flightradar

Abseits der tagtäglichen Meldungen machen sich die Redakteure bei airliners.de Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit unseren "Gedankenflügen" wollen wir Sie daran teilhaben lassen und hoffen, die eine oder andere Anregung geben zu können. Ein Kommentar von airliners.de-Herausgeber David Haße über journalistische Bauchschmerzen und was sich airliners.de deswegen in Form einer Qualitätsoffensive vorgenommen hat.

Liebe Leser,

ich hoffe, Sie nehmen mir den doch sehr anderen Aufmacher für diesen Artikel nicht ernsthaft übel. Aber ich bin Medienmacher im Internet und ich habe ein Problem damit, wie manche Medien online berichten: Schnell hingetippte Banalitäten werden mit möglichst catchigen Überschriften und Teasern versehen, um möglichst viele Aufrufe zu generieren:

Von oben auf Flightradar betrachtet fliegt ein Flugzeug eine Penis-Form: Artikel. Ein wildes Tier läuft auf eine Landebahn: Artikel. Ein abstruses Gerücht, das in den sozialen Medien viral geht: Artikel, Tweet einbetten, Text im Konjunktiv formulieren und ein Fragezeichen hinter die Überschrift setzen. So kann niemand die Redaktion auf Fakten festnageln und dennoch klicken alle.

Überschriften mit Fragezeichen sind ein erprobtes Mittel, sie generieren nachweislich 150 Prozent mehr Aufrufe als erklärende, seriöse Headlines. Donnerwetter! Da bauen wir doch gleich schnell noch ein Quiz: Wie gut kennen Sie die Wikipedia-Seite zum Airbus A380 den Airbus A380? Toll, das ergibt ja sogar eine Überschrift mit direkter Ansprache vor dem Fragezeichen. Plus 175 Prozent Klicks!

Dass möglichst viele Leser Nutzer klicken, ist wichtig. Mit vielen Artikelaufrufen und viel Werbung lässt sich nämlich richtig viel Geld verdienen. Oder sollte ich vielleicht besser sagen "hat sich verdienen lassen"... Denn die Online-Werbung wird sich in sehr absehbarer Zeit stark verändern. Das liegt am Verbot der Marketing-Cookies, die einzig und allein dazu gut sind, dass jeder Einzelne von Ihnen überall im Internet personalisierte Werbung angezeigt bekommt.

Seien wir ehrlich: Außer den Datenschützern hatte kaum jemand etwas dagegen: Denn Nutzer sehen genau die Werbung, die sie interessiert, die Werbetreibenden erreichen direkt ihre Zielgruppe und Medienmacher bekommen mehr pro tausend Einblendungen (so rechnen wir Werbeeinnahmen), weil individualisierte Werbung mehr bringt als ungefähr passende Werbeaussendungen nach dem Gießkannenprinzip. Darum gibt es online vieles umsonst zu lesen und da schließt sich der Kreis, der aber spätestens 2022 am Datenschutz zerbricht.

Was das nun mit Penis-Bildern und unserer Qualitätsoffensive sowie dem neuen Plus-Abomodell bei airliners.de zu tun hat, ist nicht so einfach zu verstehen. Lassen Sie mich also erklären, warum viele Medien im Internet aktuell so (schlecht) sind, wie sie sind. Und was wir zukünftig Dank unserer Abonnenten dramatisch anders machen können.

Es gibt immer noch eine weitere passende Anzeige

Online wird Werbung schon lange nicht mehr so gebucht, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Es ruft mich hier kaum jemand an, um Banner auf airliners.de zu buchen. Das passiert alles im Hintergrund und ganz automatisch. Dazu gibt es riesige Adserver und hochkomplexe Bidding-Systeme, die in Sekundenbruchteilen ermitteln, welche Werbung jedem einzelnen Nutzer in genau diesem Moment angezeigt wird.

Wir als Seitenbetreiber wissen dabei nicht, welche Banner Sie jetzt gerade auf dieser Seite sehen. Online-Marketing-Manager wissen nur eins: Je mehr Banner, desto besser. Denn jeder Anzeigenplatz ist wertvoll. Es gibt eigentlich kein "zu viel" und ohnehin niemals ein Ende: Dank des vollautomatischen und gleichzeitig hochgradig individualisierten Ein- und Verkaufs von Werbeflächen in Echtzeit gibt es immer noch eine weitere Anzeige, die gewinnbringend ausgespielt werden kann.

Es lohnt sich also für Medienmacher, zur Gewinnmaximierung schnell und billig so viel Content zu publizieren, wie man nur kann. Inhalt? Egal. So kommt es zu einer Flut von Blödsinn-Meldungen oder aufgeblähten Nichtigkeiten, deren Nachrichtengehalt vielfach so dürftig ist, dass eine treffende Überschrift allein schon ausgereicht hätte. Nur dann klickt ja keiner.

Zugegeben, aus Scheiße Gold zu machen ist nicht so einfach, wie sich das anhört. Denn es bedarf schon einer gewissen Portion Fantasie, wenn ein Artikel ganz ohne Tiefgang lang genug sein soll, um genügend Werbebannern Platz zu bieten. Ohne wirklichen Inhalt hinter dem Penis-Bild ist das dann durchaus eine Herausforderung. Pro-Tipp an alle Redaktions-Newbies: Schnell Twitter nach ähnlichen Penis-Bildern durchsuchen, Tweets einbinden und kurz beschreiben. Journalistisch grenzwertig, aber die bemitleidenswerten Kollegen für solche Themen sind ohnehin eher Marktschreier als Journalisten.

Mit jedem Klick auf eine Meldung öffnen sich folglich nicht selten ein, zwei Dutzend oder mehr Werbeelemente. Egal ob ihr Rechner dann anfängt, wegen Überlastung den Lüfter jaulen zu lassen. Die Nutzer wollen es ja kostenlos. Da müssen sie eben die Cookies akzeptieren und die Werbung laden. Das bedeutet dann eben noch ein Layer-Ad und noch ein Iframe und noch ein Video.

Um die Adblocker auszutricksen, bekommen die Nutzer unter den Artikeln dann noch Stefan Raabs geheime Anlagestrategien und die neuesten Diät-Tricks, alles schön getarnt als redaktioneller Inhalt. Das heißt dann "Native Advertising". Klickt jemand unachtsam im guten Glauben drauf, klingelt doch noch die Kasse.

Unserer Redaktion sind Klicks ab sofort egal

Sie verstehen, worum es geht. Unsere Entscheidung gegen zu viel Werbeeinblendungen, gegen Meldungen zu jedem Blödsinn und gegen Artikel mit Fragezeichen in den Überschriften hat uns über die Jahre viel Geld gekostet, aber das ist OK. Jetzt hat das nämlich sogar etwas Gutes: Wir werden vom absehbaren Wegfall des Marketing-Cookies zwar betroffen sein, nur weit weniger dramatisch als viele andere Seiten.

Und wir haben uns mit unserem Verzicht auf Irrelevantes in der Berichterstattung einen weiteren Vorteil erarbeitet: Glaubwürdigkeit. Weit über 1000 Abonnenten schauen sich airliners.de mittlerweile komplett ohne blinkende Banner an. Bedeutet: Unser Inhalt ist vielen Menschen so viel wert, dass sie bereit sind, dafür direkt zu bezahlen. Das haut uns um, mit so viel Zuspruch nach rund einem halben Jahr airliners+ haben wir nicht gerechnet.

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Vielen Dank für das Vertrauen an jeden Einzelabonnenten und natürlich an alle Firmen, die "airliners+ Teams" oder "airliners+ Campus" nutzen!

Damit ist ein wichtiges Zwischenziel auf unserem Weg zu mehr Qualität schneller erreicht als wir geplant hatten. Dank unseren Abonnenten können wir uns schon jetzt immer stärker von der Werbung emanzipieren. Und wir fangen direkt zum Jahreswechsel damit an.

Maßnahme 1) Keine Klickzahlen mehr im Redaktionssystem: Wir haben zwar schon immer nicht nur auf die Klicks geschielt. Jetzt haben wir die Info darüber, wie viele Klicks welcher Artikel generiert, aus unserem Redaktionssystem gestrichen. Bedeutet: Unserer Redaktion sind Klicks ab sofort egal. Wichtig ist nur noch der Inhalt.

Maßnahme 2) Keine Sponsored Posts mehr. Ab Januar streichen wir die Möglichkeit für Werbekunden, auf airliners.de sogenannte Sponsored Posts zu schalten. also Inhalte, die nicht von der airliners.de Redaktion kommen, sondern gegen Bezahlung auf airliners.de publiziert wurden.

Mit weiteren Neuerungen starten wir die Qualitätsoffensive:

Maßnahme 3) Mit der "German Aviation Research Society" hat unsere Redaktion ab sofort einen "Wissenschaftlichen Partner" an der Seite. Zudem bauen wir einen Fachbeirat auf. So wollen wir die fachlich-inhaltliche Zusammenarbeit mit Experten aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft weiter vorantreiben.

Unser Ziel mit airliners.de ist klar: Journalismus, wie er sein soll. Mit genügend Zeit recherchiert und mit einem Mehrwert für Sie als Leser. Zudem wollen wir zukünftig vermehrt Plattform sein. Sprich: wir geben denjenigen in der Branche eine Möglichkeit zum Publizieren, die fachlich wirklich etwas zu sagen haben. Davon haben dann Sie als Leser ebenfalls etwas: Sie werden davon nachhaltig schlauer. Das hilft unserer Branche dann beim Neustart nach Corona.

Neue Updates und noch viel vor uns

Gleichzeitig bauen wir airliners.de Stück für Stück technisch weiter aus. Basis dafür sind Ihre Wünsche aus unseren Leserumfragen sowie ganz speziell das Feedback unserer Abonnenten. In der vergangenen Woche haben wir wieder ein größeres airliners.de-Update eingespielt.

Ab sofort gibt es Hinweise zu den Veränderungen in einem als "aktualisiert" markierten Artikel sowie weiterführende "Links zum Thema" unter bestimmten Artikeln. Beides wurde immer wieder gewünscht. Der im Screenshot gezeigte Heathrow-Artikel hat beides - sichtbar sind diese Zusatz-Services jedoch derzeit nur für unsere Abonnenten. Daher einfach mal ein Screenshot:

So sehen die "aktualisiert"-Hinweise und "Links zum Thema" hinter der Paywall aus. Auch beliebt: Artikel als PDF runterladen. © airliners.de

Der Heathrow-Artikel bietet gleichfalls für Nicht-Abonnenten einen Vorgeschmack auf eine weitere Neuerung, die wir mit unserer Qualitätsoffensive im kommenden Jahr im Zuge unserer Qualitätsoffensive so richtig ausrollen werden: Wir präsentieren darin den ersten Teaser zu airliners.de Artikelserien.

Sie sehen also: Es tut sich viel bei airliners.de und mit airliners+ wird vieles möglich. Dass dies so klappt, freut und bestätigt uns sehr. Zwar passiert im Moment noch vieles im Hintergrund. So habe wir in den vergangenen Monaten unser Redaktionssystem komplett umgestellt, um viele Ideen in der nahen Zukunft umsetzen zu können. Aber das Ziel ist das richtige, dem sind wir uns alle bei airliners.de sicher.

Uns ist bewusst, dass wir jetzt liefern müssen. Das ist eine Herausforderung und unser Weg ist noch von vielen Ungewissheiten gesäumt. Der viele Zuspruch, der uns erreicht, bedeutet uns sehr viel. Nicht zuletzt deswegen, weil er erstmalig nicht nur in Form warmer Worte kommt. Er kommt von wirklich zahlenden Mitgliedern. Und die bekommen nie wieder Penis-Bilder und derartige Überschriften auf airliners.de zu sehen. Versprochen.

Ihr David Haße
Herausgeber airliners.de

Von: David Haße

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