Das ist der neue Airbus-Chef Guillaume Faury

Guillaume Faury übernimmt bei Airbus die Führung des Konzerns von Tom Enders. Ein Portrait zeigt, warum die Vorschusslorbeeren für den Franzosen so groß sind. Es hat auch mit der Schmiergeldaffäre bei Airbus zu tun.

Guillaume Faury © Airbus

Inmitten der deutsch-französischen Scharmützel um Rüstungsexporte wird am Mittwoch der Steuerknüppel bei Airbus übergeben: Der Franzose Guillaume Faury übernimmt auf der Hauptversammlung in Amsterdam den Chefposten von dem Deutschen Tom Enders.

"Major Tom" sieht in dem 51-jährigen Faury den Vertreter einer "neuen Generation von Führungspersönlichkeiten". Vor allem eins zeichnet den Franzosen aus: Von der Schmiergeldaffäre um Airbus ist der künftige Konzernchef unbelastet.

Die Vorschusslorbeeren für Faury sind ebenso groß wie die Fußstapfen, in die er mit Enders' Abgang tritt. Mit der bisherigen Nummer zwei bei Airbus werde "ein neues Kapitel in der Geschichte des Unternehmens" aufgeschlagen, erklärte Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly, als er im Oktober vom Verwaltungsrat nominiert wurde.

Dabei ist der Ingenieur Faury ein Hausgewächs. Der bisherige Leiter der Verkehrsflugzeugsparte Airbus Commercial Aircraft hat den Großteil seiner Karriere im Unternehmen verbracht. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Als sich Airbus-Verantwortliche mutmaßlich der Bestechung ausländischer Beamter sowie der Geldwäsche schuldig machten, arbeitete Faury beim französischen Autobauer PSA um Peugeot und Citroën. Erst 2013 kehrte er zu Airbus zurück.

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Das sind aus Sicht der Politik gute Voraussetzungen, um Airbus neuen Aufwind zu verschaffen. Denn der Gigant mit einem Umsatz von 67 Milliarden Euro und rund 130.000 Mitarbeitern weltweit muss sich neu erfinden: Die britische und die französische Justiz ermitteln in der Schmiergeldaffäre weiter. Auch der Wettstreit mit dem US-Konkurrenten Boeing fordert volle Aufmerksamkeit - selbst wenn dieser nach zwei Abstürzen mit seiner einstigen Vorzeigemaschine 737 MAX zu kämpfen hat.

Faury habe "viele Ideen, aber er muss sich unbeschränkte Vollmachten verschaffen, um sie umzusetzen", sagt ein Airbus-Manager, der anonym bleiben will. Ob der passionierte Langstreckenläufer und Triathlet Faury die gleiche Entschlossenheit hat wie der frühere Fallschirmjäger Enders, muss er noch unter Beweis stellen.

Das gilt auch in der Frage des deutschen Rüstungsexport-Stopps für Saudi-Arabien, der in Frankreich und Großbritannien auf scharfe Kritik stößt. Enders machte keinen Hehl daraus, dass er die restriktive Haltung der Bundesregierung für falsch halte und drohte sogar mit einem Rückzug deutscher Bauteile. Faury hat sich bisher nicht positioniert.

Eliteschulen-Absolvent und Privatpilot

Als zurückhaltend und arbeitsam gilt der frühere Jesuitenschüler unter Kollegen. Der Familienvater und passionierte Amateurpilot mit mehr als 1300 Flugstunden blickt auf eine typische Managerkarriere zurück: Er studierte Ingenieurwissenschaften an der Pariser Elitehochschule École Polytechnique und Luftfahrttechnik in Toulouse. Danach arbeitete er zunächst in der Beschaffungs-Abteilung des französischen Verteidigungsministeriums.

Von 1998 bis 2008 war er in verschiedenen Führungspositionen bei Eurocopter tätig, der damaligen Airbus-Helikoptersparte. Dort war er unter anderem für den deutsch-französischen Kampfhubschrauber "Tiger" zuständig. 2009 wechselte Faury als Forschungs- und Entwicklungschef zum Autokonzern PSA und kehrte im Mai 2013 als Leiter von Airbus Helicopters zurück. Seit Februar 2018 leitete er die Verkehrsflugzeugsparte des Konzerns.

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In dieser Funktion konnte Faury Ende März noch einen wichtigen Abschluss mit China verbuchen: Am Rande des Besuchs von Präsident Xi Jinping in Paris wurde ein Rahmenabkommen über die Lieferung von 300 Zivilflugzeugen unterzeichnet. Keine schlechten Startbedingungen für den Airbus-Chefposten.

Von: dh mit AFP

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