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Gütersloh will beim Flughafen Paderborn aussteigen

Der Landkreis Gütersloh will nicht mehr am Flughafen Paderborn beteiligt sein. Verhandlungen mit dem Ziel eines Ausstiegs hat der Kreisausschuss nun einstimmig beschlossen. Der Kreis ist einer von neun Gesellschaftern. In Paderborn erwägt man derweil eine Insolvenz samt Neuausrichtung.

Airbus am Flughafen Paderobrn/Lippstadt. © Paderborn/Lippstadt Airport

Der Kreis Gütersloh plant seinen Ausstieg als Gesellschafter beim schwer angeschlagenen Flughafen Paderborn-Lippstadt. Der Kreisausschuss habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, keine weiteren finanziellen Verpflichtungen für den Flughafen einzugehen, teilte die Kreisverwaltung am Dienstag mit. Zudem solle die Verwaltung mit dem Hauptgesellschafter, dem Kreis Paderborn, über einen Ausstieg des Kreises Gütersloh aus der Flughafengesellschaft verhandeln.

Der Kreis Gütersloh ist mit knapp acht Prozent an dem Regionalflughafen beteiligt. Insgesamt sind neun Städte und Landkreise an der Flughafengesellschaft beteiligt: Die Kreise Paderborn (56,38 Prozent), Soest (12,26), Höxter (3,92), Gütersloh (7,84), Lippe (7,84) und Hochsauerlandkreis (3,92) sowie die Stadt Bielefeld (5,88). Hinzu kommen die Anteile der Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld (1,57) und Lippe zu Detmold (0,39).

In Paderborn löste die Ankündigung aus Gütersloh Kritik aus. Über eine Übernahme der Gütersloher Anteile könne erst verhandelt werden, wenn der Nachbarkreis seinen Beitrag zu Sanierung des Airports geleistet habe, sagte der Paderborner Landrat Manfred Müller, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH ist. Er verwies darauf, dass der Flughafen überdurchschnittlich stark von Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh genutzt werde.

Der Airport Paderborn-Lippstadt hat schon seit geraumer Zeit finanzielle Probleme. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Passagiere von gut einer Million auf unter 700 000 gesunken. Die Corona-Krise habe mit dem Wegbrechen nahezu aller Einnahmen die wirtschaftliche Situation so sehr verschärft, "dass der Airport nun innerhalb des nächsten halben Jahres in allen Bereichen neu aufgestellt werden muss", hatte der Kreis Paderborn mitgeteilt.

Gedanken zur Insolvenz in Eigenverwaltung

Nun erwägt man in Paderborn sogar eine Insolvenz. Laut "Neue Westfälische" favorisiert die Mehrheit der CDU-Fraktion eine "Insolvenz in Eigenverantwortung". Während der Pandemie würden monatlich 700.000 Euro Verluste angehäuft. Es gehe nun darum, den Flughafen "ganz neu aufzustellen".

In diese Richtung gehen auch Gedanken, die Flughafenlandschaft in NRW als System zu sehen. Bislang gibt es in dem Bundesland neben auch noch in Paderborn, Dortmund, Münster/Osnabrück und Weeze Flughäfen. Hinzu kommen die großen Standorte Düsseldorf und Köln/Bonn, die bereits laut über erweiterte Kooperationsideen sprechen. Von Dortmund geht zudem die Idee eines "Westfälischen Flughafens" aus, der die regionalen Flughäfen Westfalens bündeln soll.

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Ein Sanierungskonzept sehe vor, die Abfertigungskapazitäten auf 300.000 Passagiere im Jahr zu reduzieren. Das erhöhe die Krisenbeständigkeit des Flughafens. "Alle Gesellschafter müssen jetzt zusammenstehen und diese Sanierungsphase durchstehen und finanzieren", hatte der Paderborner Landrat Manfred Müller, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen GmbH ist, gefordert.

Dabei will der Nachbarkreis Gütersloh offensichtlich nicht mitmachen. Er ist den Angaben zufolge nicht bereit, über seinen zugesagten Beitrag von jährlich 200.000 Euro zur Verlustabdeckung hinaus zu gehen.

Von: dh, dk mit dpa

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