Corona & Pricing (3/5) Ein erstaunter Blick auf aktuelle Flugpreise

Themenwoche

Den Unsicherheiten rund um Flugreisen während Corona begegnen die Fluggesellschaften mit günstigen Preisen, auch auf der Langstrecke. Innereuropäische Mittelstrecken haben allerdings schon wieder Vorkrisen-Preisniveau.

Die Ticketpreise während Corona sind durchaus überraschend. © Adobe Stock

Preise für Flugtickets sind schon ohne Corona eine Wissenschaft für sich. Nach dem weltweiten Grounding fahren die Airlines nun die Kapazitäten wieder hoch, was im ersten Moment zu billigen Tickets führt, allerdings durchaus auch schnell wieder umschlagen kann, sobald die Nachfrage anzieht. Der Teil 3 der airliners.de Themenwoche "Corona & Pricing".

Das Angebot steigt - so wie die Preise

So langsam fahren die Fluggesellschaften ihre Angebote nach Corona wieder hoch. Die Flugpläne werden erweitert und die Wahrscheinlichkeit einer Stornierung sinkt. Zumindest innerhalb Europas ist eine Reise in die meisten Länder mittlerweile wieder möglich und mit annehmbaren Einschränkungen verbunden.

Doch potenzielle Kunden sind nach monatelangen Reiseeinschränkungen immer noch verunsichert, denn im Zweifelsfall kann eine Buchung einen hohen Geldverlust bedeuten. Eine größere Stichprobe am Markt soll klären, wie die Fluggesellschaften preislich reagieren.

Zur Stichprobe

Unsere Analyse konzentriert sich auf Stichproben für kurzfristige Buchungen im Reisezeitraum Juli sowie August dieses Jahres. Damit sind in vielen Bundesländern die Sommerferien mit abgedeckt. Genauer erfasst wurden zwei Reisezeiträume, die jeweils zwei Wochen Urlaub versprechen: Sehr kurzfristig sollte für den Juli 2020 gebucht werden. Ein Abflug am Samstag (4. Juli) und einen Rückflug am Sonntag, dem 19. Juli. Für den August gelten der 1. und der 16. entsprechend als mittelfristige Planung.

Gesucht wurde jeweils nach Hin- und Rückflug. Als Abflughäfen dienen Berlin (SXF und TXL), Düsseldorf, Frankfurt am Main und München. Ziele sind zum einen typische Geschäftskundenziele wie London, Frankfurt und München. Aber auch touristische Ziele wie Barcelona, Budapest oder Lissabon wurden ausgewählt. Neben europäischen Zielen werden auch einzelne interkontinentale Ziele betrachtet.

Als Referenz nutzen wir dabei die günstigsten Return-Tarife mit Gepäck. Zwei-Wochen-Trips sind mit Handgepäck eher untypisch. Höhere Tarife wurden nicht berücksichtigt. Das liegt auch daran, dass die derzeitigen Ticket-Angebote sehr viel wertvoller sind und typische Flex-Tickets nur noch wenige Vorteile bieten, wie im Teil 1 dieser Themenwoche bereits festgestellt wurde.

Verwendet wurde überwiegend die Flugsuchmaschine Google Flights mit anschließender Kontrolle, ob der Preis auch wirklich existiert. Flugsuchmaschinen haben ab und an das Problem, dass die Preise schon weg sind. In einigen Fällen kann es aber auch sein, dass besonders günstige Preise nur über die Verlinkung in der Suchmaschine möglich sind. Deswegen wurden viele Preise auch noch einmal ohne Referrer durch die Suchmaschine der Fluggesellschaft abgefragt.

Bei der Stichprobe wurde eine Bewertung der Flüge bezüglich der Auswahl vorgenommen. Der Flug sollte möglich stressfrei und angenehm erfolgen. Ankünfte kurz vor Mitternacht, "Pyjama"-Flüge am Morgen und ungewöhnlich lange Umsteigezeiten wurden nicht berücksichtigt. Auch Flüge, die offensichtlich "zu teuer" sind, wurden nicht berücksichtigt.

Die Stichprobe erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wurde in der Woche zum 8. Juni und zum 15. Juni erhoben und am 23. Juni noch einmal auf besondere Veränderungen hin überprüft.

Innerdeutsche Flüge zeigen teils hohe Preise

Für das erste Beispiel geht es von Berlin nach München und Frankfurt am Main und jeweils wieder zurück. Die Preise sind dabei erstaunlich hoch für die kurzfristige Juli-Buchung. Bei gemütlichen Abflugzeiten werden nach München im Juli etwa 210 Euro verlangt. Frankfurt ist ab Berlin deutlich günstiger mit etwa 150 Euro für die Return-Buchung mit Gepäck.

Im August sind beide Flugbeispiele günstiger. München sinkt auf etwa 143 Euro mit Gepäck, Frankfurt liegt bei 133 Euro. Gleichzeitig ist die Auswahl günstiger Flüge höher. Am 23. Juni, der Nachprobe, waren insbesondere für den August-Zeitraum leichte Preissenkungen von zehn bis 20 Euro zu erkennen.

Bemerkenswert ist die Bewertung von Google der Preise. Während die kurzfristigen Preise als normal eingestuft wurden, wurde der August-Zeitraum trotz der niedrigen Preise als hoch eingestuft. Grund dafür dürften die vor der Krise üblichen Kampfpreise sein, als Easyjet noch parallel die Strecken anbot.

© Berliner Flughäfen, Lesen Sie auch: Easyjet streicht erste innerdeutsche Verbindung

Da diese Strecken für kurze Dienstreisen interessant sind, wird zusätzlich der Preis für einzelne Segmente beobachtet und für diesen Spezialfall auch ohne Aufgabegepäck. Die liegen im Juli nach München in der Regel bei über 75 Euro, ohne Gepäck. Einzelne Flüge, vor allem zu guten Zeiten, übersteigen aber die 90 oder 110 Euro. Erst gegen Ende Juli gibt es signifikant viele Flüge für 55 Euro. Für die Rückrichtung werden die Preise zum 10. Juli günstiger. In Richtung Frankfurt gibt es die 55-Euro-Preise schon Anfang Juli. Der Rückweg kostet einzeln 65 Euro.

Für die Zukunft heißt das wohl, dass insbesondere innerdeutsche Flüge ein paar Wochen im Voraus gebucht werden sollten. Die fehlende Konkurrenz von Easyjet macht sich hier aber bemerkbarer als Corona.

In die Ferien von Berlin und Düsseldorf nach Barcelona

Für einen typischen europäischen Sommerurlaub wurden die Verbindungen Düsseldorf-Barcelona, Berlin-Mallorca und Berlin-Lissabon sowie München-Lissabon als Return-Flüge ausgewählt. Das sind etwa zwei bis drei Stunden Flugzeit in beliebte Urlaubsziele, die sowohl von der Lufthansa-Gruppe wie auch von Billigfliegern angeboten werden. Dazu kommt die Möglichkeit, das Drehkreuz Amsterdam oder Paris zu nutzen.

Von: Andreas Sebayang

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