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Passagiere boarden zum ersten Sundair-Flug in diesem Sommer ab Dresden. © Flughafen Dresden GmbH / Jürgen Lösel

Klimaschädlich, ohne großen Nutzen für die Verkehrsanbindung und trotz Millionensubventionen in den roten Zahlen: Eine Untersuchung von Umweltschützern hat der großen Mehrheit der Regionalflughäfen in Deutschland ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) forderten deshalb am Mittwoch die "sofortige Schließung der Hälfte der 14 untersuchten Regionalflughäfen".

Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Wirtschaftlichkeit, der Bedeutung für die Verkehrsanbindung und der Entwicklung der Passagierzahlen von Flughäfen mit 200.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr.

Laut der Untersuchung zu "Wirtschaftlichkeit, Konnektivität und Klimalast" können viele der Regionalflughäfen nur mit hohen Zuschüssen der öffentlichen Hand überleben. Nach Abzug der Subventionen wiesen zwölf der 14 untersuchten Flughäfen mit 200.000 bis drei Millionen jährlichen Fluggästen "anhaltend negative Jahresergebnisse" auf, erklärte das FÖS, das die Studie für den BUND erstellt hatte. Die Umweltschützer appellierten an die EU, am Beihilfeverbot für den laufenden Betrieb ab 2024 festzuhalten. Bis dahin müsse der Subventionsabbau "konsequent vorangetrieben" werden.

Die Klimawirkung der Regionalflughäfen sei nur zu rechtfertigen, wenn diese "einen eigenen verkehrspolitischen Zweck für ihre Region jenseits von Freizeitvergnügen erfüllen", heißt es in der Studie. Nur drei von 14 untersuchten regionalen Airports hätten aber einen verkehrspolitischen Nutzen durch die Anbindung ihrer Region an den internationalen Flugverkehr. Beim Rest handele es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge.

Die gesamte Klimawirkung der 14 Regionalflughäfen beziffert die FÖS-Studie auf 4,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente - das ist mehr als Doppelte der CO2-Emissionen des gesamten innerdeutschen Flugverkehrs. Damit sei das Einsparpotenzial "beachtlich".

Forderung: Sieben Regionalflughäfen sofort schließen

Bewertet wurden die Flughäfen Bremen, Dresden, Dortmund, Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden, Kassel-Calden, Memmingen, Münster/Osnabrück, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken.

Bremen und Memmingen schnitten mit einer "gelben Karte" und je zwei Positiv-Bewertungen am besten ab. Je eine positive Bewertung und damit eine "orangefarbene Karte" gingen an Dresden, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück.

Sofort geschlossen werden sollten aus Sicht der Umweltschützer diejenigen Regionalflughäfen, die nur negative Bewertungen und damit eine "rote Karte" erhielten: Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Grundlage waren den Angaben zufolge die Geschäftsberichte 2014 bis 2018.

IDRF und ADV kritisieren Studie heftig

Heftige Kritik kommt vom Regionalflughafen-Verband IDRF sowie von der ADV. Die Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF) kritisiert, dass die Studie keine Antworten auf elementare Fragen, geschweige denn ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Mobilitätskonzept enthalte.

"Regionalflughäfen wegen rein ökonomischer Effekte in Zweifel zu ziehen, ist für einen Verband, der sich die soziale Marktwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, durchsichtig und schwach", erläutert IDRF-Vorsitzender Ralf Schmid. Die Studie greife viel zu kurz, wiederhole nur das bekannte Mantra und sei als ideenlos, kurzsichtig und oberflächlich abzulehnen, so Schmid weiter.

Zudem kritisiert der Regionalflughafen-Verband, warum ausgerechnet die Infrastrukturen der Luftfahrt im Gegensatz zu anderen Verkehrsträgern betriebswirtschaftlich betrachtet werden sollen. Der Luftverkehr trage seine Infrastrukturkosten überwiegend selbst, so IDRF-Geschäftsführer Thomas Mayer in einem Statement. Zu fragen sei auch, wie die Gesamt-Ökobilanzen der Verkehrsarten aussehen und welche technischen Entwicklungen zu fördern sind, damit diese Bilanzen besser werden.

© dpa, Óscar J.Barroso Lesen Sie auch: EU setzt Corona-Beihilfen für Flughäfen einen engen Rahmen

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) teilt mit, dass sich das polyzentrische Flughafennetz eine Folge der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland sei und daher viele Regionalflughäfen für die Anbindung ihrer Region unverzichtbar sind. Zudem stellten diese einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.

Entscheidend seien die wirtschaftlichen Effekte in der Region, die durch den Flughafen erzielt würden. Kleinere Flughafenstandorte trügen zudem auch zu gleichwertigen Lebensverhältnissen für die Bevölkerung bei, seien für international tätige Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor und erhöhten den Bekanntheitsgrad einer Region und das Standortimage.

Weiter kritisiert die ADV, dass Regionalflughäfen anhand von rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ihre Daseinsberechtigung abzusprechen voreilig sei und zu kurz greife. Der Flughafenverband verlangt Kostenentlastungen insbesondere bei Sicherheitsvorkehrungen, die in anderen EU-Ländern vom Staat getragen würden.

© Flughafen Memmingen, Lesen Sie auch: IDRF weist Kritik von Steuerzahlerbund an Regionalflughäfen zurück

Kritik an Regionalflughäfen gibt es regelmäßig. Erst im Mai hatte der Bund der Steuerzahler seine Kritik gegenüber defizitären, von der öffentlichen Hand betriebenen Regionalflughäfen veröffentlicht und dabei eine Konsolidierungswelle unter den Standorten als "eigentlich unvermeidlich" beschrieben.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: "Schienenpakt" soll Bahn konkurrenzfähig machen

Die Allianz pro Schiene forderte derweil, Deutschland müsse "alle Anstrengungen auf eine bessere Anbindung der Menschen an die Schiene konzentrieren". Die Menschen auf dem Land und in Mittel- und Kleinstädten bräuchten "eine Schienenanbindung und keine Regionalflughäfen", erklärte das Verkehrsbündnis.

Derweil sind Schienen sehr teuer. Für den Erhalt der Bahninfrastruktur hatte der Bund vor kurzem erst 86 Milliarden Euro an Subventionen beschlossen. Hinzu sollen weitere vier Milliarden Euro pro Jahr für Ausbaumaßnahmen kommen.

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