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Airbus A380 von Emirates © AirTeamImages.com / Derek Pedley

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Die aus Luftverkehrssicht lange Zeit boomende Golfregion kämpft in der Corona-Krise mit empfindlichen Verlusten. Laut Iata-Regionalchef Muhammad Ali Albakri für Afrika und den Mittleren Osten rechnen die Airlines in der Region in diesem Jahr mir 7,1 Milliarden Dollar Verlust. Zudem befürchtet die Iata eine komplizierte Erholungsphase. "Die Airlines in der Region sind von Langstreckenhubs abhängig, dieses Segment wird sich jedoch zuletzt von Corona erholen."

Bereits vor der Covid-Krise prophezeiten Experten eine Verlagerung von internationalem Verkehr weg von klassischen Hub-Systemen hin zu mehr Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Sie verwiesen dabei auf die vielen Aufträge für die neuen Langstreckenversionen der kleinen Airbus A321, neue Ultralangstrecken mit dem Airbus A350 oder der Boeing 787, die nicht vorhandene Nachfrage nach neuen Vierstrahlern, veränderte Konsumentenwünsche, zu denen sich auch zunehmend ökologische Erwägungen gesellen würden und Wachstumsgrenzen für Großflughäfen generell.

Insgesamt also eine potenziell ungünstige Entwicklung für das Geschäftsmodell der Golf-Airlines Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways, das auf internationalem Umsteigeverkehr beruht. Selbst nur mit einem kleinen Heimatmarkt ausgestattet, sind sie nun zusätzlich mit dem pandemiebedingten Verkehrseinbruch im grenzüberschreitenden Verkehr konfrontiert. Wann und inwieweit sich der Hub-Verkehr im Nahen Osten erholt, ist daher derzeit kaum zu prognostizieren.

Fokus auf Leisure-Verkehr

Sowohl Emirates als auch Qatar erwarten mit dem Ende der gravierenden Reisebeschränkungen eine starke Nachfrage im sogenannten VFR-Verkehr (Visiting friends and relatives), die Menschen wollten einander nach langer Zeit wiedersehen. Hinzu komme ein generelles Reisebedürfnis, dass den touristischen Interkontinental-Verkehr ankurbele. In beiden Märkten sehen sich die Golf-Carrier gut aufgestellt.

Ein weiteres Standbein waren vor der Krise zudem Geschäftsreisende. Mit opulenten Business- und First-Class-Kabinen trieb man vor allem die westliche Konkurrenz lange vor sich her. Doch dem Segment wird nach Corona eine besonders langwierigere Erholungsphase vorausgesagt.

Die drei von den reichen Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar kontrollierten Fluggesellschaften geben sich dennoch zuversichtlich. Die Liquiditätskrise, mit der die internationale Konkurrenz kämpft, verliert vor dem Status der drei in ihren Heimatländern an unmittelbarem Schrecken. Sie gelten als Aushängeschilder im Besitz der autokratischen Golf-Regierungen, die teils bis in höchste Familienkreise in das Management eingebunden sind.

"Stets ausreichend Zugang zu Finanzmitteln"

Emirates werde durch die Regierung stets "ausreichend Zugang zu Finanzmitteln" haben, kommentierte jüngst Gruppen-Chef Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum, Mitglied der Herrscherfamilie in Dubai, die schmerzhaften Halbjahresergebnisse, die einen Verlust von 3,8 Milliarden Dollar von April bis Ende September ausweisen. Zwei Milliarden Dollar sollen schon geflossen sein.

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"Wir sind weiterhin fest überzeugt von unserem Geschäfts- und Hubmodell. Wir fliegen aktuell wieder zu 99 Zielen, das ist 60 Prozent unseres Streckennetzes vor der Pandemie", erklärt Volker Greiner, Emirates Vice President North & Central Europe, airliners.de.

Nachdem über Monate nur provisorischer Frachtverkehr in umfunktionierten Passagiermaschinen noch Einnahmen generierte, werden derzeit in der Tat zahlreiche Verbindungen wieder aufgenommen. Allerdings fehlen derzeit noch die Frequenzen. In Deutschland etwa stehen neben Frankfurt und München nun auch wieder Düsseldorf und Hamburg im Flugplan. Aber es gibt derzeit nur 22 wöchentliche Flüge, vor Corona waren es 56.

Der Umsteigeverkehr kämpft zwar weiter mit den weltweit volatilen Reisebeschränkungen, was sich am Einsatz kleineren Fluggeräts und weniger Frequenzen zeigt, doch zumindest der Verkehr von und nach Dubai wird nach Kräften gefördert. Die Emirate sind inzwischen für den Tourismus wieder geöffnet und werben damit, im Falle einer Corona-Infektion vollen Versicherungsschutz zu bieten. Am Flughafen Dubai selbst soll ein "biometrischer Pfad" für einen möglichst kontaktfreien Check-In- und Boarding-Prozess sorgen.

Mit dem neuen Angebot "Dubai Connect" soll der Hub zusätzlich gestärkt werden. In Kooperation mit dem JW Marriott Marquis Hotel ist sogar für Gäste mit Economy-Class-Ticket eine Übernachtung in dem Fünf-Sterne-Haus kostenlos. Business-Class-Reisende können zwei Nächte bleiben und bekommen im Hotel ein Zimmer-Upgrade, wie die Airline mitteilte.

Hoffnung setzt die größte Golf-Airline in einen Covid-Impfstoff, bei dessen Verteilung der Carrier eine wichtige Rolle spielen soll. Ein verpflichtender Impfnachweis für Passagiere sei derzeit jedoch nicht geplant, so Greiner. Man richte sich nach den Einreisebestimmungen der Zielländer.

In der Flotte kündigen sich derweil erste Veränderungen an. Zwar werden die letzten bestellten A380 derzeit noch ausgeliefert, aber die Corona-Krise hat den Riesenvögeln die Grenzen aufgezeigt. Derzeit sind 102 der insgesamt 114 Emirates-Maschinen geparkt. Stattdessen setzt die reine Großraum-Airline auf "kleineres" Gerät.

"Unsere Boeing-777-Flotte ist derzeit unser Rückgrat und in der gegenwärtigen Situation ideal, weil sie optimal für das Frachtgeschäft ist," beschreibt Greiner die Vorzüge großer Zweistrahler. Die Flottenpläne würden angesichts des derzeitigen Flugbetriebs kontinuierlich überprüft. Die künftige Entwicklung sieht ohnehin schon ein Downsizing bei den Flugzeuggrößen vor, bereits Ende 2019 hat Emirates insgesamt 80 Airbus A350 und Boeing 787 bestellt. Ein Umbau weg vom A380, der sich durch die Krise beschleunigen dürfte.

Nichtsdestotrotz soll die A380 in der kommenden Dekade weiterhin das Flaggschiff der Emirates bleiben. Die Passagiere würden den großzügigen Kabinenraum lieben, so Greiner. Die aktuelle Planung sei, dass Emirates im ersten Quartal wieder alle A380 einsetzt, erklärte zuvor bereits Emirates-Chef Tim Clark. Ihre vollständige Rückkehr würde auch den Hub-Betrieb am Flughafen Dubai in Vorkrisen-Dimensionen bedeuten. Allerdings hat die Airline auch schon mehr als 20.000 ihrer weltweit über 100.000 Mitarbeiter entlassen.

"Die A380 wird bei Emirates künftig auf Abruf fliegen, das sieht man schon daran, dass die A380-Piloten von den Entlassungen überproportional betroffen waren", zitiert "Arabian Business" den Golf-Experten Saj Ahmad.

Etihad gefällt sich in der Rolle der Staatsairline

Die kleinste Hub-Airline am Golf, die VAE-Nationalairline Etihad, hat 2019 ebenfalls Verluste eingeflogen. Für das erste Halbjahr 2020 schlägt ein Minus von rund 760 Millionen Dollar zu Buche. Nun sollen alle A380 die Flotte verlassen, die Zukunft von 30 Airbus A320 ist ebenfalls offen. Künftig sollen vor allem die Boeing 787 und Airbus A321 das Rückgrat der Flotte bilden.

Auch die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi kann als eigentliche Staatsairline der Emirate auf uneingeschränkte politische Rückendeckung bauen. So machte Etihad nach den zahlreichen finanziellen Fehlgriffen der Vergangenheit in Sachen Airline-Beteiligungen in jüngster Zeit vor allem Schlagzeilen mit Flügen nach Israel, im kommenden Jahr soll eine tägliche Verbindung aufgelegt werden.

Die Airline gab bekannt, sich schlanker aufzustellen und als mittelgroßen Full-Service-Carrier am Markt zu positionieren zu wollen, gab die Golf Airline bekannt. Zahlreiche Spitzenmanager mussten gehen, unter anderem CCO Robert Kamark und Vertriebsdirektor Duncan Bureau.

Wie Emirates im Nachbaremirat Dubai versucht man in Ermangelung von Umsteigeverkehr derzeit, mehr Verkehr mit direktem Reiseziel Abu Dhabi zu generieren. Niedrige Preise für Übernachtungen sollen zusammen mit Vertrauensbildung durch den Einsatz High Tech die Nachfrage stärken. Neben biometrischen Verfahren soll künstliche Intelligenz am Flughafen Ab Dhabi künftig dafür sorgen, die Passagier- und Mitarbeiterströme so zu lenken, dass keine Schlangen entstehen.

Die Zukunft der Hubs am Golf scheint keineswegs unsicher, kommentiert auch der Luftfahrtberater Linus Bauer. Zu mächtig ist die Präsenz der Carrier in vielen Märkten, zu deutlich sind die Effizienzvorteile eines funktionierenden Hub-Systems, das günstige Tickets möglich macht. Dennoch erwartet er einen weltweiten Verdrängungswettbewerb. Es werde mittelfristig mitunter weniger große Hubs geben, die dafür jedoch umso profitabler seien. Die Golf-Carrier müssten sich genau überlegen, welches Netzwerk und welche Flotten sie betreiben wollten, um in diesem Wettbewerb zu bestehen.

Qatars jahrelange Verluste weiten sich in der Krise noch einmal aus

Auch Qatar Airways hat bereits zwei Milliarden Dollar an Staatshilfen erhalten. Im Gegensatz zum größeren Konkurrenten Emirates hat die Airline jedoch auch im Jahr vor der Corona-Krise milliardenhohe Verluste eingeflogen. Die Airline reagierte im Sommer mit der Verschiebung sämtlicher anstehender Flugzeug-Auslieferungen für die Jahre 2020 und 2021. Auch die Tage der A380 bei Qatar scheinen gezählt.

Dennoch setzt der in Doha beheimatete Carrier weiter auf ein breites Netzwerk, das auch im Verlauf der Corona-Krise so weit wie möglich bedient wurde. Schon früh wurden Hygienekonzepte betont und bereits im Frühsommer wurden alle deutsche Ziele wieder angeflogen. Zeitweise war die Airline aus Katar sogar während Corona die Fluggesellschaft mit den meisten Flügen weltweit. Nur was bringen Flüge, die kein Geld verdienen?

So ist der wirtschaftliche Druck für Mitarbeiter spürbar. Die Gehälter ausländischer Piloten wurden um ein Viertel, die leitender Angestellter laut "Bloomberg" sogar um die Hälfte gekürzt. Airline-Chef Akbar al-Baker drohte den Herstellern gewohnt harsch mit "Abbruch der Geschäftsbeziehungen", sollten diese sich weigern, Auslieferungstermine zu verschieben. Al-Baker erwartet nicht, dass sich der Luftverkehr am Golf zügig dem Vorkrisen-Niveau nähert. "Wer glaubt eine A380 betreiben zu können, bevor wir auf dem Niveau von 2019 sind, ist töricht."

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