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Gläubiger stimmen zu: Condor verlässt Schutzschirm

Rund ein Jahr nach der Thomas-Cook-Pleite kann Condor das Schutzschirmverfahren verlassen. Die Gläubiger stimmten zu und auch die Investorensuche hat jetzt Zeit. Staatshilfen in der Corona-Krise machen es möglich.

Eine Condor-Maschine. © Mitteldeutsche Flughafen AG

Der Ferienflieger Condor kann in eine eigenständige Zukunft starten. Die Gläubiger der Fluggesellschaft stimmten am Donnerstag in Frankfurt mehrheitlich dem Vorschlag des Sachwalters Lucas Flöther zu, das Schutzschirmverfahren nach erfolgter Sanierung zu beenden. Das teilte das Unternehmen selbst nach dem Termin des Amtsgerichts Frankfurt mit.

Der Plan ist bereits vom zuständigen Richter bestätigt und damit rechtskräftig, nachdem die Beteiligten auf Rechtsmittel verzichtet hatten. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Frankfurt.

Wegen der Corona-Krise wurde die Suche nach einem neuen Investor aufgeschoben. "Das kann in 12, aber auch erst in 36 Monaten der Fall sein", sagte zuvor eine Unternehmenssprecherin. Die Kabinengewerkschaft Ufo rechnet mit einer Entscheidung nicht vor dem Jahr 2025. Stattdessen wird vorerst die SG Luftfahrtgesellschaft als Treuhänder agieren ein und das bisherige Management bleibt im Amt.

Ermöglicht wird dies durch einen langfristigen Kredit der staatlichen KfW-Bank über 550 Millionen Euro. Condor will den Schutzschirm zum Ende des Monats November verlassen, so die Sprecherin heute. Damit werde ein sauberer Monatsabschluss ermöglicht.

"Der Weg ist jetzt frei, dass der 1. Dezember für Condor ein Neustart als gesundes Unternehmen sein wird", freute sich Condor-Ceo Ralf teckentrup. "Für unsere Kunden und Partner bedeutet dieser Schritt, dass sie sich auch in Zukunft auf Deutschlands beliebtesten Ferienflieger verlassen können." Er wolle sich im Namen aller Mitarbeiter bei den Gläubigern herzlich bedanken.

Sachwalter Lucas Flöther scheidet nach getaner Arbeit wieder aus dem Unternehmen aus. Unter seiner Aufsicht wurde die Belegschaft verkleinert, Verträge mit Lieferanten verbessert und die Firmenzentrale zu deutlich niedrigeren Mietkosten vom Frankfurter Flughafen ins nahe Neu-Isenburg verlegt. Die Gewerkschaften stimmten zudem Sanierungstarifverträgen zu.

Condor startet mit 51 Flugzeugen und 4200 Mitarbeitern in die neue Ära. Die Beschäftigten zweier Thomas-Cook-Schwestergesellschaften sowie einige Verwaltungsmitarbeiter haben in den vergangenen Monaten ihre Jobs verloren. Das Programm wird pandemiebedingt zunächst schmal ausfallen, denn Teckentrup rechnet für den Winter nur mit einer Kapazität von 10 bis 15 Prozent des üblichen Angebots. Im Sommer will der Manager bereits wieder 70 Prozent fliegen und die Beschäftigten nach Bedarf aus der Kurzarbeit zurückholen. Vorerst gibt es den Lohnersatz bis zum Jahresende 2021.

Von: dk mit dpa

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