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Leitwerke von verschiedenen Lufthansa-Airlines. © Lufthansa Group

Nach dem deutlichen Minus von 336 Millionen Euro im ersten Quartal kann auch das weniger schlechte zweite Quartal die Halbjahresbilanz der Lufthansa nicht mehr ausgleichen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geht der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) in den ersten sechs Monaten 2019 um 60 Prozent auf 418 Millionen Euro zurück, wie die Lufthansa mitteilt.

Das Konzernergebnis rutscht sogar in den negativen Bereich und beläuft sich auf Minus 116 Millionen Euro. Das Halbjahresergebnis von 2018, das sich auf ein Plus von 713 Millionen Euro belief, ist für die Lufthansa also in weite Ferne gerückt.

Diese großen Verluste lesen sich sogar noch schlechter, wenn die leicht gestiegenen Umsätze berücksichtigt werden. Die Erlöse kann der Luftfahrtkonzerns leicht um drei Prozent auf 17,5 Milliarden Euro verbessern. Auch die reinen Verkehrserlöse sind mit zwei Prozent im Plus und belaufen sich auf knapp 13,5 Milliarden Euro.

Die schlechten Zahlen schlagen sich auch im Aktienkurs nieder. Die Papiere der Lufthansa sackten nach der Mitteilung auf den niedrigsten Stand seit März 2017. Als größter Kursverlierer im Dax fielen sie um fast sieben Prozent auf 14,09 Euro, was der niedrigste Stand seit März 2017 ist. Seit den Höchstkursen von Anfang 2018 hat sich der Kurs mittlerweile mehr als halbiert.

Keine Besserung im zweiten Quartal

Wird nur das zweite Quartal betrachtet, sieht es ähnlich aus. So fällt der Umsatz mit 9,6 Milliarden Euro rund vier Prozent höher aus als in den Monaten April bis Juni 2018. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) geht um ein Viertel auf 754 Millionen Euro zurück. Der Überschuss sackt wegen einer bereits angekündigten Steuerrückstellung sogar um 70 Prozent auf 226 Millionen Euro ab. Die Gewinnprognose für das laufende Jahr bleibt weiterhin bei der Erwartung eines operativen Gewinns zwischen zwei und 2,4 Milliarden Euro.

Geschäft in Stuttgart, Berlin und Düsseldorf unter Druck

Wie im ersten Quartal macht der Lufthansa-Konzern auch für die Monate April bis Juni den harten Preiskampf im Europageschäft samt Überkapazitäten verantwortlich. Besonders betroffen seien die Kurzstrecken in Deutschland und Österreich. In der Mitteilung kündigt der Kranich deshalb weitere Kostensenkungen und Flexibilitätssteigerungen an.

Der europäische Markt werde mindestens bis Ende 2019 oder auch bis ins Jahr 2020 herausfordernd bleiben, so Lufthansa-Finanzvorstand bei einer Analysten-Telefonkonferenz. Svensson hob primär die Standorte Stuttgart, Berlin und Düsseldorf hervor, die von dem Preisdruck betroffen seien. Er zeigte sich aber entschlossen, die Mitbewerber zurückzudrängen.

Neben dem Preiskampf sind laut Lufthansa-Mitteilung auch die gestiegenen Kerosinpreise für den deutlichen Gewinneinbruch mit verantwortlich. So habe der Konzern im zweiten Quartal eine viertel Milliarde Euro zusätzlich für Treibstoff ausgeben müssen.

Ganze Branche leidet unter eigenem Erfolg

Die Begründungen der Lufthansa lesen sich sehr ähnlich wie die der Konkurrenz. So hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary bei der Verkündung der Halbjahresbilanz am Montag ebenfalls auf teuren Sprit und den Preiskampf hingewiesen. O’Leary erwartet deshalb weitere Insolvenzen von Fluggesellschaften in diesem Winter.

Insofern haben die Pleiten von Air Berlin, Germania und Wow Air in gewisser Weise gezeigt, dass die Airline-Branche Opfer ihres eigenen Erfolges wird. Die Überkapazitäten lassen nur die starken Player überleben, die es sich wirtschaftlich erlauben können, Preiskämpfe mit Massen von billigen Tickets auszufechten.

Stabilere Operations und erfolgreiche Langstrecke

Aber neben den allseits vorhandenen Problemen gibt es auch positive Faktoren für die Lufthanseaten. So konnten die Kosten für Entschädigungen aufgrund von Verspätungen und Flugausfällen deutlich gesenkt werden. Dies hat allerdings laut Finanzchef Svensson auch erhebliche Investitionen, unter anderem für mehr Ersatzflugzeuge und längere Turn-Around-Zeiten, erfordert. Er rechnet für dieses Jahr mit einem Wert, der zwischen den Zahlen von 2017 und 2018 liegt.

Laut Svensson entwickelt sich auch das Langstreckengeschäft weiterhin positiv, obwohl sich auch die Risiken erhöht hätten. Die operativen Margen lägen bei sieben bis neun Prozent, könnten aber die Probleme der Kurzstrecken nicht komplett ausgleichen. Svensson hob die Buchungslage und Aussichten auf den Transatlantikrouten Richtung USA als besonders positiv hervor.

© airliners.de, Benjamin Recklies Lesen Sie auch: Lufthansa schließt erste Welle von A350-Einflottung ab

Angesprochen auf die Berichte zu einer möglichen Umstrukturierung des Lufthansa-Konzerns sagte Svensson, dass man sehr glücklich sei mit der derzeitigen Matrix-Organisation. Man arbeite natürlich immer an einer "leanen" Struktur, wo es Veränderungen geben könne. Zu einer erneuten Umstrukturierung sagte er: "Ich denke, das sind eher Presse-Spekulationen".

Die Sparten-Zahlen des ersten Halbjahres

Bei den Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian sinkt der operative Gewinn um 43 Prozent auf 565 Millionen Euro. Die Stückkosten können allerdings um Treibstoff- und Währungskosten bereinigt um 0,2 Prozent gesenkt werden.

Bei Eurowings sieht die Lage ebenfalls schlecht aus. Das operative Ergebnis rutscht weiter ab und beläuft sich für das erste Halbjahr auf Minus 273 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum hatte es noch bei Minus 220 Millionen gelegen. Allerdings können die Stückkosten auch bei der Billigtochter gesenkt werden, und zwar um 6,1 Prozent. Begründet wird dies mit geringeren Kosten für Flugunregelmäßigkeiten und dem Wegfall von Integrationsaufwendungen, die letztes Jahr durch die Übernahme großer Teile der insolventen Air Berlin angefallen waren.

Die Cargo-Sparte baut Kapazitäten ab und verbucht ebenfalls ein schlechteres operatives Ergebnis von nur noch 15 Millionen Euro. Auch die Catering-Tochter LSG meldet einen Rückgang des operativen Ergebnisses auf 33 Millionen Euro. Im Gegensatz dazu kann Lufthansa Technik 243 Euro operatives Ergebnis ausweisen, was einem Plus von sieben Prozent entspricht.

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