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Gewerkschaft droht Austrian mit Klage

Der Tarifkonflikt bei Austrian Airlines spitzt sich immer weiter zu: Die Gewerkschaft Vida und die Lufthansa-Tochter gehen scharf aufeinander los. In der kommenden Woche wollen beide Seiten wieder verhandeln.

Crewmitglieder von Austrian Airlines. © Austrian Airlines

Die Tarifstreitigkeiten bei Austrian Airlines werden immer chaotischer. Im Vorfeld der gestrigen Betriebsversammlung, die in einem Warnstreik mündete, hatte es laut Airline-Angaben ein "Rahmenprogramm" gegeben, was Beobachter laut Medienberichten als "verdeckten Streik" bezeichneten. Austrian-Chef Kay Kratky sprach von einer "Betriebsstörung". Gewerkschafter Johannes Schwarcz von Vida weist die Vorwürfe im Gespräch mit airliners.de zurück:

Ich finde die Aussage von Herrn Kratky ziemlich hart. Wir überlegen uns, wenn weiterhin falsche Behauptungen in Umlaufgebracht werden, rechtliche Schritte in Betracht zu ziehen.

Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Bereichs Luftfahrt von Vida

Hintergrund des neuerlichen Streits ist die Betriebsversammlung von Austrian Airlines am Donnerstag. Deswegen sagte der österreichische Carrier bereits am Mittwochabend 70 der an dem Tag geplanten 380 Flüge vorher ab. Doch am frühen Donnerstagmorgen erhöhte die Airline die Zahl auf 150. Grund hierfür war ein sogenanntes "Rahmenprogramm", das bereits vier Stunden vor der Betriebsversammlung begonnen habe, so die Airline in einer Mitteilung. "Die kurzfristige Ausdehnung der Kampfmaßnahmen weist deutlich daraufhin, dass das Ziel der Gewerkschaft und des Betriebsrats eine Betriebsstörung ist", so Kratky.

"Das ist für mich kein 'Rahmenprogramm'"

Die Gewerkschaft dementiert dieses sogenannte "Rahmenprogramm": "Der Betriebsrat hat lediglich das Angebot gemacht, morgens für Gespräche, für die Mitarbeiter, bereit zu stehen, da es im Vorfeld dienstrechtliche Drohungen gab - das ist für mich kein 'Rahmenprogramm'. Das wäre es eher, wenn irgendjemand eine Showeinlage vorgeführt hätte.", so Schwarcz. Doch die Situation geriet offenbar noch weiter aus den Fugen: An die fast fünfstündige Versammlung wurde ein halbstündiger Warnstreik der Mitarbeiter angehängt.

Der Antrag dazu sei "aus der Mannschaft gekommen" - alle anwesenden Mitarbeiter hätten dafür gestimmt, so Schwarcz. Die jetzt abgehaltene Betriebsversammlung war ursprünglich für Anfang März geplant worden; schon damals musste die Airline 140 Flüge streichen. Wegen Krankheit des Betriebsrats musste die Versammlung allerdings verschoben werden.

>Vida will auf Airline zugehen

Dem Zwist zwischen Management und Arbeitnehmervertretern liegt ein Tarifstreit um Gehaltserhöhungen und Arbeitsbedingungen zu Grunde. Im November hatte die Geschäftsführung ein Lohnplus von 2,1 Prozent angeboten, heißt es in Kreisen. Das Angebotspaket wurde vom Betriebsrat als "Frechheit" bezeichnet. Viele Mitarbeiter würden derzeit real so viel verdienen wie 2010.

Eine genae Forderung wollte Schwarcz nicht formulieren: "Es geht uns um eine neue Systematik in der Gehaltstabelle – daher ist es uns bewusst das wir dem Management bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten entgegenkommen müssen." Denn: "Wir können nicht nur fordern, wir müssen auch Zugeständnisse machen, so ist es mal bei Tarifverhandlungen üblich. Aber nicht alles um jeden Preis."

In der kommenden Woche soll es neue Verhandlungen geben. Sollte es bis Freitagnachmittag keine Einladung zu Gesprächen geben, wolle Schwarcz selbst einen Termin für Mittwoch oder Donnerstag anbieten.

Von: cs

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