Gesundheitsminister wollen Corona-Tests für alle Urlauber

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern sprechen sich für Corona-Tests für alle Urlauber aus Risikogebieten. Virologen unterstützen die Forderung. Der Weltärztebund will, dass die Reisenden die Kosten tragen.

Am Frankfurter Flughafen können sich Passagiere vor dem Abflug auf eine Infektion mit dem Virus testen lassen. © dpa / Boris Roessler

Alle Reisenden sollen sich nach ihrer Rückkehr in Deutschland kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Das soll an Flughäfen und Seehäfen geschehen, aber auch in ihren Heimatorten. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Freitag bei einer Schaltkonferenz.

An Flughäfen und Seehäfen werden demnach Teststellen eingerichtet. Menschen, die aus Staaten mit hohem Infektionsrisiko nach Deutschland zurückkommen, sogenannten Risikogebieten, sollen sich dort testen lassen. Wer keinen negativen Test hat, muss - wie bisher schon - für zwei Wochen in häusliche Quarantäne.

Auch test für Reisende aus Nicht-Risikoländern

"Auch Reisende aus Nicht-Risikoländern können sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen", sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Berlins Ressortchefin Dilek Kalayci (SPD). "Allerdings nicht in den Flughäfen." In Frage kommen dafür etwa Arztpraxen oder Gesundheitsämter. Wichtig für alle Reisenden: Die Tests sind für sie in jedem Fall kostenlos, auch wenn es vorher keine Anhaltspunkte auf eine Corona-Infektion gab.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Corona-Schnelltest-Zentrum am Frankfurter Flughafen eröffnet

Weltweit sind auf Basis der wissenschaftlichen Expertise des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiet eingestuft. Das betrifft etwa die Türkei, Israel oder die USA. Nahezu die komplette EU und einige andere europäische Staaten wie die Schweiz fallen nicht darunter.

Eine rechtliche Verpflichtung für einen Corona-Test nach Rückkehr soll es zunächst nicht geben. Das werde geprüft, hieß es im Beschlusspapier der Minister, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Faktisch ist aber zumindest jeder Reisende aus einem Risikogebiet zum Test verpflichtet, will er eine Quarantäne vermeiden. Das soll auch für Rückkehrer gelten, die mit Auto, Bus oder Bahn aus Risikoländern einreisen.

Virologe unterstützt verpflichtende Corona-Tests

Der Virologe Alexander Kekulé hat sich für verpflichtende Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten ausgesprochen. "Wenn man an einen gefährlichen Ort reist und zurückfährt, dann sollte man sich dringend testen lassen. Da glaube ich, wäre es sinnvoll, das verpflichtend zu machen", sagte Kekulé im Interview mit dem Hörfunkprogramm Bayern 2 am Freitag.

Verpflichtende Tests sollten auch dann gelten, wenn ein Nachbarland von Deutschland zum Risikogebiet erklärt werde, so der Virologe von der Universität Halle (Saale). "Wenn ein Nachbarland wirklich als echtes Risikogebiet ausgewiesen wird (..). Stichwort Luxemburg, dann ist das genauso gefährlich wie Ägypten."

Weltärztebund: Urlauber aus Risikogebieten sollen selbst zahlen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hält Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten für sinnvoll - eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen lehnt er jedoch ab. "Wer sich einen Urlaub im Risikogebiet leistet, muss auch den Corona-Test selbst bezahlen", sagte Montgomery der "Passauer Neuen Presse".

Von: dpa-AFX, br

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