Germania weist Gewerkschaftskritik zurück

Nach den Vorwürfen von Vereinigung Cockpit und Ufo verteidigte Germania-Chef Balke jetzt Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur bei seiner Airline. Dabei erwähnt er allerdings nur einen Teil des fliegenden Personals.

Germania-Chef Karsten Balke. © airliners.de

Germania-Chef Karsten Balke verwahrt sich gegen die Kritik der Gewerkschaften, seine Airline biete dem fliegenden Personal außergewöhnlich schlechte Konditionen und unterdrücke die betriebliche Mitbestimmung.

Man habe dazugelernt, und die Verbesserungen der letzten Jahre hätten dazu geführt, "dass die Germania mittlerweile als attraktiver und konkurrenzfähiger Arbeitgeber angesehen wird", sagte Balke laut einem Bericht der "Frankfurt Allgemeinen". Daher habe Germania jetzt auch keine Probleme gehabt, Personal für sechs zusätzliche Flugzeuge zu finden, die im Sommer das Angebot vergrößern sollen.

"Kaum noch befristete Verträge"

Konkret nahm Balke zu Vorwürfen Stellung, die Airline setze vielfach auf Freiberufler oder befristete Verträge. Unter 750 fliegenden Mitarbeitern gebe es nur noch sechs mit Befristung und acht in freier Tätigkeit - und dies auf deren expliziten Wunsch, so der Airline-Chef.

Auch Kritik an den Arbeitszeiten der Piloten will Balke nicht gelten lassen: "Es gibt keine absichtliche Dienstplanung, bei der die gesetzlich zulässige Dienstzeit überschritten werden würde."

Zu den Konditionen für das Kabinenpersonal äußert sich Germania weiterhin nicht. Die Gewerkschaft Ufo hatte die Arbeitsbedingungen für Flugbegleiter in mehrfacher Hinsicht als unzumutbar bezeichnet.

Arbeitszeiten und Bezahlung wenig verlässlich

Zum einen sei die monatliche Dienstplanung nicht verlässlich. "In den Sommermonaten müssen viele Kollegen mit sieben freien Tagen auskommen", berichtete Ufo- Tarifexperte Uwe Hien im Gespräch mit airliners.de. Auch eine stabile Urlaubsplanung sei bei Germania nicht möglich.

Hien bemängelte auch das nicht auskömmliche Grundgehalt für das Kabinenpersonal. Die stark leistungsbezogene Vergütung führe dazu, dass die Bezahlung je nach Jahreszeit erheblich schwanke und nicht kalkulierbar sei. Und schließlich müssten die Flugbegleiter von Saison zu Saison mit einem Wechsel des Stationierungsorts rechnen - eine längerfristige Lebensplanung sei so nicht möglich.

Tarifkommissionen sollen Mitbestimmung sichern

Hauptkritikpunkt von Ufo und VC Cockpit ist die mangelnde betriebliche Mitbestimmung bei Germania. Airline-Chef Balke verwies nun zwar auf das gemeinsame Gremium, das zu diesem Zweck eingerichtet wurde. Die Gewerkschaft Ufo bezeichnete dieses allerdings als "Plauschrunde", da dort formelle Mitspracherechte nicht gesichert seien.

© Germania, Lesen Sie auch: Germania-Mitarbeiter gründen Tarifkommissionen

Beide Gewerkschaften haben in der vergangenen Woche Tarifkommissionen mit Mitarbeitern von Germania gegründet. Ziel ist es, für die Flugbegleiter und Piloten der Airline Tarifverträge auszuhandeln und eine reguläre Personalvertretung durchzusetzen. Die Mitglieder der Tarifkommission bleiben vorerst anonym.

Gewerkschaftsvertreter sprachen von einer "Kultur der Angst" bei Germania, da gewerkschaftliche Arbeit nach wie vor nicht geduldet werde. 2010 hatte die Fluggesellschaft sechs Piloten entlassen, nachdem diese versucht hatten, eine Tarifkommission zu gründen.

Von: pra

Lesen Sie jetzt
Themen
Tarifvertrag Germania Fluggesellschaften Personal Management UFO Vereinigung Cockpit