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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Der Freitag vergangener Woche war gerade angebrochen, es war kurz nach Mitternacht. Ich saß im Cockpit einer A330 der KLM auf dem Flughafen von Lusaka. Wir waren auf dem Rückweg vom Erstflug der Holländer in die Hauptstadt von Sambia im südlichen Afrika. Die Piloten hatten mich netterweise von sich aus eingeladen, bei ihnen auf dem Jumpseat den Start mitzuerleben. Das ist heutzutage eine Seltenheit, deshalb nahm ich gerne an. Als endlich das Loadsheet aus Amsterdam eingetroffen war im Cockpit, rollten wir zum Start auf dem ansonsten völlig leeren Flughafen. Wir beschleunigten, erreichten die Abhebegeschwindigkeit. In den letzten Sekunden vor Verlassen der Bahn sah ich durch die Cockpitscheibe von links ein großes graues Ding mit Flügeln schemenhaft im Scheinwerferlicht auf uns zusteuern. Noch bevor ich einen weiteren Gedanken fassen konnte, gab es einen lauten Knall, einen richtig heftigen Aufprall. Trotzdem hoben wir ab.

Niemand sprach ein Wort. Alle starrten auf die Triebwerksanzeigen und den Geschwindigkeitsmesser vor uns. Zum Glück zeigten die weiterhin normale Werte. „War das eine Eule?“, fragte der rechts neben mir sitzende Relief Pilot irgendwann in die Stille, „so einen lauten Knall habe ich noch nie erlebt bei einem Vogelschlag.“ Der Flug verlief normal, das Flugzeug stieg in den afrikanischen Nachthimmel. Wir hatten den Zusammenstoß mit dem unbekannten Vogel offenbar unbeschadet überstanden. Der Pilot funkte seelenruhig den Tower an: „Es kann sein, dass Sie auf der Runway Vogelreste finden, wir hatten einen Zusammenprall. Wir fliegen weiter.“

Das hätte auch schief gehen können. Gerade die großen Vögel Afrikas führen immer wieder zu ernsten Zwischenfällen. Wenn etwa, wie in Äthiopien geschehen, der Vogel bei einem Aufprall die Cockpitscheibe durchschlägt und durch die Wucht der Pilot von den Fragmenten des Tieres getötet wird. Vögel gehören zu den gefährlichsten Gegnern von Flugzeugen im Wettstreit um die Lufthoheit. Das Problem besteht weltweit, jeder erinnert sich an die Wasserlandung der A320 auf dem Hudson River in New York 2009 – nach doppeltem Triebwerksausfall durch die Begegnung mit Kanada-Gänsen. Auch in Deutschland sind Vogelschläge Alltag – über 500 davon gab es allein 2011.

Leider gibt es nirgendwo ein Allheilmittel gegen die gefiederten Feinde der Flugzeuge, obwohl weltweit mit viel Phantasie experimentiert wird. Ich habe vor einiger Zeit den Vogelvergrämer, so heißt das wirklich, auf dem Hamburger Flughafen begleitet. Dort arbeitet man sowohl mit Schreckschusspistolen als auch mit höherem Gras zwischen den Pisten, das Vögel verunsichern soll, weil sich darin natürliche Feinde verstecken könnten. Wirklich nützen tut das alles nicht – wie man am Vogelschlag einer Condor-Boeing-757 letztes Jahr in Hamburg sah. Anderswo arbeitet man mit Schreckschussanlagen, Bordercollies oder Falken – doch all das kann die Vögel nicht davon abbringen, sich an ihrem Lieblingshabitat, den weiten Grünflächen der Flughäfen, zu tummeln.

Der Vogelschlag von Lusaka letzte Woche war nicht mein erstes Erlebnis dieser Art. 1994 saß ich im Cockpit einer Boeing 747SP in Johannesburg, als beim Start das Nummer1-Triebwerk einen Vogel einsaugte und abgestellt werden musste – und wir vorsichtshalber wieder landeten. Am dramatischsten allerdings war der 1. Dezember 1989, ein Tag, den ich nie vergessen werde. Kurz nach dem Mauerfall hatte die Lufthansa morgens um 5 Uhr an den Flughafen München-Riem geladen, zur damals frühesten Pressekonferenz meines Lebens, bei der trotzdem Blasmusik und Weißbier aufgeboten wurden. Anlass war der Erstflug München-Leipzig, damals noch mit dem Umweg über die Tschechoslowakei. Wir bestiegen die Fokker 50 der City Line und hoben ab, hinter dem Alpenhauptkamm zeichnete sich die aufgehende Sonne glutrot ab.

Dann ein kurzer, dumpfer Schlag, etwa so als wenn eine der Klappen der Handgepäckfächer mit Schwung zugeschlagen wird. Kurz darauf der Kapitän: „Wir hatten einen Vogelschlag und müssen umkehren.“ Beide Motoren liefen scheinbar normal. Nach einigen Runden landeten wir wieder in Riem. Der Flughafen für uns gesperrt, neben der Bahn zuckende Blaulichter, eine veritable Notlandung. Wir bestiegen eine weitere Fokker 50, versuchten es nochmal. Nach anderthalb Stunden erneute Umkehr, wieder machten wir eine Notlandung in Riem mit Bahnsperrung und Feuerwehr, diesmal ein Hydraulikproblem, vermutlich nur eine falsche Warnanzeige. So in mein Gedächtnis einbrennen wird sich der Vogelschlag neulich Nacht in Lusaka wohl in nicht, aber leicht gespenstisch war es schon.

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