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Gefährliche Güter, © AirTeamImages.com/airliners.de/JHribar/Montage: airliners.de
Die Bezeichnung Operations (OPS) wird in der Luftfahrt für unterschiedliche Aufgaben verwendet. © AirTeamImages.com/airliners.de / JHribar/Montage: airliners.de
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Hinweis: Dieses Tutorial wurde in diesem Jahr am 8. August veröffentlicht. Der Artikel ist einer von 12 Teilen unserer Serie Basiswissen Airline-Operations.

Bei der Abfertigung eines Fluges gilt es für bestimmte Arten von Fracht ganz bestimmte Vorschriften einzuhalten, denn von einigen Gegenständen geht eine Gefahr aus. Diese werden "Gefährliche Güter" oder auf englisch "Dangerous Goods" genannt.

Dabei handelt es sich um Gegenstände oder Stoffe, die ein Risiko für die Gesundheit, die Sicherheit, für Eigentum oder die Umwelt darstellen. Sie sind im Verzeichnis der gefährlichen Güter der Vorschriften zu finden oder entsprechend dieser Vorschriften klassifiziert. Einige davon sind so gefährlich, dass sie im Flugzeug nicht transportiert werden dürfen.

Hierzu gibt es umfangreiche Regeln, über die jede Person der Transportkette grundlegend und regelmäßig unterrichtet sein muss. Hierzu zählen auch die Ramp Agenten, das Beladepersonal sowie die Piloten und Flugbegleiter. Sie müssen nach einer Erstschulung nach spätestens 24 Monaten eine Auffrischungsschulung absolvieren und ihre Kenntnisse in Tests nachweisen.

Das operationelle Regelwerk für den Transport von Gefahrgut im Luftverkehr sind die Iata Dangerous Goods Regulations (Iata DGR). Die Gefahrgutvorschriften der internationalen Luftverkehrsvereinigung erscheinen jährlich in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und Chinesisch. In sprachlichen Zweifelsfällen gilt die englische Fassung.

© Matthias Baier

Über den Autor

Matthias Baier ist Verkehrsflugzeugführer sowie Lehrer bei der Schule für Touristik in Frankfurt. Auf airliners.de veröffentlicht der Airline-Operations-Experte Basiswissen-Tutorials, die auf seinem Fachbuch "Operations" basieren. Alle Tutorials "Basiswissen Airline Operations" lesen.

Inhaltlich entsprechen die Iata DGR als Mindestmaß weitgehend den technischen Richtlinien der Icao. Jedoch sind die Iata DGR in Teilen restriktiver, denn jede Iata-Fluggesellschaft hat die Möglichkeit, zusätzliche Einschränkungen für den Transport gefährlicher Güter an Bord ihrer Flugzeuge auszusprechen. Diese werden in den Iata DGR veröffentlicht und müssen beim Versand von Gefahrgut berücksichtigt werden.

Identifizierung

Gefährliche Güter sind entsprechend ihrer Gefahrenklasse und ihrer Zusammensetzung durch UN-Nummer und richtiger Versandbezeichnung (Proper Shipping Name, PSN), vergeben durch den Gefahrgutausschuss der Vereinten Nationen, eindeutig identifizierbar. Sie sind in einem alphabetischen Verzeichnis der Iata-DGR aufgelistet (blaue Seiten). Das Verzeichnis enthält etwa 3.000 Gegenstände und Stoffe, die typischerweise im Luftverkehr befördert werden. Ebenso sind gefährliche Güter verzeichnet, die unter allen Umständen von der Beförderung im Luftverkehr ausgeschlossen sind.

Es ist naheliegend, dass ein solches Verzeichnis nicht erschöpfend sein kann. Im Zweifelsfall, ob oder unter welchen Bedingungen ein nicht aufgeführter Gegenstand oder Stoff zur Beförderung im Luftverkehr zugelassen ist, muss sich der Versender und/oder das Luftfahrtunternehmen von einer entsprechend spezialisierten Behörde (zum Beispiel Umweltbundesamt, Physikalisch-technische Bundesanstalt) beraten lassen.

Klassifizierung

Die Vielzahl der von Gütern ausgehenden Gefahren macht eine Unterscheidung erforderlich. Dazu werden die Güter nach Art der Gefahr klassifiziert. Diese Klassifizierung erfolgt in neun UN-Gefahrenklassen. Zusätzlich werden die Gefahrgüter einer von drei Verpackungsgruppen zugeteilt, die sich nach dem entsprechenden Grad der Gefahr richtet.

Einige Gefahrenklassen sind so umfangreich, dass sie in Unterklassen aufgeteilt wurden. Die neun Gefahrenklassen und ihre Unterklassen sind nummeriert, wobei die Nummerierung keine Auskunft über eine Rangfolge der Gefährlichkeit gibt.

Wie bei Operations üblich, werden Informationen im Bereich der Abfertigung über gefährliche Güter über das Telex-System "Sita" weitergegeben. In diesen Nachrichten sind die Gefahrenklassen nicht mit ihrer Nummer sondern durch den Interline Message Procedure-Code (IMP-Code) widergegeben. Grundsätzlich beginnt der IMP-Code für gefährliche Güter mit dem Buchstaben "R" für "Restricted". Hier die Klassen und evtl. Unterklassen mit den IMP-Codes im Einzelnen:

Klasse 1

Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff:

1.1 Gegenstände und Stoffe, die massenexplosionsartig sind
1.2 Gegenstände und Stoffe, die eine Gefahr durch Splitter, Spreng- und Wurfstücke haben, aber keine Massenexplosionsgefahr
1.3 Gegenstände und Stoffe, die eine Feuergefahr besitzen, eine geringe Gefahr durch Luftdruck und/oder eine geringe Gefahr durch Splitter, Spreng- und Wurfstücke, aber keine Massenexplosionsgefahr
1.4 Gegenstände und Stoffe ohne bedeutsame Gefahr
1.5 Sehr unempfindliche Stoffe mit einer Massenexplosionsgefahr
1.6 Extrem unempfindliche Gegenstände, welche keine Explosionsgefahr aufweisen


Zusätzlich gibt es für diese Klasse insgesamt 13 Verträglichkeitsgruppen in Form von Buchstaben gekennzeichnet. Die Klasse 1 ist eine eingeschränkte Klasse. Für den Transport in Passagierflugzeugen zugelassen ist nur die Klasse 1.4 S (RXS). Hierbei handelt es sich um Patronen für Handwaffen (Pistole, Gewehr). Auf Frachtflugzeugen dürfen die Klassen 1.3C (RCX), 1.3G (1GX), 1.4B (RXB), 1.4C (RXC), 1.4D (RXD), 1.4E (RXE), 1.4G (RXG) sowie 1.4S (RXS) transportiert werden.


Klasse 2

Gase:

2.1 Entzündbare Gase (RFG)
2.2 Nicht entzündbare, nicht giftige Gase (RNG oder RCL)
2.3 Giftige Gase (RPG)


Die Klasse 2.3 (RPG) darf nur auf Frachtflugzeugen transportiert werden.


Klasse 3

Entzündbare flüssige Stoffe:

Diese Klasse hat keine Unterklassen. Der zugehörige IMP-Code lautet: RFL.


Klasse 4

Entzündbare feste Stoffe; selbstentzündliche Stoffe; Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln:

4.1 Entzündbare feste Stoffe; selbstzersetzliche Stoffe und desensibilisierte explosive feste Stoffe (RFS)
4.2 Stoffe, welche zur Selbstentzündung neigen (RSC)
4.3 Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase entwickeln (RFW)

Klasse 5

Entzündend (oxigierend) wirkende Stoffe und organische Peroxide:

5.1 Entzündend (oxidierend) wirkende Stoffe (ROX)
5.2 Organische Peroxide (ROP)

Klasse 6

Giftige Stoffe und ansteckungsgefährliche Stoffe:

6.1 Giftige Stoffe (RPB)
6.2 Ansteckungsgefährliche Stoffe (RIS)

Klasse 7

Radioaktive Stoffe:

Diese Klasse hat keine Unterklassen, jedoch wird nach Strahlungshöhe in drei Kategorien unterschieden. Die Kategorien werden mit römischen Ziffern angegeben. Die Zuordnung zu einer Kategorie erfolgt nach der Größe des Transportindexes (TI) auch Transportkennzahl genannt. Dieser Index gibt Auskunft über die an der Oberfläche bzw. in einer Entfernung von einem Meter messbare Strahlung. Je größer der Index, desto höher ist die Strahlung. Die IMP-Codes lauten für die Kategorie I "RRW" und für die Kategorien II und III "RRY". Alle Gefahrgutsendungen der Klasse 7 sind unter Berücksichtigung der maximalen Masse für den Transport auf Passagierflugzeugen zugelassen.


Klasse 8

Ätzende Stoffe:

Diese Klasse hat keine Unterklassen. Der zugehörige IMP-Code lautet: RCM.


Klasse 9

Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände:

Diese Klasse hat keine Unterklassen. Hier sind alle gefährlichen Güter eingeordnet, die aufgrund ihrer Eigenschaft nicht den anderen Klassen zuordenbar sind. Als IMP-Codes werden RMD, ICE (Trockeneis), RSB (Polymerkügelchen) oder MAG (Magnetisches Material) verwendet.

Verpackungsgruppen und Verpackung

Für Verpackungszwecke sind Stoffe nach ihrem Gefahrengrad in Verpackungsgruppen unterteilt:

Große Gefahr - Verpackungsgruppe I
Mittlere Gefahr - Verpackungsgruppe II
Geringe Gefahr - Verpackungsgruppe III

Die Verpackungen müssen von guter Qualität sein und entsprechend ihrer Gruppe den Verpackungsvorschriften genügen. Die Verpackungen sind demnach so konstruiert, dass sie verschließbar sind und transportbedingte Einflüsse durch Temperatur-, Feuchtigkeits- und Druckschwankungen sowie Vibrationen keine Leckage verursachen.

Verpackungen können eine Einzelverpackung oder eine zusammengesetzte Verpackung sein. Einzelverpackungen, beispielsweise Fässer, sind nur beim Transport auf Frachtflugzeugen zulässig. Zusammengesetzte Verpackungen sind sowohl auf Fracht- als auch auf Passagierflugzeugen erlaubt und bestehen aus mindestens einer Innenverpackung, einer Außenverpackung, ggf. Absorbtions- und Polstermaterial und - bei besonders gefährlichen Gütern - einer die Innenverpackung umschließenden Zwischenverpackung.

© AirTeamImages.com/airliners.de, JHribar/Montage: airliners.deLesen Sie auch: Bei der Beladung kommt es auf die Verteilung an Basiswissen Airline Operations (4)

In den blauen Seiten der Iata DGR ist für jedes Gefahrgut festgelegt, welche Verpackungsvorschriften zur Anwendung kommen. Diese werden in einem weiteren Kapitel (Kapitel 6) der Iata-DGR sehr detailliert beschrieben. Verantwortlich für die Anwendung der Vorschriften ist immer der Versender. Es wird unterschieden nach Verpackungen, die bauartgeprüft sind und Verpackungen für begrenzte Mengen (Limited Quantities).

Bauartgeprüfte Verpackungen werden von staatlichen oder anerkannten Prüfstellen nach UN-Kriterien geprüft. Bei Bestehen der Tests werden für die Verpackung ein Prüfbericht und ein Zulassungsschein erstellt. Darin ist festgelegt, für welche Güter und für welche Verkehrsmittel die Verpackung zugelassen ist. Für den Transport im Luftverkehr sind strengere Anforderungen zu erfüllen als zum Beispiel für den Transport auf der Schiene oder der Straße. Die Identifikation einer solcherart zugelassenen Verpackung erfolgt durch die UN-Spezifikationsmarkierung, die dauerhaft auf der Verpackung angebracht sein muss. Eine handgeschriebene Markierung ist nicht zulässig.

Hier ein Beispiel für eine UN-Spezifikationsmarkierung:

Entschlüsselt bedeutet diese Markierung:

un Das UN-Symbol muss auf jeder zugelassenen Gefahrgutverpackung immer voranstehen
4G steht für die Art der Verpackung - hier eine Kiste / G steht für den verwendeten Werkstoff - hier Pappe
X ist für die Verpackungsgruppen I, II und III geeignet
45 Maximale Bruttomasse des Packstücks in Kilogramm
S Solid – Feste Stoffe oder Innenverpackung
13 Herstellungsjahr der Verpackung - hier das Jahr 2013
D Länderkürzel - das Land, in dem die Verpackung geprüft wurde und das zur Vergabe einer Zulassung berechtigt ist – hier: Deutschland
B... Zulassungsnummer des Herstellers der Gefahrgutverpackung, der daran zweifelsfrei identifiziert werden kann


Verpackungen für begrenzte Mengen (Limited Quantities) sind nicht nach UN-Kriterien geprüft. Der Versender muss die Geeignetheit der Verpackung durch eigene Prüfungen nachweisen. Diese nicht so strengen Kriterien bedingen eine kleinere Nettomenge pro Packstück und schließen Einzelverpackungen aus.

Wie gefährliche Güter markiert, gekennzeichnet und schließlich verladen werden, beschreibt die nächste Ausgabe des Tutorials.

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