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Eine A380 der Lufthansa verschwindet hinter einer Wolke. © dpa / Frank Rumpenhorst

Rund um die tagtäglichen Nachrichten macht sich airliners.de-Herausgeber David Haße Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit seinen "Gedankenflügen" lässt er die Abonnenten in seinen "Abend-Briefing"-Newslettern daran teilhaben. Immer sonntags als Wochenzusammenfassung für alle.

Unbequeme Relationen

Es gehört zu den unbequemen Wahrheiten, was das DLR da vergangene Woche veröffentlicht hat: Das mit den Klimazielen der Branche... kaum erreichbar. Umso wichtiger, das Thema schnell anzugehen. Die jetzt für Mitte Juni angekündigte zweite Nationale Luftfahrtkonferenz muss also liefern.

Wie meinen Sie, wird es nach Corona mit dem Wachstum weitergehen? Derzeit jedenfalls stehen alle Zeichen erst mal auf Wachstum. Nun ja, fast alle Zeichen. Aber wer sich dieser Tage über Wachstumszahlen von zum Teil weit über 100 Prozent freut, dem sei noch mal vor Augen gehalten, dass es nach 90 Prozent Rückgang 1000 Prozent Wachstum braucht, um wieder auf Normal-Null zu kommen.

Wie unser aktueller Corona-Lagebericht für die Luftfahrt zeigt, entwickelt sich die Situation in Europa erfreulich. Auch nach Nordamerika fliegen bald mehr Flugzeuge. Kopfschmerzen bereitet nach wie vor der Verkehr Richtung Asien. Im wenig geimpften Japan sorgt man sich gar vor einer ganz neuen "olympischen" Corona-Variante - für den Fall, dass die Spiele tatsächlich stattfinden.

Und es hat Boom gemacht

United Airlines hat bis zu 50 "Overture"-Überschallflugzeuge bestellt. Die Firma, die hinter dem neuen Jet steht, heißt Boom Technology. Und genau dieser Boom wird über den Erfolg oder Misserfolg zukünftiger Supersonic-Ambitionen entscheiden: der Überschallknall. Denn bislang dürfen Überschallflugzeuge nur über den Ozeanen wirklich so schnell fliegen, dass es am Boden knallt.

Das limitiert die Optionen für einen ökonomisch sinnvollen Einsatz erheblich. Wahrscheinlich war das auch das Ende für Aerion Supersonic. Die Firma wollte einen Überschall-Businessjet bauen, der keinen Überschall-Knall erzeugt, was viel zu teurer war, als dass es Investoren zu tragen bereit waren.

Boom Supersonic "Overture". © Boom

Das "Overture"-Überschallflugzeug ist dagegen erstaunlich konventionell. Es ist im Wesentlichen eine etwas kleinere Version der Concorde. Neue Triebwerke ohne Nachbrenner und 100 Prozent SAF sollen den Verbrauch senken und die Umwelt nicht über Gebühr belasten. Was meinen Sie: Träume aus "Tausend und einer Nacht" oder werden tatsächlich bald wieder Passagiere mit Überschall über den Atlantik jetten?

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Rote Verbotsideen

Ein Luftfahrt-Blick in den Entwurf zum Linken-Wahlprogramm für die Bundestagswahl ist durchaus interessant. Denn wo die Grünen fast schon staatstragend im Konjunktiv formulieren, zeigen die Linken beim Thema Luftverkehrsverbote keine Hemmungen.

Am Wochenende war zunächst noch Wahl in Sachsen-Anhalt. Trotz der Beteiligung an der Mitteldeutschen Flughafen AG kein großes Luftfahrt-Land, aber mit dem neuen nationalen Drohnenzentrum in Magdeburg/Cochstedt gibt es auch hier immer mehr Luftfahrt-Themen.

Bürokratiemonster

Dass die Lufthansa die aktuelle Anti-Dumping-Diskussion für Kurzstreckenflüge gutheißt, überrascht wohl niemanden. Dass man zur Berechnung der Gesamtkosten und der Gesamteinnahmen pro Flug zweifelsohne ein spezielles Anti-Dumping-Bürokratiemonster aufsetzen müsste, stört dabei erst mal niemanden - außer unseren Kolumnisten Karl Born.

Dabei müsste man doch aber nachschauen, wie teuer das Kerosin im Einzelfall war, was die Crew samt Übernachtung gekostet hat und so weiter. Dann alles durch die Anzahl der Passagiere teilen und mit den Einnahmen desselben Flugs vergleichen. Bitte dabei neuerdings auch bei Lufthansa nicht das Pay-Catering und die Hotelvermittlungen vergessen. Miles & More als Zusatzerlös lassen wir vielleicht einfach raus.

Gedanken machen sollte man sich aber schon, wie im Fall der Lufthansa der Weiterflug auf der Langstrecke berechnet wird. Denn während Billigflieger neben dem Essen auch noch Rubbellose verkaufen müssen, um am Ende des Jahres insgesamt profitabel zu sein, kann eine Netzwerk-Airline ihre Kurzstrecken-Zubringer durch die Langstrecke subventionieren. Und die innerdeutschen Zubringer sollen ja bleiben. Sagt jedenfalls Lufthansa.