airliners.de Logo

Gedankenflüge Hauptsache hübsch!

Der Stufenplan aus dem Corona-Lockdown ist da, aber unsere Branche steht am Rande und schaut zu. Immerhin können wir wieder zum Friseur. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Eine Korean-Air-Stewardess in der neuen Corona-Schutzkleidung. © Korean Air

Rund um die tagtäglichen Nachrichten macht sich airliners.de-Herausgeber David Haße Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit seinen "Gedankenflügen" lässt er die Abonnenten in seinen "Abend-Briefing"-Newslettern daran teilhaben. Immer sonntags als Wochenzusammenfassung für alle.

Endlich ist er da, der Stufenplan heraus aus dem generellen Corona-Lockdown. Ein Sieg für die Erkenntnis, dass wir mit Corona leben lernen müssen. Bereits seit Anfang vergangener Woche dürfen wir alle wieder zum Friseur gehen, und bald dann auch frische Blümchen für den Garten kaufen. Und zwar nicht nur bei Aldi oder Kaufland, sondern auch im Gartencenter.

Bei letzteren habe ich den Lockdown nie verstanden, denn der Shopping-Trip zum weitläufigen Gartencenter erscheint mir tendenziell ähnlich riskant wie der Ausflug in einen Park. Bei Friseuren verstehe ich dagegen die vorzeitige Öffnung dagegen gar nicht. Körpernäher geht's ja wohl nicht...

Immerhin helfen beide Maßnahmen, dass Deutschland weiter hübsch und adrett aussieht. Das ist auch notwendig, denn vorerst bleiben wir alle zu Hause. In der Öffnungstabelle der Bundesregierung steht unsere Branche nämlich abseits - unter der Überschrift "weitere Schritte".

Ohnehin gilt der Plan nur für Deutschland. Für eine Erholung des Luftverkehrs bräuchte es wenigstens eine europäische Lösung. Aber wissen Sie, worüber ich mir dieser Tage ernsthaft Sorgen mache? Dass es Deutschland nicht hinbekommt, den avisierten digitalen EU-Impfpass zeitnah umzusetzen. Was passiert eigentlich, wenn dieser dennoch zur Voraussetzung für innereuropäische Reisen wird?

Und was, wenn Fernreisen ausgesetzt bleiben, bis die vielen verschiedenen digitalen Einzellösungen der Länder auch noch weltweit koordiniert werden? "Mit Corona leben lernen" muss anders aussehen, als internationale Gesundheitspässe einzuführen, die dann für immer bleiben.

Schalten und walten

Unser Hintergrund zum Status Quo des EU-Verkehrsabkommens mit Katar zeigt, wie die EU das Emirat an der langen Leine zappeln lässt. Aber Beobachter warnen: Wirtschaftspolitisch ist die Gesamtgemengelage "beachtlich komplex". Einen Teil der Komplexität hat die EU dabei sogar selbst mit ins Spiel gebracht, indem sie Verkehrsrechte gegen Sozialstandards tauschen wollte. Das wird nun während Corona zum Hebel gegen das eigentlich schon unterschriebene Abkommen.

Derweil schaut sich die EU nun auch die Corona-Annulierungspraxis von Fluggesellschaften während der Corona-Pandemie an. Dass es Probleme gibt, zeigt eine Zahl recht eindrucksvoll: Die Amtsgerichte in Deutschland haben sich 2020 mit rund 90.000 Klagen von Reisenden gegen Airlines beschäftigt. Fast genauso viele wie im Rekordjahr 2019, bei deutlich weniger Flügen. Es bleibt abzuwarten, wer hier am längeren Hebel sitzt.

So bekommen Sie die Gedankenflüge täglich per E-Mail

Die Gedankenflüge erreichen unsere Abonnenten jeden Tag per E-Mail. Sie sind Abonnent und bekommen die täglichen" Abend-Briefings" noch nicht? Dann eingeloggt einfach hier die gewünschten Newsletter aktivieren. Sie sind noch kein Abonnent? Helfen Sie uns, mit airliners.de das zu erreichen, was wir vorhaben: Qualitativ hochwertigen Luftfahrtjournalismus im Internet. Werden Sie airliners+ Abonnent. Jetzt die ersten 30 Tage kostenlos testen.

Kooperation und Komfort-Zone

Manchmal sind es aber auch die kurzen Meldungen, die aufhorchen lassen. So fliegt Eurowings demnächst zwischen Spanien und Großbritannien. Corona zwingt den Lufthansa-Billigflieger also endlich aus der Komfort-Zone. Erinnern wir uns: Eurowings war eigentlich angetreten, der europäische Billigflieger Nummer drei zu werden. Das Erfolgsrezept von Ryanair und Easyjet? Paneuropäisch fliegen, also auch abseits der Heimatmärkte. Wizz Air ist zwischenzeitlich übrigens genau so zur Nummer drei gewachsen.

Auch eine kurze Sunexpress-Meldung ist interessanter, als ein flüchtiger Blick es vermuten lässt: Es gibt eine neue Vertriebskooperation mit Air Cairo. Vor nicht allzu langer Zeit hatte man für Ägypten-Flüge noch selbst die Sunexpress Deutschland. Nach deren Abwicklung sichert man sich das Geschäft abseits der Türkei nun über die Zusammenarbeit mit Zielgebietscarriern. Vielleicht nicht die schlechteste Idee, in Corona-Zeiten auf mehr Kooperation zu setzen.

Von: David Haße

Lesen Sie jetzt

Feinster Berliner Luftfahrt-Karneval

Gedankenflüge Wir alle fasten schon zu lange und der Karneval ist ausgefallen. Da haben wir bei airliners.de Zeit, uns über's Gendern Gedanken zu machen. Und eine neue Serie zu starten. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Lesen Sie mehr über

Gedankenflüge Corona-Virus Rahmenbedingungen Politik