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Gedankenflüge Ein Blick auf Boeing-Mutationen und Condor-Streckenmonopole

Wenn es Triebwerksteile regnet, ist Boeing ist schuld. Da fahren wir doch lieber mit der Bahn zum Condor-Langstreckenflug nach Frankfurt, falls es bis dahin den EU-Impfpass geben sollte. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Das Triebwerk einer Boeing 777 der United Airlines brennt. © dpa / Chad Schnell

Rund um die tagtäglichen Nachrichten macht sich airliners.de-Herausgeber David Haße Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit seinen "Gedankenflügen" lässt er die Abonnenten in seinen "Abend-Briefing"-Newslettern daran teilhaben. Immer sonntags als Wochenzusammenfassung für alle.

Es ist, wie es ist, und so wie es aussieht, bleibt es auch noch lange so wie es ist. Genauso besch...en kompliziert wie dieser Schachtelsatz zur Einleitung dieses Wochenrückblicks ist die aktuelle Lage in unserer Branche. Milliardenverluste, wohin man auch blickt und dazu die nächste Airline-Insolvenz. Unser aktueller Corona-Lagebericht trägt auch nicht zur Aufmunterung bei.

Da hilft kaum, dass sich die EU in der Nacht nicht auf einen EU-Impfpass mit Reisefreiheiten für Geimpfte einigen konnte. Zum Sommer soll es eine Lösung geben. Bis es so weit ist, macht jedes Land weiter, wie es will.

Himmel auf Kopf

Schon die Gallier haben davor gewarnt, dass uns eines Tages der Himmel auf den Kopf fällt. In Meerssen (Niederlande) und in Broomfield (USA) hat es am vergangenen Wochenende trotz der wenigen Flüge wirklich Triebwerksteile geregnet. Schrecklich, überall Explosionen! Und immer Boeing!

Dabei sind Triebwerksausfälle recht häufig. Um das zu erkennen, muss man nur die vergangenen paar Tage beim Aviation Herald durchscrollen: 17.02., 18.02., 20.02., 20.02., 21.02., 22.02., 23.02.2021. Sicher, "Uncontained Engine Failures" sind selten. Dass es nun zweimal an einem Wochenende soweit war, ist aber nichts als Zufall, Gesetz der großen Zahlen, würden Statistiker wohl sagen.

Dass Zwischenfälle nicht auf die leichte Schulter genommen werden, ist ohnehin Standard. Gerade vor dem Hintergrund, dass Corona viele Flugzeuge lange am Boden gehalten hat, ist das jetzt besonders wichtig. Wenigstens haben die Piloten noch gewusst, was zu tun ist. Das ist dieser Tage angeblich nicht mehr selbstverständlich. Hoffen wir, dass auch dieser Artikel grob übertreibt. Sonst fällt unserer Branche Corona am Ende noch sehr viel unangenehmer auf den Kopf, also die paar Teile, die zum Glück niemanden am Boden ernsthaft verletzt haben.

Toll, ein Label!

Die EU will ein Öko-Label für Flugzeuge einführen. Oje, denkt sich jetzt vielleicht der ein oder andere, das wird bitter. Aber gemach. Verbraucher-Labels sind das Beste, was der Industrie passieren kann. Denn meistens werden sie so gestaltet, dass selten etwas Nichtgrünes dabei rauskommt. Das gilt für die Nutriscore-Ampel genauso wie für die Energie-Labels für Elektronik oder Autos.

Mein riesiger Fernseher, mein grandioser Kühlschrank, meine neue Lampe, bei der man die Birnen nicht mehr wechseln kann, sondern die man einfach komplett wegschmeißt, sobald die LEDs kaputt sind: Alles grün, grün, grün. Beim Auto-Ökolabel zählt auch nicht der Verbrauch, sondern vor allem dessen Relation zum Gewicht. So erreichen schwere Geländewagen durch die Bank genauso grüne Labels wie Kleinwagen. Toll!

Daumen schrauben, drücken und lutschen

Unsere Serie zu Regionalflughäfen ist in der vergangenen Woche mit zwei Teilen weitergegangen. Immer dienstags und donnerstags folgen dann bis zum 16. März weitere Artikel. Dann haben unsere Abonnenten die Gelegenheit, die Autoren der Serie in einem Webinar zum Thema zu befragen. Alle anderen können live zuschauen und zuhören.

Der Artikel vom Dienstag und dreht sich um die Frage der Finanzierungsmöglichkeiten für die Zeit, nachdem die EU neue Daumenschrauben in Sachen Beihilfen fester zieht. Der Artikel vom Donnerstag zeigt Alternativen zur gängigen Impact-Studie bei der wirtschaftlichen Frage um das Für und Wider zu Regionalflughäfen.

Umdenken müssen derweil auch die Parkplatzbetreiber. Heute noch eines der wichtigsten Non-Aviation-Geschäftsfelder an Flughäfen, bedrohen neue Mobilitätskonzepte das bisherige Geschäftsmodell. Jetzt steuert Apcoa gegen. Viele Flughafenbetreiber werden die Daumen drücken, dass das klappt.

Ebenfalls die Daumen drücken können wir alle mit Blick auf Großbritannien. Impferfolge lassen dort die Buchungszahlen für den Sommer hochschnellen. Langsam aber sicher geht es derweil in Sachen Nachtzug-Angebot voran. Geht es nach der ÖBB, fahren wir alle bald mit dem Daumen im Mund schlummernd im "Nightjet", statt morgens früh zum Flieger zu hasten. Wunschtraum oder erstrebenswert? Schreiben Sie es unten in die Kommentare!

Eine Frage des Blickwinkels

Condor-Langstreckenpassagiere sollen jedenfalls mit der Bahn nach Frankfurt kommen - Eurowings-Langstreckenpassagiere mit dem Lufthansa-Zubringer. Das ist zumindest der Lösungsvorschlag von Lufthansa-Finanzchef Michael Niggemann im Streit um das gekündigte Special Pro Rate Agreement.

Dass Eurowings genau die selben Langstrecken anbietet wie Condor, ist Niggemann zufolge nichts, was das Kartellamt beschäftigen müsste. Vielmehr breche der Kranich hier Condor-Streckenmonopole. Nun ja, so kann man das wohl auch betrachten. Mal abwarten, wie es die Kartellwächter sehen.

Derweil brodelt es auch bei Lufthansa Technik. Die Line Maintenance steht an vielen Standorten zur Disposition, wie unsere Recherchen zeigen. Zu teuer für den eigenen Bedarf, eine interessante Auslegung. Und gibt es die Lufthansa-Pilotenausbildung in Bremen eigentlich noch, wenn außer dem Gebäude für die Theorieschulungen nichts mehr ist, wie vorher? Auch hier hat Lufthansa eine eigene Sicht auf die Dinge, die zumindest den Gewerkschaften nicht schmeckt.

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Von: David Haße

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