airliners.de Logo

Gedankenflüge Airline Crush im Corona-Mutantengebiet

Die neuen Corona-Reisebeschränkungen sind da. Mal schauen, ob unsere Politiker damit die Mutanten raushalten können. Besser wär's, sonst gibt's bei "Airline Crush" einen neuen Highscore. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Airline Crush © King, Montage: airliners.de

Rund um die tagtäglichen Nachrichten macht sich airliners.de-Herausgeber David Haße Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit seinen "Gedankenflügen" lässt er die Abonnenten in seinen "Abend-Briefing"-Newslettern daran teilhaben. Immer sonntags als Wochenzusammenfassung für alle.

Endlich haben sich die Länderfinanzminister auf die seit Monaten angekündigten und immer wieder verschobenen Corona-Hilfen für Flughäfen geeinigt. 500 Millionen wollen sie berappen. Aber erst, wenn auch der Bund seinen Anteil freigibt.

Da brauchen sich Umweltschützer gar nicht lautstark aufzuregen, denn bis der erste Euro "verschwendet" werden kann, um wenigstens einige Jobs an den Flughäfen zu retten, wird es wohl noch dauern. Hoffen wir, dass der befürchtete Kahlschlag so lange warten kann. Denn noch hat Sozialdemokrat Olaf Scholz die 500 Millionen nicht im Bundeshaushalt eingeplant...

Mutantenfilter

Schwupps, da sind die Einreiseverbote aus Mutantengebieten Virusvariantengebieten. Natürlich gibt es mal wieder zahlreiche Ausnahmen, damit all die Wenigen, die jetzt ohnehin nur noch reisen, auch weiterhin unterwegs sein können. Das funktioniert angeblich wie Goretex: Die Grenzen bleiben atmungsaktiv, lassen aber Mutanten von außen nicht rein. Magisch!

Mal sehen, ob der Mutanten-Grenzfilter dann wirklich funktioniert oder ob es wie bei meiner Outdoor-Jacke irgendwie doch nach einer Weile schwitzig und nass wird, immer ekelhafter, bis man die Jacke einfach wieder auszieht. Doch oh weh: Die ersten Mutanten sind ja schon drin, unter anderem bei Airbus, das verheißt nichts Gutes.

Schwitzen muss man derweil auch am Flughafen Hahn. Denn der Mehrheitsaktionär ist pleite. Vorerst geht der Betrieb bei der chinesischen HNA Group fröhlich weiter. Ganz so unerwartet kam die Insolvenz auch nicht. Seit fast einem Jahr haben staatliche Aufsichtsbehörden den Finger auf dem Finanzmutanten.

Coronahochinzidienzvariantenrisikogebiete

Einreisen nach Deutschland ist ohnehin schon komplizierter geworden. Aus einer Regelung für Risikogebiete sind nämlich bereits am vergangenen Wochenende drei geworden, jeweils mit eigenen Vorgaben. Der angestrebte EU-einheitliche Ansatz ist damit gescheitert, die Luftfahrt liegt weiter wie verprügelt am Boden und blutet langsam aus.

Derweil gibt es nicht nur Coronahochinzidienzvariantenrisikogebiete. Tui etwa gilt als Krisentarifvariantenrisikogebiet. Während die einen Kurzarbeit wollen, arbeiten die Piloten dagegen. So sieht es jedenfalls der Gesamtbetriebsrat. Jetzt soll es ein Mediator richten, zwischen Piloten und Geschäftsführung zu vermitteln.

Ähnlich ist die Inzidenz aktuell bei Lufthansa. Grund genug für die Grünen, sich bei ihrem Lieblingsthema Luftfahrt einzumischen und zu fordern, dass Eurowings Discover besser im Lufthansa-Tarif bleibt.

Ein Hochemotionsvariantenrisikogebiet ist derweil die kostenpflichtige Bordverpflegung bei Lufthansa. Pfennigfuchser können jetzt aber beruhigt sein: Lufthansa und Swiss haben auch zukünftig in der Eco die Grundvoraussetzungen fürs kostenlose Überleben auf der Kurz- und Mittelstrecke gesichert. Wenn auch ohne Varianten, so gibt es zukünftig weiterhin Wasser und ein Air-Berlin-Schokoherz Schokolade umsonst.

Airline Crush

Candy Crush ist aufregender als Corona-Videokonferenzen mit der Kanzlerin, findet unterdessen jedenfalls Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Zum Glück, denn so hat er wohl auch die Diskussion um Flugverbote verpasst, die offenbar ernsthaft geführt wurde. "Mist", denkt sich Herr Ramelow jetzt wahrscheinlich, "hätte ich mal aufgepasst, das haben wir doch sogar öffentlich gefordert."

Vielleicht beginnt ja auch die nächste Bund-Länder-Videokonferenz mit einem externen Mediator. Mein Vorschlag: Alle zwei Stunden eine kurze Auszeit und dann wieder eine neue Runde "Airline Crush".

Kleine Welt

Fassen wir die Woche also zusammen: Der Luftverkehr lässt die Welt zusammenrücken. Normalerweise. Aber jetzt rückt sie wieder auseinander, denn im Zuge den neuen Corona-Mutationen (es sind bereits mehrere), schließen immer mehr Länder ihre Grenzen. Das erscheint auch ernstzunehmenden Experten als wenig zielführend. Denn zumindest Europa muss als Einheit betrachtet werden, so der Rat von Virologen.

Langsam kommt man sich vor wie ein kleiner Prinz auf einem einsamen Planeten. Doch die Politik schert sich darum nicht im Geringsten. Vielleicht reift ja aber bald die Erkenntnis, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Ich denke, es ist an der Zeit, dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry mal wieder hervorzukramen. Abriegeln und Einigeln kann nicht die Lösung sein.

So bekommen Sie die Gedankenflüge täglich per E-Mail

Die Gedankenflüge erreichen unsere Abonnenten jeden Tag per E-Mail. Sie sind Abonnent und bekommen die täglichen" Abend-Briefings" noch nicht? Dann eingeloggt einfach hier die gewünschten Newsletter aktivieren. Sie sind noch kein Abonnent? Helfen Sie uns, mit airliners.de das zu erreichen, was wir vorhaben: Qualitativ hochwertigen Luftfahrtjournalismus im Internet. Werden Sie airliners+ Abonnent. Jetzt die ersten 30 Tage kostenlos testen.

Von: David Haße

Lesen Sie jetzt

Feinster Berliner Luftfahrt-Karneval

Gedankenflüge Wir alle fasten schon zu lange und der Karneval ist ausgefallen. Da haben wir bei airliners.de Zeit, uns über's Gendern Gedanken zu machen. Und eine neue Serie zu starten. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Aus AHA wird AHM

Gedankenflüge Abstand, Hygiene, Alltagsmaske: Die AHA-Regel der Bundesregierung funktioniert jetzt nicht mehr. Die EU erwägt neue sexy Rottöne und Lufthansa ärgert Condor. Die Gedankenflüge über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen der Woche.

Perspektiven für Regionalflughäfen im Lichte der europäischen Beihilfeleitlinien

Regionalflughäfen (2/7) Die europäischen Beihilfeleitlinien stellen zahlreiche Regionalflughäfen vor Herausforderungen. Drei DLR-Forscher zeigen jetzt Perspektiven zur Finanzierung. Ein Gastbeitrag über Rahmenbedingungen, "Public Service Obligations" und Anlaufhilfen für Fluggesellschaften.

Lesen Sie mehr über

Gedankenflüge Corona-Virus Rahmenbedingungen Politik