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Aktivisten protestieren vor dem Bundeskanzleramt mit Plakaten und Masken mit den Konterfeis von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Scholz gegen eine Lufthansa-Rettung ohne Bedingungen. © dpa / Kay Nietfeld

Rund um die tagtäglichen Nachrichten macht sich airliners.de-Herausgeber David Haße Gedanken über das weniger Offensichtliche. Mit seinen "Gedankenflügen" lässt er die Abonnenten in seinen "Abend-Briefing"-Newslettern daran teilhaben. Immer sonntags als Wochenzusammenfassung für alle.

Der, die, das!

Immer wieder erreichen uns Leserzuschriften, die uns auf vermeintlich falsche Schreibweisen von Begriffen hinweisen. Warum wir beispielsweise "Icao" statt "ICAO" und "die A320" statt "der A320" schreiben, haben wir hier schon ausführlich dargelegt. Immer noch interessant und lesenswert, wie ich finde.

In letzter Zeit häufen sich nun auch Anfragen, warum wir eigentlich nicht gendern. Ganz ehrlich: Ich kann Sternchen und auch das "Binnen-I" nicht leiden. Nicht aus Männlichkeit - es stört einfach beim Lesen. Meist ergibt sich eine Bezeichnung auch schlicht durch die Mehrheitsverhältnisse, etwa beim Müllmann oder beim Piloten. Intern haben wir aber in der Tat schon häufiger diskutiert, warum wir im Umkehrschluss dann dennoch stets "Flugbegleiter" schreiben.

Kurzum, wir halten es beim Gendern, wie wir es schon mit der Umstellung auf die neue Rechtschreibung gehalten haben: Wenn die Mehrheit der großen Leitmedien umstellt, tun wir es auch. Aber natürlich sollten wir schon jetzt mehr darauf achten, statt von "Mitarbeiter" einfach von "Beschäftigten" zu schreiben. Was meinen Sie?

Corona-Fasten

Derweil haben wir derzeit auch direkt greifbare Probleme. Die Luftfahrtbranche fastet schon eine gefühlte Ewigkeit. Gezwungenermaßen, weil alle aufs Reisen verzichten müssen. Nun ist auch ganz offiziell Fastenzeit und das Entsagen geht weiter. Eurowings Discover verzichtet auf Abflüge in München und Düsseldorf. Die neue Alitalia gibt etliche Inlandsstrecken auf und MTU kann sogar davon ablassen, während Corona Verluste zu machen!

Air France-KLM will dagegen der Aussicht auf weitere Staatshilfen ganz und gar nicht entsagen. Etwas wegen Corona bleibenzulassen ist ohnehin nur halb so schön. Deswegen verzichten jetzt immer mehr Länder auf Grenzschließungen und öffnen sich wieder für Geimpfte und Genesene. Richtig so! Wir haben alle lange genug gefastet. Die "40 Tage ohne" sind schon längst vorbei.

Helau und Alaaf!

Dieses Jahr gab es aber auch schon vorher überall "feinsten Berliner Karneval", nämlich gar keinen. Nicht in Köln, nicht in Düsseldorf, ganz ohne Narrenruf eben: Mainz, wie es schweigt und heult. Als stocksteifer Preuße mache ich mir ehrlich gesagt nichts aus Rosenmontagen. Aber schade ist's allemal. Denn die Wagen hätten dieses Jahr ganz besonders toll dekoriert werden können:

Angela Merkel hält ein rotes Schild mit der Aufschrift "Light Lockdown deluxe #WeAreInThis4ever!" hoch. Direkt dahinter kommt, wie aufs Stichwort, Carsten Spohr. Er steht auf zerbrochenen Flugzeugen von Germanwings und Sunexpress und wirft einen Eurowings-Discover-Papierflieger. Gleich danach der Wagen mit Guillaume Faury - er pustet doch tatsächlich übergroße Seifenblasen aus Wasserstoff, das sieht einfach nur toll aus. Nun aber Jens Spahn, der mit einer Spritze versucht, Andreas Scheuer zu piksen. Der will mit einem Flugzeug wegfliegen, was aber nicht abhebt, weil Olaf Scholz die Landebahn geschlossen hat.

Was für ein Spektakel! Ich glaube nächstes Jahr fahre ich doch mal zum Karneval und guck mir das an. Vielleicht kann ich mich ja dran gewöhnen.

Ich, das Gewohnheitstier

Apropos gewöhnen... Würden Sie in ein Flugzeug steigen, in dem vorne niemand sitzt und steuert? Ich bin mir selbst nicht sicher. Adaptiver Tempomat, selbstlenkendes Auto, brauch ich alles nicht - habe ich gedacht, bis ich die Vorzüge schätzen gelernt habe. Wahrscheinlich ist vieles eine Frage der Gewohnheit.

Aber abwarten. Im Flugzeug sind die Herausforderungen doch deutlich anders und zunächst geht der Trend sowieso zum "Ein-Mann-Frau-Cockpit". Dabei wird es dann sogar noch Remote-Beistand geben. Erst später werden die Cockpit Crews - wie in der Militärluftfahrt schon seit Jahren üblich - einfach am Boden bleiben und dort im Schichtbetrieb mehrere Flugzeuge gleichzeitig fernsteuern. Die Piloten sollten auf jeden Fall nicht den Fehler machen, sich den neuen Technologien zu verschließen. Unser Leitartikel dazu zeigt unter anderem die unterschiedlichen Betrachtungsweisen hierzulande und in den USA.

Derweil mach der Flughafen Schönefeld am Wochenende dicht. Es ist fraglich, ob er je wieder öffnet. Zu düster steht es um die Finanzen der Berliner Flughafengesellschaft. Wer hätte gedacht, dass ich das mal schreiben würde? Der BER ist zu groß. Auch daran muss ich mich noch gewöhnen.

Neue Serie Regionalflughäfen

Der Begriff "Regionalflughafen" fällt bei politischen Diskussionen um das Für und Wider von Luftverkehr schnell. Doch was ist eigentlich ein Regionalflughafen? Genau definiert ist das nirgends, wie Professor Frank Fichert von der Hochschule Worms jetzt in einem sehr lesenswerten Gastbeitrag erläutert. Weder in der Gesetzgebung noch bei den Verbänden ist man sich über die Einordnung einig.

Vielleicht ist das ja sogar ein Grund dafür, dass so gerne und so viel über genau diese Art von Flugplätzen gelästert wird. Einfach, weil man hier hervorragend über einen Kamm scheren kann, was sich eigentlich nicht pauschal betrachten lässt? Wir wollen in einer Serie die Facetten rund um die kleineren Flughäfen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Der Gastbeitrag von Dienstag ist der Auftakt für insgesamt sieben anspruchsvolle Artikel, die über die kommenden Wochen online gehen werden.

Den Abschluss der Serie, die wir mit unserem neuen wissenschaftlichen Partner G.A.R.S umsetzen, bildet dann Mitte März ein Webinar zum Thema. Die Veranstaltung werden wir öffentlich zugänglich streamen. Dabei werden Sie als airliners+ Abonnent dann zusätzlich die Gelegenheit haben, den Fachautoren der Serienartikel über eine separate Chat-Funktion live Fragen zu stellen. Wir freuen uns auf Sie!

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