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Für Luftfahrt-Beschäftigte ist ständige Fortbildung Pflicht

In der Luftfahrt werden aus jedem Zwischenfall neue Lehren gezogen. In den meisten Berufen sind daher regelmäßige Fortbildungen behördlich vorgeschriebene Voraussetzungen für den Job. Das gilt nicht nur für fliegendes Personal.

Pilotentraining bei Boeing © Boeing
Triebwerks-Instandhaltung. © Kimberly-Clark Professional
Ein ATR72-Frachter der Farnair wird vor dem BER Cargo Center entladen. Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / Günter Wicker
Eine Flugbegleiterin der Lufthansa serviert in der Business Class Getränke. © dpa / Boris Roessler
Ein simulierter Flächenbrand wird von Feuerwehrmännern während einer Übung an der Feuerwehr-Training-Center (FTC) Anlage Fraport auf dem Flughafen Hannover gelöscht. © dpa / Holger Hollemann

Wer in der Luftfahrt arbeitet, der weiß, dass er ein Leben lang dazulernen muss. Regelmäßige Tests stellen in vielen Bereichen sicher, dass das hohe Sicherheitsniveau der Branche gehalten und sogar noch verbessert werden kann. Das gilt nicht nur für Piloten sondern für Mitarbeiter aus nahezu allen Bereichen des Luftverkehrs.

“Wenn man über Fortbildung in der Luftfahrt spricht, bewegt man sich in einem Bereich mit speziellen gesetzlichen Vorschriften”, sagt Trainingsexperte Christian Joisten vom bundesweit agierenden Trainingsdienstleister Wingsacademy. Inhaber der meisten Lizenzen müssten ihre Qualifikationen durch das Belegen entsprechender Kurse aufrecht erhalten. Einige dieser “Recurrent”-Trainings finden jährlich, die meisten im Zwei- oder Drei-Jahres-Rhythmus statt.

Noch öfter müssen Piloten zum Checkflug in den Simulator oder auf die Schulungsbank im Klassenzimmer. Beim Operators Proficiency Check (OPC) sowie beim Line Proficiency Check (LPC) muss jeder Pilot einmal im Jahr im Simulator beweisen, dass er auch abseits der Routine mit Notfällen wie Feuer an Bord oder einem Startabbruch zurecht kommt, sagt Kay Wachtelborn, Trainingsleiter beim Berliner Simulatoranbieter SIM4u. Das gilt auch im Alltag. Zum sogenannten Line Check müssen Piloten beispielsweise auf einem ganz normalen Flug zeigen, dass sie die Standardprozeduren beherrschen.

“Jede Check-Session ist dabei auch eine Lern-Session”, weiß Wachtelborn. Darüber hinaus müssten Cockpitmitarbeiter durch regelmäßige Schulungen etwa beweisen, dass sie Feuer löschen und erste Hilfe leisten können. Je nach Einsatzplanung gibt es dann noch spezielle Schulungen, etwa für den Transport von lebenden Tieren oder aber für Flüge in bestimmten Regionen der Welt.

Aus jedem Zwischenfall werden Lehren gezogen

Hintergrund für die engen Taktungen der Pflichtschulungen sind immer neue Entwicklungen in der Luftsicherheit, erläutern die Experten. Viele Zwischenfälle hätten einen menschlichen Hintergrund. Daher geht es bei den Sicherheitsschulungen im Luftverkehr auch nicht nur um technische Belange. Gemäß der behördlichen Regeln ist beispielsweise für Piloten und auch Flugbegleiter ein regelmäßiges “Crew Ressource Management”-Training Pflicht, so Wachtelborn. Die Qualifizierung zu Themen wie Teamverhalten, Kommunikation und Sicherheitskultur muss laufend aufgefrischt werden.

Aber auch wer beispielsweise in der Flugzeugwartung oder -instandhaltung arbeitet, muss laut der europäischen Luftsicherheitsbehörde EASA Kenntnisse über das menschliche Leistungsvermögen haben. Die sogenannten “Human Factors”-Kurse sind ebenso für alle administrativen Mitarbeiter vorgeschrieben. Die kontinuierliche Weiterbildung in dem Bereich ist alle zwei Jahre vorgeschrieben.

Weiter geht es mit Gefahrgutschulungen (Dangerous Goods) und Schulungen zur Fuel Tank Safety, die von bestimmten Mitarbeiter absolviert werden müssen. Viele Trainings sind dabei behördlich vorgegeben. In Europa regeln EASA-Richtlinien wie in Part 66, Part 145, Part 147 oder Part M die Vorgaben für Personal in der Luftfahrt.

© Fotolia.com Luftfahrt-Trainings: Die aktuelle airliners.de-Übersicht von Anbietern für Trainings, Kursen und Seminaren in der Luftfahrt.

Der Trend geht zu Onlinekursen

Die Sicherheitskultur in der Luftfahrt gehe soweit, dass laut neuesten EU-Vorgaben sogar jede Reinigungskraft für Flugzeuge eine sogenannte EWIS-Schulung ablegen muss, so Schulungsexperte Joisten. Das “Electrical Wiring Interconnection System”-Training soll für die Gefahren sensibilisieren, die schon von kleinen Schäden in elektrischen Anlagen ausgehen können. EWIS ist natürlich auch für alle Techniker und Besatzungsmitglieder eine Pflichtveranstaltung.

Besonders technisches Personal muss sich zum Lizenzerhalt ohnehin ständig auf dem Laufenden halten. “Ein vollausgebildeter, freigabeberechtigter Mechaniker mit Lizenzen für verschiedene Triebwerke und Flugzeugzypen verbringt schon einige Tage pro Jahr mit Pflichtschulungen”, weiß Joisten. Hinzu kommen Weiterbildungsschulungen für neue Qualifikationen, die schon mal einige Wochen dauern können.

Damit die Fülle von Schulungen möglichst effizient durchgeführt werden kann, bieten viele Trainingsdienstleister mittlerweile auch Fernunterricht an. “Theorieanteile können sehr gut mit eLearning-Tools geschult werden”, sagt Joisten. Das spare Zeit und Geld. “Allerdings können nicht alle Bereiche komplett online vermittelt werden.” Ein großes Thema in der Fortbildung sei daher derzeit das Thema “Blended Learning”. Praxisanteile wie etwa das Löschen eines echten Feuers werden dabei direkt vermittelt, der theoretische Teil einer Schulung wird online absolviert.

Von: airliners.de

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