Für Lufthansa Cargo ist die Zukunft rosig, die Gegenwart aber lausig

Der Frachtkranich hat es wegen der kriselnden Weltkonjunktur nicht leicht, mittelfristig sind die Aussichten jedoch gut. Digitalisierung und Flottenerneuerung sollen Lufthansa Cargo laut CEO Peter Gerber wieder an die Spitze der Branche führen.

Peter Gerber ist Chef von Lufthansa Cargo. © Lufthansa Cargo

Den rund 80 Mitgliedern und Gästen der Jahresabschlusssitzung des Air Cargo Clubs Deutschland (ACD) hatte Lufthansa-Cargo-CEO Peter Gerber eine düstere Zahl mitgebracht: Exakt 8,9 Prozent betrage der Rückgang der von LH Cargo beförderten Tonnage von Jahresbeginn bis heute. "Ein von uns in dieser Heftigkeit nicht erwartet Einbruch der Frachtmengen", so Gerber selbstkritisch. Er ergänzte, der Abschwung dauere länger an und sei heftiger als von LH Cargo ursprünglich prognostiziert. Kurzum: "Die Situation ist lausig."

Die Zukunft sieht der Chef jedoch tendenziell positiv. So prognostiziert Gerber einen leichten Aufschwung für sein Unternehmen im kommenden Jahr. Ein nachhaltiges Wachstum könnte dann in den Jahren danach folgen.

Positive Anzeichen

Sämtliche Indikatoren sprächen dafür, sagte er. Etwa der wachsende Wohlstand auf der Welt. Die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut lebten, ginge trotz steigender Bevölkerungszahlen weiter zurück. Dieses ermögliche ihnen die Teilhabe am Wirtschaftsgeschehen, steigere die Nachfrage nach Gütern. Zudem werde dank fortschreitender Globalisierung der länderübergreifende Handel weiter zunehmen, was die Luftfracht beflügele.

Daneben würde auch die Anzahl an neuen Patenten weiter stark steigen, die Ausgangspunkt für innovative Produkte seien. Damit werde auch die Nachfrage von Wirtschaft und Verbrauchern an hochwertigen Gütern stimuliert. Zusätzlich ergänze der boomenden E-Commerce den Aufwärtstrend. Mittel- und langfristig deute daher alles auf einen stabilen Luftfrachtmarkt mit positiven Wachstumsaussichten hin, fasste der CEO seine Ausführungen zusammen.

Auch jenseits des Atlantiks sieht Gerber Grund zu verhaltenem Optimismus. "Trump strebt eine Wiederwahl an, also darf er die Zollschraube nicht überdrehen, will er Schaden von der US-Wirtschaft abwenden." Das Schlimmste sei die gegenwärtige Unsicherheit der Industrie was die künftigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen betrifft, so der Manager. Dadurch würden Investitionen zurückgehalten und verschoben, mit negativen Auswirkungen auf Produktion und Frachtmengen.

Sparprogramm "Proflex"

Um möglichst unbeschadet die aktuelle Luftfrachtdelle zu durchsegeln, hat sich LH Cargo einige Hausaufgaben verordnet: Etwa das Sparprogramm "Proflex". Mit dessen Hilfe soll die Kostenbasis nachhaltig gesenkt werden.

Dazu gehört auch die Ausmusterung der verbliebenden MD-11-Frachter bis Ende 2020 und das Betreiben einer uniformen Boeing-777-Frachterflotte. Das erhöht die Produktivität und reduziert die Aufwendungen. Die Flotte des Frachtkranichs besteht derzeit aus den verbliebenen MD11-Frachtern sowie aus 12 Boeing 777F-Einheiten, wobei vier der Flugzeuge von Joint-Venture-Partner Aerologic ausschließlich für LH Cargo betrieben werden und daher in Frankfurt und nicht am AeroLogic-Standort Leipzig-Halle stationiert sind. Ob zusätzliche Triple Sevens eingeflottet werden und wenn ja, wie viele, ließ Gerber offen.

© AirTeamImages.com, Yochai Lesen Sie auch: Lufthansa Cargo will MD-11 schneller ausmustern

Weitere wesentliche Bestandteile des Zukunftsprogramms der Frachtfluglinie seien der Bau eines neuen World Cargo Centers in Frankfurt sowie die fortschreitende Digitalisierung, durch die Prozessabläufe beschleunigt und flexibilisiert werden sollen. Bei sämtlichen Projekten, speziell der Flottenrevision, stünden Umweltaspekte ganz hoch auf der Tagesordnung: "Flugscham brauchen wir nicht zu haben", sagte Gerber in Richtung der Fridays-for-Future-Aktivisten um Greta Thunberg.

Um dem ein weiteres Argument folgen zu lassen: Per Luftfracht würden im Wesentlichen hochwertige und eilige Güter befördert, neben lebensrettenden Medikamenten auch Nahrungsmittel oder Pharmazeutika. Produkte also, die den Maschinenraum der Weltwirtschaft in Gang hielten. Für diese sei der Lufttransport unverzichtbar, lautete das Resümee des Chefs von Lufthansa Cargo.

Von: Heiner Siegmund

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