Frist für Alitalia-Sanierung erneut verstrichen - Delta erneuert Angebot

Der Geschichte um die versuchte Rettung der italienischen Alitalia wird ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Alle Fristen verstreichen, weil einer der Investoren kurz vor knapp zurückzieht. Lufthansa schaut sich das Schauspiel weiter entspannt an.

Flugzeug der Alitalia © AirTeamImages.com / Simone Ciaralli

Nachdem die Frist für einen belastbaren Sanierungs- und Rekapitalisierungsplan für Alitalia zum achten Mal verstrichen ist, hat die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines ihr Interesse an einem Einstieg bei der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia bekräftigt.

"Wir sind bereit, bis zu 100 Millionen Euro für einen Anteil von zehn Prozent an Alitalia zu investieren", teilte Delta der italienischen Nachrichtenagentur Ansa mit.

Alitalia ist seit Mai 2017 insolvent und steht derzeit unter der Aufsicht von drei staatlichen Kommissaren. Nach den Vorstellungen der Regierung in Rom würden die italienischen Staatsbahnen (FS) und der Infrastrukturkonzern Atlantia mit Delta ein Konsortium bilden. Darin hätten FS und Atlantia jeweils 37,5 Prozent des Kapitals, vierter Partner würde das italienische Finanzministerium.

Bis zum Donnerstag sollte eigentlich ein verbindliches Angebot vorliegen. Am Dienstagabend teilte Atlantia aber mit, dass die Bedingungen für einen - weiterhin beabsichtigten - Einstieg noch nicht gegeben seien. Atlantia wird von der Benetton-Familie kontrolliert und betreibt über eine Tochter auch rund die Hälfte des italienischen Autobahnnetzes.

Irgendwann könnte die EU den Hahn zudrehen

Alitalia macht mit knapp 11.000 Beschäftigten derzeit rund 350 Millionen Euro Verlust im Jahr. In den vergangenen zehn Jahren hat der italienische Staat schon mehr als acht Milliarden Euro in die Alitalia hineingesteckt. Die Lufthansa hat erklärt, nur in eine restrukturierte Alitalia investieren zu wollen. Wie es nach dem Ablauf der Frist weitergeht, war am Donnerstag unklar, doch wurde eine achte Verlängerung erwartet. Die Beschäftigten drohen mit einem umfassenden streik.

Einen neuen Überbrückungskredit, dieses Mal 400 Millionen Euro, hat die Regierung laut "Handelsblatt" schon in den Haushalt eingestellt. Das Problem sei jedoch, dass diese Zahlung eine Staatshilfe darstellen und gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoßen würde. Seit 2017 hat Alitalia schon 900 Millionen Euro als Kredite vom italienischen Staat erhalten.

© AirTeamImages (Montage: airliners.de), Mario Aurich Lesen Sie auch: Medien: Lufthansa will Delta offenbar bei Alitalia-Einstieg überbieten

Für kurze Zeit sah es Anfang des Monats so aus, als ob doch Lufthansa bei Italiens größter Fluggesellschaft einsteigen könnte. Im Raum stand ein Investment von bis zu 200 Millionen Euro. Lufthansa-Chef Spohr hatte jedoch zwischenzeitlich klargestellt, dass man nur nach einer erfolgreichen Restrukturierung in die seit Jahren marode Airline investieren würde. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" zeigte sich Spohr überrascht, dass "der italienischen Politik die Frage, wer dort wieviel investiert, so viel wichtiger ist. Am richtigen Kooperationspartner wird sich vielmehr entscheiden, ob Alitalia auf einen erfolgreichen Kurs zurückfinden wird."

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: Alitalia soll weitere 350 Millionen Euro Überbrückungskredit bekommen

Von: dk mit dpa

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