Fraport fordert Zuschüsse für Frankfurt-Offenhaltung

Der Betrieb des Flughafens in Frankfurt lohnt sich derzeit wegen der Corona-Flugausfälle nicht. Nun fordert der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte einen Ausgleich für die "Grundversorgung im Interesse Deutschlands" in Krisenzeiten.

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. © dpa / Boris Roessler

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will die Corona-Krise nach Möglichkeit ohne staatliche Unterstützung bewältigen. "Wir wollen ohne Staatshilfe auskommen. Mit den eingeleiteten Sparmaßnahmen gehen wir heute davon aus, das zu schaffen", sagte der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Fraport habe ein Liquiditätspolster von mehr als einer Milliarde Euro, das noch aufgestockt werde.

Gleichwohl will Fraport nicht alle krisenbedingten Zusatzkosten allein tragen. "Es wird darüber zu sprechen sein, wer die Kosten dafür trägt, dass wir eine Grundversorgung im Interesse Deutschlands aufrechterhalten", sagte Schulte.

Betriebswirtschaftlich wäre es bei den wenigen Flügen - darunter Frachtflüge mit Warenlieferungen - angemessener, den Flughafen zu schließen. "Aber wir bleiben geöffnet, das ist unser Versprechen aus Frankfurt."

Genehmigungsbehörden könnten Betriebspflicht aussetzen

Als internationaler Flughafen hat Frankfurt allerdings eine eine Betriebspflicht. Sie sieht nach § 45 LuftVZO vor, den Flughafen in betriebssicherem Zustand zu halten und ordnungsgemäß zu betreiben. Nur die zuständige Genehmigungsbehörde in Hessen könnte Fraport dabei von der Betriebspflicht befreien.

Fraport stellt sich wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf eine längere Phase mit weniger Flugverkehr ein. "2020 werden wir insgesamt mit starken Verkehrsrückgängen abschließen, selbst wenn es im Sommer wieder Zuwächse gegenüber dem jetzigen Niveau gibt. Auch 2021 werden wir wohl nicht 100 Prozent des früheren Verkehrs erreichen", sagte der Fraport-Vorstandsvorsitzende.

Die aktuelle Krise werde die Luftfahrt verändern. "Es wird weniger Fluggesellschaften geben. Die werden höher verschuldet sein, einige verstaatlicht", meinte Schulte. Da weniger Airlines weniger Verbindungen bedienten, wirke sich das auch auf Flughäfen aus. "Für einige Flughäfen - vor allem kleine oder mittelgroße - wird es dann schwieriger, ihren Bestand zu rechtfertigen."

Hessen sieht sich besonders von Corona betroffen

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sieht die Ökonomie des Bundeslandes härter von der Corona-Krise getroffen als in anderen Teilen Deutschlands. "Erstens, weil wir vorher besser dastanden als andere Länder, und wer mehr hat, kann auch mehr verlieren", sagte er in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Und zweitens wegen unserer Wirtschaftsstruktur. Zu den größten Arbeitgebern Hessens zählen die Lufthansa, Fraport, Volkswagen in Nordhessen und Opel. Die sind alle nahe an der Kurzarbeit für die gesamte Belegschaft."

Der Minister zeigte sich dennoch zuversichtlich, die Krise zu überwinden: "Wir werden viel zu tun haben, nach dieser Vollbremsung alles wieder in Bewegung zu bringen, aber ich bin ein optimistischer Mensch. Dem raschen Abstieg der Wirtschaft kann ein schneller Aufstieg folgen." Instrumente wie Kurzarbeitergeld oder Soforthilfen sorgten dafür, nicht massenhaft Kündigungen zu erleben. "Aber es sind eben nur Soforthilfen, wir müssen sehen, wie es dann weitergeht", sagte er der Zeitung.

Zur Frage, wann das öffentliche Leben und die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden können, sagte Al-Wazir: Wenn die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus gebrochen sei, müsse man sich natürlich Gedanken machen, wie das Land schrittweise zur Normalität zurückfinden könne, ohne eine neue Infektionswelle zu erleben. "Hoffentlich sehen wir Ende nächster Woche, dass die Maßnahmen wirken."

Von: dh mit dpa

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