Ultimatum bis Mittwoch

Frankfurt: Vorfeldstreik rückt näher

14.02.2012 - 12:50 0 Kommentare

Im Tarifkonflikt um 200 Beschäftigte auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens zeichnet sich vorerst keine Lösung ab. Vertreter der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) wie auch des Betreibers Fraport beharren auf ihren Positionen, so dass ein bereits angedrohter Streik näher rückt.

Ein Follow-Me-Fahrzeug wartet Im Schatten eines Leitwerks auf dem Flughafen Frankfurt. - © © dpa - Boris Roessler

Ein Follow-Me-Fahrzeug wartet Im Schatten eines Leitwerks auf dem Flughafen Frankfurt. © dpa /Boris Roessler

Es sind nur 200 Leute, aber ohne sie läuft am Frankfurter Flughafen nicht viel. Vorfeldlotsen, Follow-Me-Fahrer und Verkehrsdisponenten wollen deutlich bessere Konditionen durchsetzen und drohen am größten deutschen Flughafen mit Streik. Bereits ab Donnerstag könnten sie die Drehscheibe mehr oder weniger lahmlegen, erklärt die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF). Für Verhandlungen hat die Betreibergesellschaft Fraport nur noch wenig Zeit, am Mittwoch läuft ein Ultimatum ab. Die Gewerkschaft will Ausstände mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

Die Auseinandersetzung kommt nicht aus heiterem Himmel, beide Seiten haben sich schon in langen Verhandlungen gegenübergesessen. Aber auch der von der Fraport bestellte Schlichter Ole von Beust konnte keine Lösung finden, die für beide Seiten akzeptabel gewesen wäre. Die Fraport lehnte den Vorschlag des früheren Ersten Bürgermeisters von Hamburg über einen vier Jahre laufen Vertrag ab, wollte mindestens für sechs Jahre Ruhe. Auch die absolute Höhe der Forderungen bereitet dem Flughafenbetreiber Sorgen: Einzelne Mitarbeiter hätten über alle Komponenten zu Entgelt und Arbeitszeiten bis zu 70 Prozent mehr bekommen, behauptet das Unternehmen.

Die GdF ist selbstbewusst und schlichtungserfahren. Bei der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) hat sie über die Jahre internationale Top-Gehälter für die einstmals beamteten Lotsen durchgesetzt und im jüngsten Tarifkonflikt sogar den allzu forschen Arbeitsdirektor gekippt. Immer ging es in die Schlichtung, gestreikt hat die kleine Gewerkschaft aber noch nie in ihrer Geschichte. Die Fraport lässt es bei den Vorfeldlotsen möglicherweise auf eine Machtprobe ankommen. «Dass die Gegenseite den Spruch des von ihr selbst vorgeschlagenen Schlichters nicht akzeptiert, habe ich noch nie erlebt», sagt der GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang.

Die GdF sagt, dass mit dem von ihr angenommenen Schlichterspruch die Frankfurter Kollegen nur mit denen in München und Berlin gleichgestellt würden. «Das ist eine Spirale nach oben», kritisiert Ralph Beisel von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV). Zugeständnisse an einem Flughafen würden in der nächsten Runde überall anders als Forderungen präsentiert. Er wirft den Vorfeldleuten vor, ihre Machtposition über Gebühr auszuspielen. «Die Vorfeld-Lotsen wissen um ihre Bedeutung. Sie sind absolut sicherheitsrelevant.» Fraport bemüht sich dennoch um Ersatzleute für den Fall eines Streiks.

Im Verkehrswesen sind Spartengewerkschaften mit hohem Drohpotenzial keine Seltenheit. Piloten, Fluglotsen oder auch Lokführer haben ihren jeweiligen Arbeitgebern in der Vergangenheit vergleichsweise hohe Zugeständnisse abgerungen. Dass nun auch einzelne Berufsgruppen am Flughafen die GdF für sich entdeckt haben, liegt auch an der räumlichen Nähe: Die Vorfeldlotsen der Fraport sitzen mit den DFS-Fluglotsen gemeinsam im Tower und dirigieren von dort die Vorfeldaufseher in den Follow-Me-Fahrzeugen. Die Abläufe geplant haben die Disponenten in der Verkehrszentrale, die ebenfalls mit ins neue Tarifboot gesprungen sind.

Die Fraport zeigte sich angesichts der hohen Forderungen dem Vernehmen nach kreativ. Innerhalb ihres eigenen Tarifrahmens wären die neuen Entgelte nicht mehr darstellbar, so dass die betroffenen Firmenteile in mehrere Gesellschaften ausgegründet werden sollten. Dieses Mal nicht zur Tarifflucht nach unten wie bei den Personenkontrollen, sondern um höhere Gehälter zahlen zu können. Die GDF ist laut Vogelsang damit einverstanden, will aber eine Dach-GmbH installieren.

Erfahrungsgemäß agiert die GdF geschickt mit Ultimaten und Streikankündigungen. Zwei Mal stand es bei den Fluglotsen im August vergangenen Jahres knapp davor, doch zu einem Arbeitskampf ist es nicht gekommen. Die Fluggesellschaften Lufthansa, Air Berlin und Ryanair verlangen von der Gewerkschaft nun 3,2 Millionen Euro Schadenersatz, doch juristisch ist die Position der GdF stark. Im Vorfeldkonflikt hat die Tarifkommission beim Bundesvorstand die Zustimmung zu einem Arbeitskampf beantragt. Der will am Mittwochmittag entscheiden.

Von: dpa
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