Flybe ist gerettet und plant zwei neue Strecken nach Deutschland

Die angeschlagene britische Regional-Airline Flybe wird mit Staatshilfen und einer Finanzspritze der Investoren gerettet. Auch in Deutschland ist der Carrier aktiv, bald kommen zwei neue Strecken in den Flugplan.

Flugbegleiterinnen der Flybe. © Flybe

Die drohende Pleite der britischen Regional-Airline Flybe ist vorerst abgewendet. Die britische Regierung greift dem Unternehmen finanziell unter die Arme. Die Eigentümer haben sich mit der Regierung auf einen Rettungsplan verständigt. Dieser soll unter anderem einen gestreckten Tilgungsplan für Steuerschulden sowie Steuererleichterungen und eine Finanzspritze des Eigentümerkonsortiums vorsehen. Die Details müssen noch ausgearbeitet werden.

Auch in Deutschland ist die Fluggesellschaft keine Unbekannte. Sie hat ihr Angebot im Herbst allerdings deutlich zusammengestrichen. Besonders Düsseldorf war von der Streckenreduzierung betroffen, die Flüge nach Leeds, London City und Southampton werden seitdem nicht mehr angeboten.

Die stärkste Präsenz in Deutschland hat Flybe aber nach wie vor am Flughafen Düsseldorf. Von dort fliegt sie die beiden Destinationen Manchester und Birmingham an. Daneben verbindet Flybe auch Hannover mit Manchester und Stuttgart mit Birmingham. Ab 14. Februar soll laut Flybe-Website die Strecke von Birmingham nach Berlin-Tegel sowie ab dem 29. März die Route zwischen Manchester und Stuttgart geflogen werden.

Flybe in Deutschland
Strecke Flüge pro Woche Kapazität pro Woche
DUS - BHX 17 1426
DUS - MAN 17 1336
STR - BHX 8 704
HAJ - MAN 5 430
TXL - BHX (ab 14.02.) 6 528
STR - MAN (ab 29.03.) 7 616
Strecken, Frequenzen und Sitzplatz-Kapazitäten von Flybe in Deutschland (Stand: 15. Januar 2019). Quelle: CH-Aviation

Insgesamt verfügt das Unternehmen nach Daten des Portals "CH-Aviation" über eine Flotte von 67 Maschinen. Turboprops vom Typ Dash 8 Q400 machen mit 54 Flugzeugen den überwiegenden Teil aus. Daneben betreibt die Airline auch noch drei ATR72-600, sowie zehn Embraer-Jets, neun E170 und eine E190. Mit 40 geleasten Flugzeugen befindet sich der Großteil der Flotte in Fremdbesitz, das Durchschnittsalter beträgt 11,3 Jahre.

Regierungshilfe steht

Flybe gehört seit Sommer letzten Jahres zu Connect Airways, einem Verbund aus Virgin Atlantic, der Stobart Group und Cyrus Capital. Die Airline soll künftig unter dem Markennamen Virgin Connect auftreten. Im Herbst hatte sich das angeschlagene Unternehmen ein Sparprogramm verordnet, dem zahlreiche Strecken von und nach Deutschland zum Opfer gefallen waren.

© AirTeamImages.com, Europix Lesen Sie auch: Regionalairline Flybe fährt Deutschland-Angebot zurück

Offenbar war dieses Sparprogramm jedoch nicht genug. Aufgrund der Bedeutung Flybes für den innerbritischen Luftverkehr und die Anbindung von Gebieten abseits der Metropolen hat die dortige Regierung verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung geprüft und einen Rettungsplan mit den Eigentümern vereinbart.

Die Airline reagierte erleichtert auf die Ergebnisse der Gespräche: "Wir sind erfreut über die Unterstützung durch die Regierung und das positive Ergebnis für unsere Belegschaft, unsere Kunden und das Vereinigte Königreich." Flybe bleibe dem Ziel verpflichtet, weiterhin für die Luft-Anbindung der britischen Regionen zu sorgen.

Die Regierung will nun mit Flybe zusammen daran arbeiten, einen Tilgungsplan für die erhebliche Steuerschuld der Airline aufzustellen. Die Verbindlichkeiten sollen verschiedenen Berichten zufolge 100 Millionen Dollar übersteigen. Als weitere Maßnahme wird auch eine Senkung der Fluggaststeuer ("Air Passenger Duty") auf Inlandsstrecken erwogen, die im März mit dem kommenden Haushaltsplan bekannt gegeben werden könnte. Diese Steuererleichterung würde allerdings nicht exklusiv für Flybe, sondern branchenweit gelten.

Auch das Eigentümerkonsortium will zusätzliches Geld in die Fluggesellschaft pumpen: "Wir sind sehr ermutigt von den jüngsten Entwicklungen, insbesondere von der Anerkennung der Bedeutung von Flybe für Gemeinden und Unternehmen im Vereinigten Königreich durch die Regierung." Daher habe sich das Aktionärskonsortium verpflichtet, neben der staatlichen Unterstützung ebenfalls zusätzliche Mittel bereit zu stellen, um Flybe in der Luft zu halten.

Kritik von Mitbewerbern

Willie Walsh, CEO der International Airlines Group, zu der auch British Airways gehört, kritisiert die Regierungshilfen als Missbrauch öffentlicher Gelder. In einem Brief an Verkehrsminister Grant Shapps, über den die "BBC" berichtet, fragt Walsh, warum der Steuerzahler für das Missmanagement der Airline aufkommen müsse. Einer der größten Anteilseigner von Flybe sei Virgin Atlantic. Diese ist wiederum teilweise im Besitz der US-amerikanischen Delta, die eine der größten und profitabelsten Fluggesellschaften der Welt sei, so Walsh.

Auch Easyjet und Ryanair kritisierten der "BBC" zufolge die Rettung eines Konkurrenten mit staatlichen Hilfen. Ebenso äußerten Bahnbetreiber und Klimaschützer Unmut über die Vereinbarung. Innerbritische Flüge müssten reduziert und nicht billiger gemacht werden.

Die 1979 gegründete Flybe ist nach eigenen Angaben mit 80 Zielen in 15 Ländern Europas größte Regionalfluggesellschaft. Außerdem biete man mehr Inlandsflüge in Großbritannien an, als jede andere Airline. Deshalb ist die Airline für viele kleinere Destinationen von großer Bedeutung.

Von: hr

Lesen Sie jetzt
Themen
Deutschland Flybe Fluggesellschaften Konsolidierung Wirtschaft Virgin Connect