FlyBair erreicht Crowdfunding-Ziel - Ticketverkauf kann starten

In Anbetracht fehlender Airline-Kunden wagt der Flughafen Bern einen ungewöhnlichen Schritt und gründet seine eigene Fluggesellschaft: FlyBair. Innerhalb eines Monats kam bereits eine Million Euro für den Start zusammen. Wer investiert, kann sich für mitunter für lange Zeit verewigen.

FlyBAIR soll eine "virtuelle Airline" werden, der Flugbetrieb läuft also über eine bestehende Fluggesellschaft. © Flughafen Bern

Die vom Berner Flughafen vor einem Monat gegründete, bisher virtuelle Fluggesellschaft FlyBair hat ihr selbstgestecktes Ziel erreicht und bis Ende November eine Million Franken via Crowdfundig eingesammelt. "Wir freuen uns, dass wir dieses Zwischenziel bereits vor dem Fristablauf am 2. Dezember erreicht haben und danken fast 1400 Bernerinnen und Bernern sowie der Berner Wirtschaft, dass sie ein so starkes Zeichen für das Fliegen ab Bern gesetzt haben", so Beat Brechbühl, Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens.

Am 1. November verkündete der Flughafen Bern, dass er im Mai 2020 wieder täglich Sommerferienflüge mit der selbstgegründeten Fluggesellschaft flyBair anbieten will. Dazu brauche man zum Start 2,5 Millionen Schweizer Franken. Ein Zwischenziel waren die nun erreichten eine Millionen innerhalb eines Monats. Nun könnten die Reiseveranstalter, welche fixe Sitzplatzkontingente gebucht haben, mit dem Verkauf der Ferienflüge ab Bern beginnen, erklärt Urs Ryf, CEO des Airport Bern. "Die Nachfrage ist jetzt schon gross. Ab Januar, zeitgleich mit unserem Auftritt an der Ferienmesse Bern, sind die Tickets dann auch direkt auf der Website von FlyBAIR erhältlich", so der Manager. Parallel laufe die Investorensuche weiter, auch die Crowdfunding-Plattform sei weiterhin offen. "Wir führen weiterhin Gespräche mit diversen Unternehmen aus dem Grossraum Bern, um sie dazu zu bewegen, in FlyBAIR zu investieren und so über genügend Reserven für die ersten Betriebsjahre zu verfügen."

Für 500.000 Euro kann man den Terminal-Namen bestimmen

Die neue Airline macht dabei, neben Modellen zum Aktienerwerb, durchaus ungewöhnliche Angebote: Für eine Spende von 99 Franken kommt der eigene Name aufs Flugzeug. Für 5000 Franken gibt es 20 Namensaktien und in den ersten zwei Jahren jährlich zwei Freiflüge. Und für 500.000 Franken darf man den Terminal-Namen am Flughafen Bern bestimmen.

Flybair soll im kommenden Sommer zunächst als Urlaubsflieger im Linienverkehr an den Start gehen. Jeweils ein bis zweimal pro Woche sollen die Destinationen Jerez, Kos, Kreta, Menorca, Olbia, Preveza und Rhodos ab Bern angeflogen werden.

Ziel sei zudem, ab Herbst 2020 eine Anbindung an einen Hub sicherzustellen. Dabei stünden München, Amsterdam oder London im Vordergrund, sagte Ryf im Interview mit "Money Cab". Welche der drei Städteanbindungen es sein wird, hänge von der Nachfrage und den Slots ab und soll in den nächsten Monaten evaluiert werden.

Flugzeuge und Crews sollen von anderen Airlines kommen

Das Geschäftsmodell der Neugründung sei zunächst das einer virtuellen Airline, so Ryf. So sollen Flugzeuge mitsamt Piloten und Flugbegleitern von anderen Fluggesellschaften gemietet und von FlyBair mit den operativen Aufgaben beauftragt werden. FlyBair würde einzig die Vermarktung der Flüge unter dem eigenen Marktauftritt übernehmen.

Der Flughafen Bern entschied sich zur Gründung der eigenen Fluggesellschaft, nachdem es nicht gelungen war, nach der Pleite der Hauptkundin Skywork eine andere Airline für ganzjährige Flüge nach Bern zu begeistern. Einzig in der Sommersaison gab es noch einige wenige Flüge, hauptsächlich von Helvetic.

© Flughafen Bern, Lesen Sie auch: Bern setzt Ausbauphase wegen Skywork-Insolvenz aus

Von: dk

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