airliners.de Logo
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) © dpa

Die Spitzen aus Bund und Ländern haben sich bei ihrem gestrigen Treffen wie erwartet auf eine grundsätzliche Verlängerung des Lockdowns bis zum 28. März verständigt. Ab kommenden Montag soll es dennoch zu ersten Lockerungen kommen. Neben Flug- und Fahrschulen sollen dann auch Buchläden, Blumenläden und Gartencenter öffnen dürfen.

Auch ein Anheben des Inzidenswertes von derzeit 35 auf 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner als Grenze ab der Lockerungen für den Einzelhandel beschlossen werden können, gehört zur Einigung. Damit könnte der Handel wohl schon bald wieder zumindest teilweise öffnen.

Zudem wurden Maßnahmen für mehr Impfungen beschlossen, so sollen diese ab Anfang April nicht nur in Impfzentren, sondern auch in Arztpraxen verabreicht werden dürfen. Zu einer verbesserten Teststrategie gab es wenig, die Zahl der Tests soll weiter massiv ausgeweitet werden, mittlerweile scheint jedoch klar, dass die eigentlich für weitere Lockerungsschritte im Frühjahr eingeplante Menge an Schnelltests nicht zur Verfügung stehen wird. Gesundheitsminister Jens Spahn soll dafür in der Bund-Länder-Schalte wiederholt kritisiert worden sein.

Schon im Vorfeld des Spitzentreffens habe sich gezeigt, dass sich der Fokus der Politik verschiebe, berichtet der Berliner "Tagesspiegel". So habe es diesmal kein Expertengespräch mit Virologen vor dem Gipfel gegeben, sondern mit den großen Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften.

Reisebranche kritisiert "nicht enden wollende Verzichtsappelle"

Eine Öffnungsperspektive für Reisen und Hotels im Inland wurde jedoch abermals verschoben. Darüber soll auf der nächsten Sitzung am 24. März beraten werden. Derweil wächst in der Branche der Unmut. Die Politik sei dringend gefordert, die Reisewirtschaft zum Teil der Öffnungsdebatte zu machen, erklärte der Deutsche Reiseverband (DRV) auf Anfrage.

"Nicht nur die gesamte Branche, sondern auch die Menschen brauchen klare und gut planbare Perspektiven. Organisierte Reisen sind nachweislich nicht Treiber der Pandemie – das sagen nicht wir, das sagt das RKI in einer aktuellen Studie. Diesen Erkenntnissen muss in den politischen Entscheidungen angemessen Rechnung getragen werden", so ein Sprecher. Die Appelle, auf Reisen zu verzichten, müssten aufhören. Es sei inakzeptabel, dass die Unternehmen aufgrund von fehlenden Tests und eines viel zu langsamen Impfprozesses gezwungen werde, weitere Monate im Lockdown zu verharren.

Sorge bereitet dem Verband vor allem die Lage mittelständischer Reisebüros und -veranstalter. Zwar sei es abgesehen von Einzelfällen noch nicht zur befürchteten Insolvenzwelle gekommen, doch sei die Lage aufgrund der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht wohl schwieriger, als es von außen den Anschein habe, erklärte DRV-Präsident Jan Fiebig bei einem Pressegespräch. Die Unterstützungshilfen würden helfen, doch es sei absehbar, dass die mittelständische Infrastruktur der Reisewirtschaft eine Verlängerung der Hilfsmaßnahmen über den Juni 2021 benötige. Die eingefahrenen Umsatzausfälle vieler Unternehmen ließen sich jetzt schon jetzt nicht mehr ausgleichen, ohne den Beginn einer Normalisierung könne sich der wirtschaftliche Schaden vielerorts noch als fatal erweisen.

Auch in einer Umfrage des DRV unter 600 Mitgliedsunternehmen werde die Politik schlecht benotet, berichtet der Verband. Auch hier stünden der zu langsame Impffortschritt, Quarantäne für Reiserückkehrer sowie "nicht enden wollende Verzichtsappelle" im Mittelpunkt der Kritik. Rund 90 Prozent der Reisebüros und Reiseveranstalter rechneten in diesem Jahr mit maximal 50 Prozent des Umsatzes aus dem Vor-Corona-Jahr 2019; bei den touristischen Dienstleistern seien es zwei Drittel.

Für das Auslandsgeschäft der Reiseveranstalter berichtet der DRV von einer leichten Erholung bei der Buchungslage, wenn auch auf niedrigem Niveau. Das Neubuchungsaufkommen liege derzeit bei etwa 20 Prozent des Vorjahresvolumens. Die meisten Buchungen gingen für den Sommer oder einen Zeitraum danach ein, offensichtlich steige die Zuversicht der Kunden, dass Impfungen und mehr Tests bis dahin die Situation entspannen.