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Flugplätze für die Corona-Krise

Der dezentrale Luftverkehr hat sein Standbein in der Daseinsfürsorge. Diese Dimension wird in der gegenwärtigen Corona-Situation noch nicht ausreichend beachtet, findet Ulrich Stockmann. Sie sind notwendig für Ambulanzflüge während eines Notstandes.

Ambulanzflugzeug der Flight Ambulance International in Bern. © AirTeamImages.com / Lukas Roesler

Den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie kann niemand exakt vorhersagen. Er hängt sicher auch davon ab, wie die staatlich verordneten Maßnahmen umgesetzt werden und greifen. Zunächst soll die Ausbreitung des Virus verzögert werden, um die Kurve der Zahl der Zugleich-Betroffenen möglichst flach zu halten.

Dies bekommen momentan auch die dezentralen Flugplätze und die Auslandsflüge im Businessbereich durch Einschränkungen zu spüren. Dienstzeiten werden reduziert und Flugplätze auf PPR (Prior Permission Required) umgestellt. Dabei hat der dezentrale Luftverkehr sein Standbein in der Daseinsfürsorge. Diese Dimension wird in der gegenwärtigen Situation aber noch nicht ausreichend beachtet.

Eine strategische Planung muss aber auch "Worst-Case"-Szenarien umfassen. Aktuell wird vom Robert-Koch- Institut in einigen Monaten eine Peak von zehn Millionen Erkrankten für möglich gehalten. Das bedeutet eine dramatische Überforderung unseres Gesundheitssystems. Wenn auch nur weniger als zehn Prozent der Patienten stationär behandelt werden müssen, bedeutet dies einen Mangel von ertüchtigten Krankenhausbetten.

Eine Vielzahl von Ambulanzflügen notwendig

Nach unserer Rechtauffassung und unseren ethischen Normen, sind alle Menschenleben gleichwertig. (Es gibt auch keine Einschränkungen bei Gesundheitsmaßnahmen ab 80 Jahren, wie in Großbritannien.) Da die Zahl der nutzbaren Krankenhausplätze je Bundesland und die Zahl der aktuell Erkrankten nicht deckungsgleich ist, werden eine Vielzahl von Ambulanzflügen notwendig werden. Und eine Bundesagentur sollte für die optimale Nutzung der Betten verantwortlich sein.

Dazu brauchen wir die Landeplätze vor Ort. Und auch beim Fluggerät, werden wohl außer Rettungs- beziehungsweise Militärhubschraubern auch kleinere Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt erforderlich sein, die entsprechend ausgerüstet werden müssen.

Über den Autor

Ulrich Stockmann

Ulrich Stockmann (SPD) war Mitglied der ersten freigewählten Volkskammer der DDR und bis Dezember 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. Den Großteil seiner politischen Laufbahn verbrachte er im EU-Parlament in Brüssel. Zunächst als Beobachter für Sachsen-Anhalt, von 1994 bis 2009 als ordentliches Mitglied im im Europäischen Parlament. Er war Mitglied des Verkehrsausschusses. Aktuell engagiert er sich politisch für Regionalflughäfen und die allgemeine Luftfahrt.

Außer der im Vordergrund stehenden Gesundheitsproblematik gilt es auch, die Versorgungsketten und die Güterproduktion möglichst aufrecht zu erhalten. Dazu werden noch weitere wirtschaftliche "Ambulanzflüge" notwendig werden. Unterbrochene Logistikketten müssen vor Ort schnellstmöglich repariert oder ersetzt werden. Und nicht zuletzt benötigen Polizei und Politik während eines Notstandes optimale und schnelle territoriale Beweglichkeit.

So wollen wir uns eine mögliche Renaissance des dezentralen Luftverkehrs nicht wünschen. Aber in einem Notstand wird offensichtlich, dass seine Infrastruktur strategische Bedeutung hat und eine rein betriebswirtschaftliche Behandlung der Flugplätze zu kurz greift.

Von: Ulrich Stockmann Jetzt Gastautor werden

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