Österreichische Fluglotsen warnen vor neuem Chaos-Sommer

Nach der deutschen Fluglotsengewerkschaft warnen nun die österreichischen Controller vor einem neuem Chaos-Sommer. Denn wie hierzulande gibt es auch in der Alpenrepublik zu wenige Lotsen. Und die zieht es nun zur Deutschen Flugsicherung.

Flugbewegungen im deutschen Luftraum © dpa

Die österreichischen Fluglotsen warnen vor Flugverspätungen und Ausfällen im kommenden Sommer. Es würden sich bereits jetzt Probleme abzeichnen, heißt es in einer Pressemeldung der Gewerkschaft Vida. "Grund ist ein Fluglotsenmangel", sagt Daniel Liebhart, neuer Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt bei der österreichischen Gewerkschaft.

Vida warnt speziell vor Abwanderungstendenzen nach Deutschland. "Auch dort gibt es zu wenige Fluglotsen." Die Arbeitsplätze seien in Deutschland allerdings attraktiver. "Daher entscheiden sich viele, zu wechseln." Liebhart fordert von der österreichischen Flugsicherung Austro Control "dringend neue Anreize zu schaffen, um wieder mehr Bewerber zu rekrutieren beziehungsweise Fluglotsen zu halten".

Gegenüber airliners.de teilte Liebhart mit, dass Austro Control bereits seit Herbst sechs Fluglotsen an die DFS verloren habe. Das mache sich bei 320 Fluglotsen bemerkbar. Ähnliches erfahre derzeit auch die ungarische Flugsicherung. Auch dort würden Mitarbeiter nach Deutschland abwandern. Liebhart sieht in der Wanderbewegung auch ein gesamteuropäisches Problem, da es schlichtweg zu wenig Fluglotsen gebe.

Auf Nachfrage von airliners.de teilt die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit, dass Mitarbeiter im einstelligen Bereich aus Österreich angestellt wurden. Oberste Priorität bei allen Neueinstellungen habe das Thema Sicherheit, daher müssten alle neuen Lotsen erstmal die für ihren Luftraum notwendigen Berechtigungen erwerben. Gleichzeitig betonte die DFS auch, dass man versuche viele neue Lotsen auszubilden.

Kritik kommt auch von deutscher Seite

Erst in der vergangenen Woche hatte auch die deutsche Fluglotsengewerkschaft GDF vor einem neuerlichen Chaos im europäischen Luftverkehr gewarnt. Die Gewerkschaft sieht in Deutschland eine verfehlte Personalplanung. Gewerkschaftschef Matthias Maas hielt der Geschäftsführung der DFS Versäumnisse bei der Personalplanung vor.

© privat, Lesen Sie auch: "Wir dürfen nicht wieder dieselben Fehler machen" Interview

So sei entgegen der Ankündigungen beim Luftfahrtgipfel im vergangenen Herbst die Zahl der Ausbildungsplätze für neue Lotsen bisher nicht erhöht worden. Dabei würden die jährlich 120 neuen Lotsenschüler nicht einmal ausreichen, um die Altersabgänge bei der DSF bis zum Jahr 2024 auszugleichen.

Airline-Verband fordert Neuordnung

Der europäische Branchenverband Airlines for Europe (A4E) hat 2018 bei Flugverspätungen als "eines der schlimmsten" der vergangenen zehn Jahre bezeichnet. Schuld für die vielen Probleme seien Personalmangel, Streiks und "eine insgesamt ineffiziente EU-Luftraumstruktur", kritisierte der in Brüssel ansässige Verband am Mittwoch.

Nach Angaben der europäischen Flugsicherung Eurocontrol nahm der Luftverkehr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent zu, während sich die Gesamtdauer der Verspätungen mehr als verdoppelte. 334 Millionen Fluggäste waren demnach von Verspätungen und Annullierungen betroffen. A4E bezifferte den wirtschaftlichen Schaden dadurch auf 17,6 Milliarden Euro.

"Die Reform des ineffizienten europäischen Flugverkehrsmanagements" müsse daher auf nationaler und europäischer Ebene zu einer "politischen Priorität" werden, erklärte A4E-Chef Thomas Reynaert.

Konkrete Forderungen der Fluggesellschaften betreffen etwa die Ausbildung von Fluglotsen und eine Harmonisierung und Zentralisierung der verschiedenen Systeme des Flugverkehrsmanagements. Auch sollte der Flugsicherungssektor bei Entschädigungszahlungen für Flugverspätungen und -ausfälle mit in die Verantwortung genommen werden.

Von: br mit AFP

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