Fluglärmgegner: Corona zeigt wie leise der Himmel sein kann

Die Initiativen gegen Fluglärm im Rhein/Main-Gebiet kritisieren die aus ihrer Sicht vorschnelle Öffnung der Nordwestbahn in Frankfurt. Die coronabedingte "Phase der Entlastung" sei willkürlich beendet worden, was hoffentlich auch der Bevölkerung nicht entgehe.

Ein Passagierflugzeug ist über Wohnhäusern in Flörsheim im Landeanflug auf die Nordwest-Landebahn des Flughafens von Frankfurt unterwegs. © dpa / Arne Dedert

Die Reduzierung des Flugverkehrs durch die Corona-Krise lässt die Lärmgegner im Rhein-Main-Gebiet hoffen. Die Pandemie könne durch die Reise-Beschränkungen in noch größeren Teilen der Bevölkerung dafür sorgen, dass das Fliegen kritischer gesehen werde, sagte Michael Flörsheimer, einer der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI). "Besonders, was die Kurzstreckenfliegerei angeht, könnte das ein Nachdenken bewirken." Die Corona-Krise könne wie ein Katalysator wirken, nachdem sich durch die Diskussion um den Klimawandel bereits ein Bewusstseinswandel angedeutet habe.

Der größte deutsche Flughafen hatte zuletzt von etwas mehr Flügen berichtet, die Zahlen sind aber nach wie vor niedrig: In der 28. Kalenderwoche (6. bis 12. Juli) wurden rund 275.000 Passagiere transportiert und damit 82,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im April und Mai hatte das Minus fast 97 Prozent beziehungsweise 96 Prozent betragen.

Mit dem Anstieg setzte auch der Streit um den Flugbetrieb wieder ein. Fraport habe ohne Grund die Nordwest-Landebahn am 8. Juli wieder in Betrieb genommen, um "eine falsche Normalität" vorzuspiegeln, kritisierte das Bündnis der Bürgerinitiativen. Damit sei die Phase "deutlich spürbarer Entlastungen willkürlich beendet" worden.

Der Betreiber solle den Verkehr so steuern, dass der Lärm gleichmäßig verteilt und damit alle Anrainerkommunen möglichst wenig belastet würden, forderte Flörsheimer. Das Unternehmen erklärte, wegen der ansteigenden Flugbewegungen könne nur mit der Landebahn ein flüssiger Verkehr gewährleistet werden.

© dpa, Jörg Carstensen Lesen Sie auch: Verband fordert zum "Tag des Lärms" völliges Umdenken in Luftverkehrspolitik

Der wieder steigende Lärmpegel verschaffte auch den Forderungen nach einer Verlängerung des Nachtflugverbots Aufwind. So sprach sich der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erneut dafür aus, Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr zu untersagen. Das Verkehrsministerium in Wiesbaden verwies aber auf den Planfeststellungsbeschluss, in dem die Zeit zwischen 23 und 5 Uhr festgelegt ist.

Von: dk, dpa

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