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Der "Boulevard Tegel" an Berlins größtem Airport. © AirTeamImages.com / Markus Mainka

Mit einem Großeinsatz hat die Berliner Polizei auf Klimaproteste am Hauptstadt-Flughafen Tegel reagiert. Weil dafür auch die zum Flughafen führende Autobahnausfahrt gesperrt wurde, mussten am Sonntag zahlreiche Passagiere aus ihren Taxis steigen und zu Fuß die letzten Meter zum Flughafen gehen.

Nach eigenen Angaben kontrollierte die Polizei auch Fahrzeuge auf der Autobahn und an den Zufahrtstraßen zum Flughafen. Es kam zu Staus und Verkehrsbehinderungen. An den Bushaltestellen am Terminal bildeten sich lange Schlangen. Der Flugverkehr wurde nach Angaben der Polizei während der gesamten Zeit nicht behindert. Rund 50 Menschen demonstrierten im Hauptgebäude aus Klimaschutzgründen gegen den Flugverkehr. Weitere 80 protestierten mit etwas Abstand zu dem Terminal auf dem Flughafengelände, wie ein Polizeisprecher sagte.

ADV: Luftverkehr ist nicht der Feind

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) kritisierte die Aktion. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte: "Die Blockade eines Flughafens ist nicht akzeptabel und geht weit über das vertretbare Maß hinaus."

Man brauche einen globalen Ansatz beim Klimaschutz und kein "Schwarzer-Peter-Spiel", indem ein Verkehrsträger in Geiselhaft genommen wird, so Beisel weiter.

Der ADV-Chef appellierte in seiner Reaktion auf die Proteste an die Veranstalter, in den direkten Dialog mit der Luftverkehrswirtschaft zu treten, anstatt einen Kulturkampf gegen Luftverkehr zu führen. "Luftverkehr ist nicht der Feind. Ganz im Gegenteil: Die Flughäfen haben seit knapp 10 Jahren eine gemeinsame Klimaschutzstrategie."

Die CO2-Emissionen hätten von 2010 bis 2018 um 24 Prozent reduziert werden können, so Beisel. Pro Passagier bedeute dies eine Reduzierung um 42 Prozent. Die Mission sei "Zero Emission bis 2050".

Polizei gestattet Kundgebung ohne Behinderung des Verkehrs

Unter Auflagen gestattete die Polizei schließlich eine Kundgebung im Inneren. Dabei habe niemand behindert werden dürfen, die Protestrufe sollten die Flughafendurchsagen nicht übertönen, hieß es. Daran hätten sich die Demonstranten gehalten, sagte der Sprecher.

Die Aktivisten trugen zum Teil Pinguin-Kostüme und hielten Transparente hoch, auf denen sie dazu aufriefen, am Boden zu bleiben. Am Nachmittag verließen die Aktivisten erst das Gebäude und später auch das Gelände.

Die Gruppe fordert die sofortige Einstellung aller Inlands- und Kurzstreckenflüge sowie einen Ausbaustopp aller Flughafeninfrastruktur. "Die Gruppe 'Am Boden bleiben' ist Teil der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit", hieß es in einer Mitteilung. Rund 150 Menschen waren demnach am Morgen zu Fuß und mit Rädern in Richtung Flughafen aufgebrochen. Den Einsatz der Polizei kritisierten die Organisatoren.

Viele Aktivisten seien an der Anreise zum Flughafen gehindert worden. Kritisiert wurden auch Ticketkontrollen, die die Polizei am Vormittag vorgenommen hatte, um zu verhindern, dass Menschen ohne Flugticket ins Hauptgebäude gelangten. "Dass die Polizei diese friedliche Aktion mit so einem Aufwand versucht zu verhindern ist skandalös!", teilte die Gruppe mit.