Flughafenchef Mühlenfeld verärgert Brandenburger Politiker

Früher oder später hat noch jeder Berliner Flughafenchef der jüngeren Zeit die Politik gegen sich aufgebracht. Mit seinen Einlassungen zum Hauptstadtflughafen machte sich nun der aktuelle keine Freunde.

Berlins Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. © dpa / Maurizio Gambarini

Die Äußerungen des Berliner Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens sind in Brandenburg auf großes Unverständnis gestoßen. Es sei nicht egal, ob der BER Ende 2017 oder erst Anfang 2018 an den Start gehe, hieß es jetzt unisono aus den Fraktionen im Potsdamer Landtag. Jeder Tag der Nichteröffnung koste rund eine Million Euro. Mühlenfeld hatte zuvor auch angekündigt, erst im Oktober einen Eröffnungstermin zu nennen.

Die Brandenburger Opposition sieht darin eine falsche Rücksichtnahme auf die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September. "Hier entsteht inzwischen der Eindruck, dass ein sehr, sehr großes Problem des Flughafens die unterschiedlichen Wahltermine in Berlin und Brandenburg sind", kritisierte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Jan Redmann. Es sei sehr bedenklich, dass das Datum politisch bestimmt werde und man erst nach der Wahl reinen Wein einschenken wolle.

Der BER sollte ursprünglich im Herbst 2011 in Betrieb gehen. Insgesamt wurde der Eröffnungstermin wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Technikproblemen bislang vier Mal verschoben.

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Grünen-Fraktionschef Axel Vogel nannte die Aussagen Mühlenfelds "schon fast bösartig" angesichts der Kosten und Liquiditätsschwäche, auf die die Flughafengesellschaft zurolle. "Je schneller dieser Flughafen fertig wird, desto weniger Kosten wird er für den Steuerzahler verursachen", sagte Vogel.

Die offiziell genannten Kosten für den Flughafen sind seit Baubeginn von zwei Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro gestiegen. Diese Steigerung geht nur zum Teil auf Erweiterungen des Projekts zurück.

Der stellvertretende Fraktions- und Landeschef der AfD, Andreas Kalbitz, sagte, die Aussagen zum Flughafen wiederholten sich, es ändere sich aber nichts an der Ignoranz der rot-roten Landesregierung und der Flughafengesellschaft. Die AfD will das Thema auf die Tagesordnung im Sonderausschuss des Landtags bringen.

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Auch die Gruppe von BVB/Freie Wähler sparte nicht mit Kritik. Péter Vida sprach von "Selbstüberschätzung", "Tragikomik" und einer "Bankrotterklärung für das ganze Projekt". Eine Terminnennung erst im Oktober sei "herablassend" gegenüber den Brandenburgern.

Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers sagte: "Ich würde mir wünschen, dass man mehr über die Komplettierung von Unterlagen redet als über Eröffnungstermine." Den Behörden fehlen zum Teil noch Dokumente der Flughafengesellschaft für die Genehmigung des BER.

Von: ch, dpa

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