Fraport zieht positive Bilanz für 2019 und erwartet schwieriges 2020

Jahreszahlen vom Betreiber des Flughafens Frankfurt: Fraport verbucht ein erfolgreiches Jahr, neben Frankfurt entwickelten sich auch die Bestandsflughäfen positiv. Aufgrund der Coronakrise erwartet Fraport für 2020 herbe Gewinnrückgänge.

Gebäude am Frankfurter Flughafen © Fraport AG

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport stellt sich wegen der Corona-Krise in diesem Jahr auf einen deutlichen Gewinnrückgang ein. "Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass sich die starken Verkehrsrückgänge in den nächsten Wochen und Monaten fortsetzen, ohne dass wir Ausmaß und Dauer der Rückgänge verlässlich abschätzen können", sagte Vorstandschef Stefan Schulte am Freitag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt.

Eine konkrete Prognose könne er daher derzeit nicht abgeben. Die Passagierzahl in Frankfurt werde 2020 voraussichtlich deutlich sinken. Umsatz und Gewinn dürften daher ebenfalls deutlich schrumpfen. Die Dividenden für 2019 und 2020 will der Vorstand mit zwei Euro je Aktie dennoch stabil halten.

An der Börse wurden die Nachrichten nach dem Kursrutsch vom Vortag in einem positiven Marktumfeld nicht gut aufgenommen. Die Fraport-Aktie sackte nach dem kräftigen Einbruch in jüngster Zeit am Freitag um weitere vier Prozent ab. Der Gesamtmarkt erholte sich nach einer rabenschwarzen Woche zum Ausklang hingegen leicht.

In der letzten Februarwoche zählte Fraport an Deutschlands größtem Flughafen 14,5 Prozent weniger Passagiere als ein Jahr zuvor. In der ersten Märzwoche habe der Rückgang bereits rund 30 Prozent betragen. "Die Ausbreitung des SARS-CoV-2 führt seit Wochen zu massiven Flugstreichungen und einer sehr zurückhaltenden Nachfrage sowohl im Interkontinental- als auch im Kontinentalverkehr", erklärte das Management.

Lufthansa streicht in Frankfurt mass

Die Lufthansa, die den Löwenanteil der Flugverkehrs in Frankfurt bestreitet, hat ihr Flugangebot für die kommenden Wochen kräftig zusammengestrichen. Das trifft nun auch Verbindungen von Frankfurt nach Nordamerika, auf denen die Passagierzahl im Februar noch gewachsen war. Denn ab diesem Samstag dürfen Reisende aus dem Schengen-Raum für vorerst 30 Tage nicht mehr in die USA einreisen.

Jeder ausbleibende Passagier belastet Fraports operativen Gewinn (Ebitda) laut Konzernangaben mit 10 bis 14 Euro. Gemessen an den gut 70 Millionen Passagieren, die 2019 in Frankfurt abgefertigt wurden, würde ein denkbarer Rückgang um 30 Prozent im Gesamtjahr zu einer Ergebnisbelastung von rund 250 Millionen Euro führen. Das wäre rund ein Fünftel des operativen Gewinns von 2019. Hinzu kämen noch die zu erwartenden Rückgänge an den Fraport-Flughäfen im Ausland.

Fraport startet Sparprogramm

Angesichts der Krise hat Fraport bereits ein umfangreiches Sparprogramm eingeleitet. "Getätigt werden nur noch betrieblich zwingend notwendige Ausgaben", hieß es. Alle Kostenpositionen stünden auf dem Prüfstand. Neueinstellungen soll es bis auf Weiteres faktisch nicht geben. Arbeitsschichten im Flughafenbetrieb würden in den Sommer oder Herbst verschoben. Wer möchte, kann unbezahlten Urlaub nehmen oder vorübergehend auf Teilzeit wechseln. Zudem bereitet sich Fraport darauf vor, Beschäftigte in Kurzarbeit zu schicken.

"Nach mehreren Jahren mit starkem Wachstum befindet sich die Luftfahrt derzeit in einer schweren Krise, deren Ende wir noch nicht absehen können", sagte Vorstandschef Schulte. Die Aussichten seien bereits vor der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus trüber geworden. Die schwächere Konjunktur, Unsicherheiten in der Weltpolitik gekürzte Flugpläne sowie Insolvenzen einzelner Fluggesellschaften und Reiseveranstalter hätten das Geschäft schon Ende 2019 belastet. Schon ohne die Corona-Krise hätte er erwartet, dass die Zahl der Fluggäste 2020 auf dem Vorjahresniveau verharrt.

Im abgelaufenen Jahr steigerte Fraport den Umsatz um 6,5 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) legte um 4,5 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb für die Aktionäre ein Gewinn von 421 Millionen Euro und damit elf Prozent weniger als im Vorjahr. Damals hatte ein Sonderertrag den Überschuss nach oben getrieben. Die Anteilseigner - allen voran das Land Hessen und die Stadt Frankfurt - sollen je Aktie wie im Vorjahr eine Dividende von zwei Euro erhalten

Von: dpa-AFX, br

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