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Tower am Flughafen Paderborn/Lippstadt. © Flughafen Paderborn-Lippstadt

Der Flughafen Paderborn-Lippstadt kehrt nach siebenmonatiger Insolvenz in Eigenverwaltung am 1. Mai in den regulären Geschäftsbetrieb zurück. Das teilte der Sanierungsgeschäftsführer Yorck Streitbörger mit. Zuvor hatte das Amtsgericht Paderborn die Insolvenz in Eigenverwaltung aufgehoben. Der Airport sei saniert, vollständig entschuldet und finanziell nachhaltig aufgestellt, so Streitbörger.

Geschäftsführer bleibt auch künftig Marc Cezanne, der den Flughafen seit 2013 leitet. "Wir sind sehr froh, das Verfahren abzuschließen und dabei alle unsere Ziele erreicht zu haben", so Cezanne während einer Online-Pressekonferenz. Es sei eine hochspannende Zeit gewesen, denn auch wenn man sich gut vorbereitet habe, "ist ein solches Verfahren natürlich immer ein offener Prozess."

Der Airport soll trotz einer deutlichen Verkleinerung ein vollwertiger Flughafen bleiben. Die Belegschaft musste für die Sanierung von 170 auf 64 Beschäftigte schrumpfen. Die Abfertigungskapazität wurde auf 300.000 Passagiere im Jahr reduziert. Vor der Corona-Krise hatte der Airport noch 700.000 Fluggäste gezählt.

"Positive Zeichen von Airlines und Reiseveranstaltern"

Für einen nachhaltigen Betrieb mit der geschrumpften Belegschaft habe man im Sanierungsplan mit rund 1700 Flügen pro Jahr gerechnet, erläuterte der Geschäftsführer. "Doch die Reiseveranstalter und Airlines geben uns Zeichen, dass es deutlich mehr werden könnten, wenn die Erholung von der Corona-Krise voll einsetzt." 2021 sollen rund 190.000 Passagiere abgefertigt werden. Bereits in zwei bis drei Jahren könne man jedoch wieder auf dem Niveau von 2019 ankommen.

Im Laufe des Sommers sollen viele touristische Ziele wieder bedient werden, im September wolle Lufthansa den Linienbetrieb wieder aufnehmen. Zudem freut sich der Flughafen über die von dem Airline-Start-Up Green Airlines für den Spätsommer angekündigte Aufnahme von Flügen nach Zürich. "Eine in Kundenumfragen immer wieder genannte Wunschdestination."

Der jährliche Zuschuss der Gesellschafter soll von 5 auf maximal 2,5 Millionen Euro im Jahr sinken. Hauptgesellschafter ist der Kreis Paderborn mit einem Anteil von rund 77 Prozent, sobald der Ausstieg der Kreise Gütersloh und Lippe formal vollzogen ist. Die Formalitäten dafür seien geklärt, sagte Christoph Rüther, Landrat des Kreises Paderborn: "Wir schauen als Hauptgesellschafter zuversichtlich auf die Perspektiven des Flughafens. Am wichtigsten ist für uns das deutlich zu verspürende Interesse der regionalen Wirtschaft, dass der Standort zu tragbaren Kosten erhalten bleibt."

Das halten alle Beteiligten für realistisch. Zumal auch der nun angepeilte maximale Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro schon im kommenden Jahr deutlich sinken könnte, wenn der Bund wie angekündigt beginnt, auch für Flughäfen wie Paderborn die Flugsicherungskosten zu übernehmen, so Cezanne. "Das sind rund zwei Millionen Euro im Jahr, die bisher von uns aufgebracht werden mussten."

Insgesamt haben die Gesellschafter rund 12,5 Millionen Euro für die Neu-Aufstellung des Flughafens bereitgestellt. Drei Millionen davon sollen als Kapitalbasis für die Zukunft dienen. Ein Investment, dass sich nach Einschätzung Cezannes in wenigen Jahren durch den Wegfall der jährlichen Fehlbeträge amortisiert. Die Gläubiger seien mit 25 Prozent der ausstehenden Forderungen abgegolten worden.

Im Grunde übernehme der Flughafen Paderborn eine Pionierrolle, indem man die Krise als Chance für eine nachhaltige Neu-Aufstellung nutze, finden der Geschäftsführer wie auch der Generalbevollmächtigte. Kleine Flughäfen würden jedes Jahr steigenden Kosten bei gleichbleibenden Stückerlösen hinterherrennen. Diesen Kreislauf habe Paderborn durch die drastischen Kostensenkungen nun vorerst durchbrochen. "Ich glaube, dass andere Flughäfen unserem Beispiel folgen werden", prognostiziert Streitbörger.