Flughafen Kassel-Calden senkt Fluggastprognose deutlich

Am Flughafen Kassel-Calden ist kein Aufschwung in Sicht: Geschäftsführer Schustereder setzt auf «stetigen Steigflug», verkündet aber neue Belastungen. Vertreter der Landesregierung äußern sich besorgt.

Ralf Schustereder, Chef des Regionalflughafens Kassel-Calden © dpa / Uwe Zucchi

Der stark defizitäre Flughafen Kassel-Calden erwartet deutlich weniger Fluggäste als geplant und muss mit weiteren finanziellen Belastungen rechnen. Baufirmen hätten Nachforderungen gestellt, die sich auf bis zu 14 Millionen Euro summieren, berichtete Geschäftsführer Ralf Schustereder am Freitag im Geschäftsplan 2015 bis 2024. Die Berechtigung und Höhe würden geprüft. Der umstrittene Regional-Flughafen senkt auch seine Fluggastprognose. Während die Planer 2006 mit 640.000 Passagieren für das Jahr 2020 kalkulierten, gehen sie nun von 497.000 Fluggästen für das Jahr 2024 aus.

Seit der Eröffnung von Kassel-Calden im April 2013 hat der Airport mit mangelnder Auslastung zu kämpfen. 100.000 Passagiere waren ursprünglich für 2013 geplant, rund 47.000 waren es im Endeffekt. Für dieses Jahr rechnete Schustereder im Sommer mit einem ähnlichen Niveau. Das Betriebsdefizit soll laut Geschäftsplan von aktuell 8,1 Millionen Euro auf 2,7 Millionen Euro im Jahr 2019 gesenkt werden.

«Anhaltspunkte dafür, dass die Auslastung steigen wird»

Im Jahr 2022 rechnet der Flughafen erstmals mit einem positiven Betriebsergebnis von 180.000 Euro. Beteiligt sind das Land Hessen, Stadt und Landkreis Kassel sowie die Gemeinde Calden. Schustereder sagte, er sehe «Anhaltspunkte dafür, dass die Auslastung des Flughafens steigen wird».

Die Vorsitzenden der Fraktionen von CDU und Grünen in der hessischen Landesregierung, Michael Boddenberg und Mathias Wagner, reagierten besorgt wegen der erneut negativen Entwicklung des Airports: «Wir wollen Kassel-Calden zu einem erfolgreichen Regionalflughafen entwickeln, aber eben nicht um jeden Preis», betonten die beiden Politiker in einer Mitteilung. «Wir hoffen und erwarten, dass der neue Geschäftsplan den Flughafen im wahrsten Sinne des Wortes zum Fliegen bringt. Wir sind aber im Interesse eines sorgsamen Umgans mit Steuergeld auch vorbereitet, wenn es Probleme geben sollte.»

Der Geschäftsführer sagte zu den Aussichten: «Ich konnte nie und werde auch nie einen Senkrechtstart für Calden versprechen. Ich setze auf einen ruhigen, stetigen Steigflug.» Mit dem Geschäftsplan sei das möglich. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Hessen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), sagte: «Die Geschäftsführung möchte den Flughafen langfristig entwickeln. Die dafür vorgelegten Pläne haben das Potenzial, Kassel-Calden zu einem erfolgreichen Regionalflughafen zu entwickeln und sind von Wirtschaftsprüfern geprüft.»

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Eine Prüfung des Geschäftsplans durch die EU stehe noch aus, damit stehe er unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kommission, sagte Schustereder. Staatliche Beihilfen für Regionalflughäfen sind nur noch begrenzt und für einen Übergangszeitraum zugelassen. Die schwarz-grüne Landesregierung will erreichen, dass das Defizit des Airports jedes Jahr um zehn Prozent schrumpft. Im Jahr 2017 soll der Flughafen dann auf den Prüfstand gestellt und über seine Zukunft entschieden werden.

Von: dpa

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