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Eine Fluggastbrücke am Airport Hahn. © dpa / Thomas Frey

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Nach der angemeldeten Insolvenz des chinesischen Flughafen-Hahn-Haupteigentümers versucht die Airport-Geschäftsführung ihre Belegschaft zu beruhigen. Die angekündigte Neuausrichtung des Großkonzerns HNA betreffe nicht den Betrieb des Hunsrück-Flughafens und seine Betreibergesellschaft, betont die Hahn-Geschäftsführung.

"Die deutsche Gesellschaft erfüllt unverändert ihre Verpflichtungen voll umfänglich und wird dies auch in Zukunft so tun", heißt es weiter in dem Schreiben an die Mitarbeiter vom Freitag, das der dpa vorliegt. Es endet mit folgenden Sätzen: "Die in China eingeleiteten Maßnahmen haben keine Auswirkung auf Ihre Tätigkeit. An unserer Zusammenarbeit mit allen Airlines, Kunden, Behörden und Partnern wird sich nichts ändern."

HNA hatte nach eigener Mitteilung vom Freitag Insolvenz angemeldet. Gläubiger beantragten die Neuausrichtung des hoch verschuldeten Großkonzerns. Drei Unternehmen der HNA-Gruppe teilten zudem mit, dass "Anteilseigner und andere zugehörige Parteien" 61,5 Milliarden Yuan, umgerechnet 7,86 Milliarden Euro, "veruntreut" hätten, wie das renommierte Wirtschaftsmagazin "Caixin" berichtete. Zusätzlich seien Kreditgarantien in Höhe von 46,5 Milliarden, umgerechnet 5,95 Milliarden Euro, auf "nicht konforme Weise" vergeben worden.

Beteiligungsliste ist drei Meter lang

In einem Brief an die Belegschaft, der airliners.de vorliegt, hatte sich auch der Arbeitsgruppenleiter der Chinesischen Regierung zur Sanierung des HNA-Konzerns Gu Gang an die Beschäftigten gewandt. Zahlreiche Genossen hätten Überstunden geleistet, um zumindest etwas Ordnung in die Finanzen der HNA zu bringen. Das erarbeitete Baumdiagramm der Beteiligungsverhältnisse sei ausgedruckt drei Meter lang.

Ziel der Insolvenz sei aber nicht der Konkurs, sondern die Reorganisation der Gruppe, beschwichtigte Gu Gang: "All unsere Qualen, all unsere Bemühungen, haben nur eine Richtung, und das ist der Erfolg der Reorganisation." Es sei Anforderung des Zentralkomitees der Partei und des Staatsrates, das Risiko bei der HNA "zu kontrollieren und zu entschärfen". Das geschehe in der Hoffnung, dass alle Mitarbeiter von HNA einen stabilen Arbeitsplatz behalten können.

Auf chinesisch liest sich die Durchhalteparole zum Schluss des Briefs dann so: "Wir können nur vorwärts gehen und nicht zurück, die Morgendämmerung liegt vor uns. Vielleicht ist das, was wir jetzt sehen, nur ein Lichtstrahl. Aber ich glaube fest daran, dass (...) wir von der Sonne begrüßt werden, wenn wir aus dem Tunnel heraustreten (...) Lasst uns gemeinsam einen harten Kampf kämpfen, breitet eure Flügel aus und fliegt hoch!"

Der Hunsrück-Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent HNA und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen. Das rheinland-pfälzische Innenministerium hat unterdessen den chinesischen Generalkonsul in Frankfurt um Informationen über mögliche Auswirkungen der HNA-Pleite auf den Flughafen Hahn gebeten.

Der abgelegene Airport schwächelt schon seit Jahren - Corona versetzte seinem Passagiergeschäft einen besonders starken Dämpfer. Die Zahlen im Frachtgeschäft haben sich dagegen positiv entwickelt. Der ehemalige US-Militärflughafen besitzt eine begehrte Nachtflugerlaubnis. Die Hahn-Geschäftsführung äußerte sich vorerst nicht auf Anfrage.