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Das Terminalgebäude des Bodensee-Airports Friedrichshafen. © Flughafen Friedrichshafen

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Der Flughafen Friedrichshafen sieht sich im Rahmen einer bereits laufenden Umstrukturierung gezwungen, sich in das im Insolvenzrecht vorgesehene Schutzschirmverfahren zu begeben. Einem entsprechenden Antrag sei vom zuständigen Amtsgericht Ravensburg bereits stattgegeben worden, teilte der Betreiber mit.

Der Schritt sei "trotz großer Unterstützung aus der Politik und seitens der Wirtschaft" notwendig geworden, da sich die Situation seit dem vergangenen September verschlechtert habe. Damals kam die Unternehmensberatung Roland Berger in einem Gutachten zur Zukunft des Flughafens zu dem Schluss, dass der Standort bis 2025 rund sechs Millionen Euro pro Jahr an öffentlichen Zuschüssen zusätzlich benötige. Die Wertschöpfung durch den Flughafen für die Region rechtfertige diese Summe jedoch, weshalb der Flughafen erhalten werden sollte.

Die beiden größten Gesellschafter, die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis, die zusammen rund 80 Prozent halten, stimmten dem Finanzierungsvorschlag im November zu. Von einem Insolvenzverfahren war keine Rede. Nun scheinen sich die Finanzprobleme durch den erneuten Lockdown jedoch verschärft zu haben.

"Aufgrund der zweiten Coronawelle und den damit verbundenen Einschränkungen findet Flugverkehr, anders als noch im September 2020 erwartet, kaum statt. Trotz der begonnenen Impfungen ist bis weit ins Jahr 2021 keine wesentliche Verbesserung zu erwarten", so die Flughafen Friedrichshafen GmbH. In der Tat gibt es derzeit nur noch wenige Linienflüge: Einzig Wizz Air kam zuletzt noch regelmäßig - immer samstags aus Skopje.

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Restrukturierung unter dem Schutzschirm

Mit dem Schutzschirmverfahren will sich der Flughafen nun vor allem Zeit verschaffen, ein tragbares Zukunftskonzept umzusetzen. "Die laufenden finanziellen Belastungen werden mit diesem Verfahren etwas vermindert." Die Gesellschafter hätten ihren Willen zum Ausdruck gebracht, den Flughafen als "wesentlichen Standortfaktor für die Region" auch auf dem nun eingeschlagenen Weg weiter zu unterstützen.

Der "Bodensee-Airport" war in den vergangenen Jahren immer wieder von Insolvenzen verschiedener Fluggesellschaften zurückgeworfen worden. Wegen roter Zahlen wurden Investitionen verschoben, die in den kommenden Jahren aber zwingend notwendig werden. Wie schwierig die Situation ist, lässt sich in dem Gutachten der externen Berater nachlesen: Bis zu 32,7 Millionen Euro braucht der Flughafen bis 2025, um überleben zu können. Später könnten noch mal 14,6 Millionen Euro dazukommen, zum Beispiel für den Neubau des Towers.

Liquiditätsprobleme habe der Flughafen momentan nicht, sagte der Sprecher. "Wir haben so viel in der Kasse, dass wir alles bis Ende des Jahres begleichen können." Nun müsse die Finanzstruktur auf gesunde Beine gestellt werden. "Wir müssen dem Gericht darlegen, wie es in Zukunft weitergehen soll." Daran werde man in den nächsten drei Monaten arbeiten.

"Mit den Ergebnissen des Roland Berger Gutachtens und den Beschlüssen unserer Gesellschafter für die weitere Finanzierung des Flughafens wurde die Basis gelegt um nun in einem Schutzschirmverfahren die finanzielle Sanierung des Unternehmens fortzuführen", erklärte Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft.

Ein Schutzschirmverfahren ist eine Besonderheit im deutschen Insolvenzrecht. Das Verfahren kann in Eigenverwaltung durchgeführt werden, es muss rasch ein Sanierungsplan vorgelegt werden. Voraussetzung ist die grundsätzliche Aussicht auf eine Sanierung des Betriebes. Diese sieht das Amtsgericht beim Flughafen Friedrichshafen offenbar als gegeben an.

Zweite Flughafen-Pleite während Corona

Im Laufe der Corona-Krise musste sich zuvor bereits der Flughafen Paderborn in ein solches Insolvenzverfahren begeben. Dieses steht mittlerweile kurz vor dem erfolgreichen Abschluss, die Gläubiger haben dem künftigen Business-Plan bereits zugestimmt. Wie in Paderborn muss auch Friedrichshafen für die Verfahrensdauer externe Kontrolleure in die Geschäftsführung einbinden. Zur Unterstützung der Geschäftsleitung wird der Rechtsanwalt Alexander Reus von Anchor als weiterer Geschäftsführer bestellt werden. Seitens des Amtsgerichts wurde der Rechtsanwalt Alexander Hubl aus der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner zum Sachwalter bestellt, der die Sanierung gerichtsseitig begleiten und überwachen wird.

Derzeit versucht die Politik, ein Corona-Hilfspaket für die Flughäfen zu finalisieren. Es wurde bereits vor einigen Monaten angekündigt, nachdem die Branche im Herbst in immer kürzerer Folge Hilferufe veröffentlichte. Das Paket, je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern, soll nach ursprünglichen Planungen eine Milliarde Euro bereitstellen und Pleiten weiterer Standorte verhindern.