Exklusiv Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn wollen enger kooperieren

Die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen könnten zukünftig enger zusammenarbeiten. Jetzt sprechen sich die Flughafenchefs von Düsseldorf und Köln/Bonn für eine engere Kooperation aus. Aber die Ideen gehen noch weiter.

Thomas Schnalke, Sprecher der Geschäftsführung des Düsseldorfer Flughafens. © Flughafen Düsseldorf / Andreas Wiese

Düsseldorfs Flughafenchef Thomas Schnalke und der Chef des Flughafens Köln/Bonn Johan Vanneste haben sich für eine engere Zusammenarbeit der Flughäfen in Nordrhein-Westfalen (NRW) ausgesprochen.

Während das Passagieraufkommen an beiden großen NRW-Flughäfen durch die Corona-Krise fast vollständig zum Erliegen gekommen war, lief in Köln-Bonn zumindest das Frachtgeschäft selbst zu Pandemie-Hochzeiten weiter.

Der mehrheitlich privat geführte Flughafen in Düsseldorf drängt nun auf Millionenhilfe vom Staat wegen der Folgen des Corona-Shutdowns. Damit ist Düsseldorf nicht allein. Die deutschen Flughäfen verlieren nach Angaben des Flughafenverbandes ADV jeden Monat eine halbe Milliarde Euro Umsatz.

Anders als die Fluggesellschaften können die meist in öffentlicher Hand befindlichen Betreibergesellschaften bislang auch nicht auf Staatshilfen hoffen. Eine potenzielle Lösung sieht man zumindest in NRW nun in einem Flughafensystem.

Die Kooperation der Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn müsse weiter ausgebaut werden, auch auf politischer Ebene, sagte Schnalke jetzt gegenüber airliners.de. Gemeinsam könne man in der aktuellen Situation gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen.

"Die politische Arbeit der beiden großen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen zu bündeln und gerade in der jetzigen Krise gemeinsam für die Branche in NRW zu sprechen, macht Sinn", so Schnalke. Darüber hinaus sei es für Düsseldorf aber zunächst einmal wichtig, "dass wir unser Unternehmen den veränderten Marktbedingungen anpassen und unsere Strukturen entsprechend verändern."

Johan Vanneste. Foto: © airliners.de

Die Flughäfen bräuchten politischen Rückenwind, ist sich auch der Chef des Flughafens Köln/Bonn sicher. Das sei nicht nur wichtig, um die Corona-Krise zu meistern, sondern auch um Innovationen voranzutreiben und neue Mobilitätskonzepte entwickeln zu können, sagte Vanneste gegenüber airliners.de: "Es ist auch aus meiner Sicht sinnvoll, bei solchen Themen die Kräfte zu bündeln und politisch zu kooperieren."

Flughafensystem NRW ist keine neue Idee

Schon lange vor Corona hatte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) die Idee von einem "Flughafen Rheinland" als Kooperation von Köln und Düsseldorf als Antwort auf die Lufthansa-Marktmacht ins Spiel gebracht. Der Konzern hatte 2019 die beiden Standorte bei der Verlegung der Eurowings-Langstrecke gegeneinander ausgespielt.

Die politische Idee, die Flughafenlandschaft in NRW politisch zu steuern, ist allerdings sogar noch älter. So hat die Landesregierung vor knapp einem Jahr einen zuvor lange diskutierten Landesentwicklungsplan beschlossen. Teil dessen ist auch eine Luftverkehrskonzeption.

In den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde sogar einmal über einen NRW-Großflughafen nachgedacht. Ein Standortvorschlag war damals der Drensteinfurt im Münsterland.

ADV und IDRF zurückhaltend

Der Flughafenverband ADV hatten sich zuletzt zurückhaltend gezeigt, was neue System-Partnerschaften angeht. "Ohne mir anmaßen zu wollen, für die Flughäfen sprechen zu können, kann ich mir beispielsweise einen solchen Schritt in Nordrhein Westfalen für die Standorte Weeze, Dortmund, Paderborn/Lippstadt oder Münster/Osnabrück vorstellen", sagt ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel im Mai. Ob man darüber hinaus Strukturen aufbaut, wie es die beispielsweise mit der Mitteldeutschen Flughafen Holding bereits gebe, werde sich zeigen müssen.

Noch abwartender zeigt sich die Interessenvereinigung der regionalen Flughäfen IDRF. "Der Wunsch oder die Hoffnung, dass ein kleiner Flughafen gesichert ist, wenn er unter das Flughafensystem des benachbarten großen Bruders geht, ist verständlich", sagte Ralf Schmid, Vorsitzender der IDRF. In der Vergangenheit habe es allerdings Beispiele gegeben, an denen klar geworden sei, dass das "nicht so einfach" ist.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Die Diskussion um regionale Flughafensysteme ist berechtigt Gastbeitrag

In Deutschland gibt es neben den zwei Berliner Flughäfen bislang nur eine enge Flughafenkooperation. So werden die beiden Standorte Leipzig/Halle und Dresden in der gemeinsamen Mitteldeutschen Flughafen-Holding zentral geführt. Der Flugplatz Mönchengladbach gehört zudem anteilig dem Flughafen Düsseldorf. Bis vor Kurzem hielt zudem Fraport eine Beteiligung am Flughafen Hannover.

Von: David Haße

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