Flughafen-Chefs verkünden Erwartungen an die Politik

Bei der ADV-Jahrestagung freuen sich die Flughäfen über die selbsternannte Rolle als unverzichtbare Wirtschaftsmotoren mit Klimabewusstsein und -Strategie. Selbstbewusst werden politische Erwartungen formuliert, die besonders Fluglärmgegnern nicht schmecken dürften.

Die Chefs der ADV-Flughäfen und das ADV-Direktorium © Fraport AG

Anlässlich ihrer Jahrestagung in Frankfurt haben die Chefs der ADV-Flughäfen ihre Forderungen an die deutsche und europäische Politik für bessere Rahmenbedingungen formuliert, um "verantwortungsbewusste, klimaschonende und wettbewerbsfähige Flughafenstandorte" zu ermöglichen.

"Innerhalb weniger Monate hat sich die Lage für den Luftverkehr zugespitzt. Die konjunkturelle Abschwächung, Handelskonflikte, Lieferschwierigkeiten von Boeing sowie die Marktkonsolidierung und Insolvenzen bei den Airlines führten zuletzt zu einem Rückgang der Passagierzahlen und zu einem Einbruch der Luftfracht," fasste ADV-Präsident Stefan Schulte die Entwicklung seit Jahresbeginn aus Sicht der Flughäfen zusammen. Daher sei es definitiv der falsche Zeitpunkt, den Luftverkehr mit "überzogenen Regulierungen und einseitigen, nationalen Belastungen wie die Erhöhung der Luftverkehrsteuer" zu belasten.

Selten sei durch einen staatlichen Eingriff der Wettbewerb in einer Branche derart verzerrt worden, führte Schulte weiter aus. Eine Wettbewerbsgleichheit mit den europäischen Nachbarn könne nur gelingen, wenn Sonderbelastungen der deutschen Luftverkehrswirtschaft reduziert würden. Die drei wichtigsten Anliegen der Flughafenchefs:

1. Absenkung und Deckelung der Luftsicherheitskosten

Dringend geboten ist laut ADV eine Absenkung und Deckelung der Luftsicherheitskosten. Zurecht werde im Koalitionsvertrag anerkannt, dass die Passagier- und Handgepäckkontrollen eine hoheitliche Aufgabe seien. Der Bund müsse sich zu seiner Verantwortung bekennen. Weiterhin bestehe Handlungsbedarf bei der Neuordnung der Luftsicherheitskontrollen. Diese müssten effektiv, wirtschaftlich effizient und passagierfreundlich gestaltet werden.

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2. Klimaschutzstrategie anerkennen und fördern

Die Flughäfen würden nachhaltiges und klimaneutrales Wachstum im Luftverkehr als zentrale Zukunftsfrage anerkennen, teilt der Flughafenverband mit. Die ADV-Flughäfen als Infrastrukturanbieter würden ihre Verantwortung ernst nehmen und hätten sich bereits 2009 auf eine gemeinsame Klimaschutzstrategie verständigt. Von 2010 bis 2018 habe man an den ADV-Flughäfen die CO2-Emissionen pro Passagier um 42 Prozent verringert. Bis 2030 werde eine CO2-Reduktion von 50 Prozent angestrebt und bis 2050 sollen die CO2-Emissionen auf Netto Null runtergefahren werden.

Davon ausgehend möchte der ADV auch mehr finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite für den Klimaschutz: "Möchte man wirklich etwas für den Klimaschutz tun, dann sollten die Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer für klimaschützende Maßnahmen im Luftverkehr eingesetzt werden. Hierzu gehören Anreize für CO2-neutrales Flugbenzin, Markthochlauf von PtX-Anlagen, eMobilität in den Bodenverkehrsdiensten der Flughäfen, energieeffizientere Terminalanlagen und weitere Maßnahmen," so der Verband.

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3. Wettbewerbsfähige Betriebszeiten der Flughäfen – mehr Rechts- und Planungssicherheit bei Erweiterungen

"Wettbewerbsfähige Betriebszeiten" sind laut den Flughafen-Chefs unerlässlich, um die leistungsfähige Infrastruktur der Flughäfen effizient und wirtschaftlich zu nutzen. Dazu gehörten auch eine Reihe von auch nachts geöffneten Express- und Frachthubs. Erforderliche Kapazitätserweiterungen müssten an den Standorten umgesetzt werden können, um Kapazitätsengpässen entgegenzuwirken.

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ADV-Präsident Stefan Schulte fasste die Forderungen der Flughäfen abschließend zusammen, indem er sie in einen größeren Zusammenhang des angestrebten Zusammenspiels von Ökologie und Ökonomie einordnete: "Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland weiter zu stärken, die Klimaziele nicht aus den Augen zu verlieren und zukunftssichere Arbeitsplätze bereitzustellen, muss das Ziel aller Akteure sein. Dafür sind die deutschen Flughäfen mehr denn je auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Die ADV-Verkehrsflughäfen wünschen sich ein klares Bekenntnis für eine nachhaltige und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland."

Von: dk

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