Flughäfen lehnen geplante Gesetzesänderung ab

Bundeseinheitliche Vorgaben bei den lärmabhängigen Start- und Landeentgelten werden von den deutschen Verkehrsflughäfen abgelehnt. Stattdessen sollte weiterhin auf Regelungen gesetzt werden, die den lokalen Erfordernissen entsprechen.

Prof. Georg Fundel, Flughafen Stuttgart, Michael Garvens vom Flughafen Köln/Bonn und Ralph Beisel, ADV (v.l.n.r.). © ADV

Die deutschen Flughäfen haben sich heute deutlich gegen bundeseinheitliche Vorgaben bei lärmabhängigen Start- und Landeentgelten ausgesprochen. Eine "one size fits all"-Regelung, wie sie derzeit vom Gesetzgeber geplant werde, lehne der Flughafenverband ADV ab, erklärte dessen Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel am heutigen Freitag in Berlin.

Dies widerspreche auch nicht einem Bund-Länder-Luftverkehrskonzept, auf das sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt hatten. Das Thema solle darin durchaus berücksichtigt werden, so Beisel. Allerdings dürfe dies nicht zu einem starren Konzept in Sachen lärmabhängige Entgelte führen. Stattdessen plädierte er für maßgeschneiderte, lokale Lösungen, wie sie bereits seit Jahren an den deutschen Flughäfen angewandt werden. Pauschale Vorgaben durch den Bund wären ein Rückschritt.

Um den Lärmschutz weiter voranzutreiben, sollten vielmehr die Fluggesellschaften bei der Modernisierung ihrer Flotten unterstützt werden. Innovationen müssten durch die Politik unterstützt werden. "Und wenn schon die umstrittene Luftverkehrssteuer nicht abgeschafft wird, warum wird das über die Abgabe eingenommene Geld dann nicht in Forschungsprogramme für die Entwicklung leiserer Flugzeuge investiert?", fragte Beisel.

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Gegen bundesweite und für lokale Lösungen bei den lärmabhängigen Entgelte sprechen aus Sicht der ADV eine Reihe von Gründen. Unter anderem müssten die jeweiligen Betriebszeiten und die eingesetzten Flugzeugtypen mit bedacht werden.

Einsatz leiserer Flugzeuge wird belohnt

Mit lärmabhängigen Start- und Landeentgelten werden seit Jahrzehnten an den deutschen Airports Fluggesellschaften für den Einsatz leiser Flugzeuge belohnt, für laute Flugzeuge gibt es deutliche Aufschläge. Und dass das derzeitige System funktioniert, erläuterten Georg Fundel, Geschäftsführer des Flughafen Stuttgart, und der Chef des Flughafens Köln/Bonn, Michael Garvens. So werden in Stuttgart bereits heute bei 90 Prozent aller Flugbewegungen Flugzeuge der leisesten Kategorie eingesetzt, erklärte Fundel.

Zudem verwies er unter anderem auf die neuen Regeln zum Einsatz von Propellerflugzeugen am Flughafen Stuttgart. Bei nächtlichen Luftpostflügen sind seit einiger Zeit nur noch Flugzeuge zugelassen, die in Sachen Lärm den höchsten Anforderungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO entsprechen. Und Fundel erinnerte daran, dass Anfang vergangenen Jahres die Einteilung der Lärmklassen auf zwölf verdoppelt wurde. Für Flugzeuge der lautesten Kategorie muss seitdem 56 Mal mehr gezahlt werden als für Flugzeuge der leisesten Kategorie.

© Flughafen München, Lesen Sie auch: Ausbau von Flughäfen: ADV will Bürger stärker einbeziehen

Am Flughafen Köln/Bonn kommt dem Thema Lärmschutz aufgrund seiner Rolle als Frachtflughafen und der Nachtflugerlaubnis eine besonders große Bedeutung zu, sagte Garvens. Die Gebührenordnung sei deshalb ein elementarer Bestandteil des Lärmschutzkonzeptes und ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument. "Flüge in der Nacht sind grundsätzlich wesentlich teurer als am Tag, gleichzeitig gewähren wir Rabatte für den Einsatz leiser Frachtflugzeuge", so Garvens. Nachdem bereits 2013 die Gebühren in Köln/Bonn deutlich erhöht worden waren, steht demnächst die nächste Anhebung an. Ab April sollen Passagier-Fluggesellschaften insbesondere für Flüge zwischen 22 Uhr und 6 Uhr stärker zur Kasse gebeten werden.

Einen genauen Überblick über das Thema Fluglärm in Deutschland gibt das vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft betriebene Fluglärmportal.

Von: airliners.de

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