Fluggesellschaften gehen gegen britische Quarantäne-Regelung vor

In Großbritannien ist eine umstrittene Quarantäne-Regelung für Einreisen ins Land in Kraft getreten. British Airways, Easyjet und Ryanair verurteilen die Regelung scharf und wollen juristisch dagegen vorgehen.

Flughafen London-Heathrow © LHR Airports Limited

In Großbritannien ist eine umstrittene Quarantäne-Regelung für Einreisen ins Land in Kraft getreten. Ab diesem Montag müssen sich als Maßnahme gegen die Coronavirus-Pandemie die meisten Einreisenden für zwei Wochen in Isolation geben. Bei der Grenzkontrolle müssen sie Details zu ihrer Reise angeben sowie den Ort benennen, an dem sie sich in Isolation begeben werden.

Die Regelung betrifft nicht nur Besucher, sondern auch britische Bürger und Menschen mit Aufenthaltsstatus in Großbritannien. Sie gilt nicht nur für Flugreisende, sondern unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel. Nur wenige Ausnahmen von der Quarantäne sind zugelassen, etwa für Lkw-Fahrer oder manche Beschäftigte des Gesundheitswesens. Die Behörden haben angekündigt, das Einhalten der Quarantäne stichprobenweise zu kontrollieren. Bei Verstößen droht eine Strafe von 1000 Pfund (1125 Euro).

Airlines gehen gemeinsam juristisch gegen Maßnahmen vor

British Airways, EasyJet und Ryanair haben gemeinsame juristische Schritte gegen die Quarantäne-Regelung eingeleitet. Sie nennen die Maßnahme "unverhältnismäßig und unfair". In einem Radioninterview mit der BBC bezeichnete Ryanair-Group-Chef Michael O'Leary die Regelung als "irrational, ineffektiv und komplett undurchführbar". Er warnte vor einem "unermesslichen Schaden" für die Luftfahrtbranche und die britische Tourismusindustrie.

Auch aus Deutschland kommt Kritik an den Maßnahmen: "Die pauschale Anordnung einer Heimquarantäne für alle Reisenden ist nicht verhältnismäßig", teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) auf Anfrage mit. Seit Wochen weise die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hin, dass solche Reisebeschränkungen kontraproduktiv seien. Der BDL fordert, zwischen Ländern, in denen sich die Menschen an Hygiene- und Schutzmaßnahmen halten und das Infektionsrisiko sinkt, das Reisen wieder zu ermöglichen.

Innerhalb der EU, der Großbritannien seit Ende Januar nicht mehr angehört, werden die Corona-bedingten Einreiserestriktionen inzwischen sukzessive gelockert.

Kritiker beanstanden, dass das besonders stark von der Pandemie betroffene Großbritannien die Einreise von Menschen aus Staaten erschwert, in denen es deutlich weniger Infektionsfälle gibt. Gesundheitsminister Matt Hancock argumentiert jedoch, dass in dem Maß, in dem die Infektionsraten innerhalb Großbritanniens abnähmen, der Anteil der vom Ausland ins Land gebrachten Infektionen wachse.

Großbritannien ist nach den USA das am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. Rund 40.500 Menschen starben dort bislang an den Folgen der Infektion. In der vergangenen Woche waren innerhalb des Landes die Ausgangsbeschränkungen aber teilweise gelockert worden.

Von: br mit Material von afp und dpa-AFX

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