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Fluggesellschaften und Flughäfen stellen sich auf Weihnachts-Reisewelle ein

Über Weihnachten und Neujahr verreisen viele Menschen, sei es zur Familie oder in die Ferne. Das lassen sich viele auch von Corona nicht nehmen. Flughäfen, Fluggesellschaften und auch die Bahn wappnen sich mit Zusatzkapazitäten. Die EU-Kommission mahnt zur Vorsicht.

USA, Chicago: Reisende gehen durch Terminal 3 des Internationalen Flughafens O'Hare. © dpa / Nam Y. Huh/AP

Weihnachtszeit ist Reisezeit: Viele Menschen werden sich auch in der Corona-Krise nicht davon abhalten lassen, über die Feiertage zu ihren Familien zu reisen. So verzeichnet Lufthansa über den Jahreswechsel einen "sprunghaften Anstieg" der Buchungen.

In der vergangenen Woche habe es bis zu 400 Prozent mehr Buchungen gegeben als in der Vorwoche, teilte die Fluggesellschaft mit. In der Folge reagiert Lufthansa mit zahlreichen Neu- und Wiederaufnahmen von Zielen in Europa, aber auch mit Frequenzaufstockungen auf bestehenden Verbindungen. Man werde den Flugplan in den kommenden Wochen kurzfristig und flexibel an die Nachfrage anpassen, hieß es.

Neben zahlreichen klassischen Warmwasserdestinationen rund um das Mittelmeer sowie auf die Kanaren werden auch klassische Strecken der Lufthansa wieder kurzzeitig in den Flugplan mit aufgenommen. So nennt die Airline ab Frankfurt unter anderem Dublin, Danzig, Salzburg, Turin und Neapel. Ab München findet man nun unter anderem auch wieder Paris, Madrid, Helsinki, Athen, Rom, Oslo, Warschau und Lissabon im Flugangebot.

Auch Easyjet registriert einen Anstieg der Buchungen über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr. Man habe daher reagiert und weitere Flüge ins Angebot genommen, teilte Easyjet auf Anfrage mit. So biete man mehr Verbindungen in europäische Metropolen wie Rom und Barcelona, aber auch zu Urlaubsdestinationen wie die Kanaren an. "Diese sind in diesem Jahr besonders gefragt, da sie nicht als Risikogebiet gelten und die Menschen ihre Feiertage für ihren wohlverdienten Urlaub nutzen wollen", sagte ein Sprecher.

Die zwei Fluggesellschaften sind nicht die einzigen, die über die Feiertage zum Jahresende zusätzliche Kapazitäten in die Luft bringen. Condor hatte bereits angekündigt, vor Weihnachten verschiedene Karibik-Destinationen neu in den Flugplan aufzunehmen. Die japanische ANA kommt zudem für einige Sonderflüge nach Düsseldorf.

Passagierzahlen während Corona und im Jahresvergleich
KW20192020
233864463419270
334286053373029
435205833419750
535868553504258
637228683442378
739250463584486
840629853869477
941652363674885
1041572643037660
1144364122400185
124314992904323
134374110203300
14467771896646
15502880568261
16483565055576
17506905369224
18483728873049
19497130884557
20503271498314
215200744116058
225106103133956
235393457201375
245417752226833
255421807408846
265688757494873
275476269808446
285544302965241
2956057141153192
3056150571235438
3156547861342876
3255379111412983
3354450871369829
3454639131278130
3554718261215378
3655441041174612
3755926021118729
3856691201082711
3957546831051354
4055856871047993
4155961851012228
425442648940454
435147257817157
444460164632316
454018413479447
464125174360192
474015526345030

Wöchentliche Passagierzahlen an deutschen Flughäfen 2019 und 2020.Quelle: ADV

Flughäfen stellen sich auf etwas mehr Passagiere ein

Der Flughafen Frankfurt konnte auf Anfrage noch keine Angaben zum Weihnachtsaufkommen machen. In München bereitet man sich derweil bereits auf mehr Passagiere über die Weihnachtszeit vor. Man gehe davon aus, dass der Flugbetrieb leicht anziehen werde, hieß es auf airliners.de-Nachfrage. Genau beziffern könne man die zu erwartende Zunahme über die Feiertage derzeit aber noch nicht. Aktuell ist dort das Terminal 1 im Winterschlaf.

In der Tat ist es für die Flughäfen schwer, die Weihnachtsnachfrage während Corona abzuschätzen. Da weiterhin sehr kurzfristig gebucht werde, greifen vorhandene Vorhersage-Tools nicht. Insgesamt rechnet man aber nicht mit extrem steigenden Passagierzahlen. Ohnehin steigt die Nachfrage von einem äußerst niedrigem Niveau. Insgesamt ist der Luftverkehr in Deutschland derzeit wieder auf Minus 90 Prozent zurückgegangen. Um auf Normal-Level zu steigen, bräuchte es daher ein Plus von 1000 Prozent.

Bahn geht von 60 Prozent vom Normalaufkommen aus

Auch die Deutsche Bahn hat über Weihnachten rund 100 zusätzliche Fahrten vor allem auf den Hauptstrecken zwischen den großen Städten angekündigt. "Das sind doppelt so viele Sonderzüge wie normalerweise an Weihnachten gefahren werden", sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Mittwoch in Berlin.

Die Deutsche Bahn geht dabei von einer deutlich geringeren Nachfrage aus als über die Feiertage normalerweise üblich ist. Eine Verbraucherumfrage habe ergeben, dass das Fahrgastaufkommen in diesem Jahr um bis zu 60 Prozent unter dem Niveau der Vorjahre liegen könnte, sagte Huber. Das entspräche einer durchschnittlichen Auslastung von 35 bis 40 Prozent. "Genau lässt sich das zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehen."

Die zusätzlichen Züge sollen helfen, den Abstand an Bord trotz des Weihnactsreiseverkehrs sicherzustellen. Zu den Sonderzügen kommen nach Bahn-Angaben 15 neue ICE-4-Züge in diesen Tagen planmäßig aufs Gleis, das erhöhe die tägliche Sitzplatzkapazität im Fernverkehr um 13.000 - derzeit liegt sie nach Unternehmensangaben bei 150.000. "Wir fahren an diesem Weihnachten so viel Kapazität wie noch nie", sagte Huber.

EU-Kommission mahnt zur Vorsicht

Die EU-Kommission sieht ein Problem in den erwarteten Reisen über die Feiertage. "Flughäfen, Busbahnhöfe, Bahnhöfe, öffentlicher Verkehr, Tankstellen und Rastplätze gehören zu den Orten, wo Reisende dem Virus in der Luft und auf Oberflächen ausgesetzt sein können", warnt die Behörde. An solchen Orten sollten Hygiene- und Abstandsregeln strikt eingehalten werden.

"Wir wollen Weihnachten nicht absagen", sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Mittwoch. "Aber wir können nicht das Risiko eingehen, dass Weihnachten oder die Feiern zu Neujahr Super-Spreading-Events werden." Die Kommission empfahl strikte Beschränkungen über die Feiertage - während Deutschland einige Lockerungen zulässt.

In Empfehlungen der Kommission heißt es, sollte überhaupt eine Lockerung der Regeln für Zusammenkünfte erwogen werden, dann nur mit strikten Quarantäneauflagen für mindestens sieben Tage davor und danach. Kontakte sollten an den Festtagen möglichst auf immer dieselben Personen beschränkt und reduziert werden.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnte, würden Corona-Auflagen kurz vor Weihnachten gelockert, könnte es zu einer Zunahme von Klinikeinweisungen in der ersten Januarwoche kommen. Nehme man die Beschränkungen Anfang Dezember zurück, könnte dies sogar während der Weihnachtsfeiertage geschehen, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. "Es ist jetzt nicht die Zeit, die Maßnahmen zu lockern."

In den USA hatten die Familienfeierlichkeiten rund um Thanksgiving zuletzt für einen wahren Ansturm an den Flughäfen gesorgt. Im Vergleich zum Vorjahr flogen fast genauso viele Menschen. Zum Teil wurden Fluggastzahlen um die 90 Prozent des Vorjahres erreicht, und dass obwohl die USA gerade die dritte und schlimmste Corona-Infektionswelle durchleiden.

Von: dh mit dpa

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