Reiserecht Fluggastrechte bei Umsteigerverbindungen, Airline-Wechsel und Gepäckverspätung

Die Höhe der Entschädigung bei einem Flugausfall richtet sich nach der Flugstrecke. Ob es dabei auch bei einem Umsteigeflug um die Gesamtstrecke geht, haben Richter nun entschieden. Dieses und weitere Urteile im Überblick.

Reisende am Flughafen in Düsseldorf. © dpa / Roland Weihrauch

Anschlussflug: Entschädigung für die Gesamtstrecke

Die Höhe der Entschädigung bei einem Flugausfall richtet sich nach der Flugstrecke. Doch welche Distanz darf man zugrunde legen, wenn eine Flugreise aus zwei Flügen besteht, von denen lediglich der zweite annulliert wird? Nach einem Urteil des Amtsgerichts Hamburg steht dem Urlauber eine Entschädigung für die gesamte Strecke zu, sofern es sich um einheitliche Buchung gehandelt hat (Az.: 32 C 199/16).

In dem verhandelten Fall wollten die Kläger von Miami über Manchester nach Hamburg fliegen. Die Flugreise hatten sie bei einem Reiseportal gebucht. Die Maschine von Florida nach Großbritannien war pünktlich, doch der Weiterflug nach Deutschland wurde annulliert. Die Kläger verlangten jeweils 600 Euro Ausgleichszahlung, weil die Entfernung zwischen Miami und Hamburg mehr als 3500 Kilometer beträgt. Die Airline zahlte jedoch nur jeweils 250 Euro, weil sie die Distanz zwischen Manchester und Hamburg anlegte.

Vor Gericht bekamen die Fluggäste Recht. Die Kläger seien für die Gesamtstrecke zu entschädigen, da eine einheitliche Buchung vorlag. Unter dem Begriff Flug sei hier die Gesamtstrecke zu verstehen.

Verspätung durch Ausladen von Gepäck: Airline muss zahlen

Ein Fluggast erscheint nicht zum Boarding, sein Gepäck muss wieder ausgeladen werden, die Flugreise verzögert sich deutlich: In diesem Fall muss die Airline eine Entschädigung zahlen, entschied das Amtsgericht Frankfurt am Main (Az.: 29 C 1685/15 (21)). Sie kann sich nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen.

In dem verhandelten Fall hatte der Kläger einen Flug von Frankfurt über Paris nach Zypern gebucht. Laut Fluggesellschaft erschienen in Frankfurt drei bereits eingecheckte Passagiere nicht am Flugsteig. Aus Sicherheitsgründen musste ihr Gepäck wieder ausgeladen werden. So verzögerte sich der Abflug. Der Kläger verpasste seinen Anschluss in Paris und erreichte Zypern erst mit mehr als drei Stunden Verspätung.

Der Mann forderte von der Airline vor Gericht eine Ausgleichszahlung nach EU-Recht - und bekam Recht. Der Umstand, dass ein Passagier nicht zum Boarding erscheine, sei gewöhnlich. Er entbindet die Fluggesellschaft nicht von der Zahlungspflicht.

Von: dpa, dh

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