Flugbegleiter bestreiken Lufthansa-Töchter

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat ihren Warnstreik bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Germanwings Sunexpress und Cityline auf den gesamten Sonntag verlängert. Die Flughäfen melden vereinzelte Flugausfälle.

Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings streiken. © dpa / Oliver Berg

Die Kabinengewerkschaft Ufo hat ihren für Sonntag angekündigten Warnstreik der Flugbegleiter bei Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und Sunexpress bis um Mitternacht verlängert. Das teilte die Gewerkschaft am frühen Sonntagmorgen mit.

Ursprünglich wollten die Flugbegleiter nur vormittags streiken. Die Lufthansa habe ihre Gangart verschärft, erklärte die Gewerkschaft zur Begründung für den längeren Streik. Der Konzern habe nicht mehr nur mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen, sondern auch mit Arbeitsplatzverlust gedroht.

Allgemein hielten sich die Auswirkungen in engen Grenzen. "Mehr als 90 Prozent der Crews sind pünktlich zum Dienst erschienen", sagte ein Sprecher am Nachmittag. Bei der Lufthansa Cityline seien nur vereinzelt Flüge ausgefallen. Auch Germanwings und Eurowings sprachen von vereinzelten Flugstreichungen und Verspätungen. Bei SunExpress fiel zunächst kein Flug aus.

Flughäfen melden vereinzelte Flugausfälle

Den öffentlich zugänglichen Flugplänen zufolge fiel jeweils eine deutlich zweistellige Zahl von Flügen in Berlin-Tegel, Köln, München, Stuttgart und Hamburg aus, zusammen mit kleineren Flughäfen wurden rund 100 Starts abgesagt.

Gestrichen wurden meist innerdeutsche Verbindungen, auf denen die Passagiere mit Bahn-Gutscheinen ans Ziel gebracht werden konnten. In Düsseldorf fiel auch ein Überseeflug der Eurowings an den New Yorker Flughafen Newark aus, allerdings laut Gesellschaft aus technischen Gründen.

In Frankfurt/Main sind dagegen nur einzelne Flüge ausgefallen. Die Kerngesellschaft Lufthansa wurde nicht bestreikt, so dass am größten deutschen Flughafen in Frankfurt nur wenige Flüge der Lufthansa Cityline abgesagt werden mussten.

Ufo sieht Warnstreik als Erfolg

Kurz nach Beginn des Streiks am Sonntagmorgen hatte der Ufo-Vize-Vorsitzende Daniel Flohr gesagt, dass die Streikbeteiligung hoch sei. Lufthansa hatte dagegen am Sonntag angekündigt, den Flugverkehr weitestgehend aufrechterhalten zu wollen.

Das gelang nicht ganz. "Die vollmundigen Ankündigungen der Lufthansa, alle Flüge stattfinden zu lassen, sind einfach nicht eingetreten", sagte Flohr am Nachmittag. Er beschuldigte das Management, "Streikbrecher" mit bis zu 200 Euro "Extra-Prämien" geködert zu haben.

Ein Eurowings-Sprecher erklärte dagegen, dass nur "tarifvertraglich fest vereinbarte Zuschläge" gezahlt würden. Diese würden immer fällig, wenn Flugbegleiter sich an freien Tagen freiwillig meldeten.

Die Warnstreiks bei den Lufthansa-Töchtern waren erst am Freitagnachmittag angekündigt worden. Wenig später hatte die Gewerkschaft Ufo die schon seit Montag angekündigten Ausstände bei der Konzernmutter Lufthansa wieder abgeblasen. Der Konzern hatte sich zuvor kurzfristig bereiterklärt, 2,0 mehr Gehalt zu zahlen - gefordert hatte Ufo nur 1,8 Prozent. Unmittelbar danach schob Ufo weitere Tarifforderungen nach, die Lufthansa in einem Brief umgehend ablehnte.

Ufo kämpft um Einfluss

Hinter dem Arbeitskampf steht ein erbitterter Streit zwischen UFO und der Lufthansa: Der Konzern zweifelt die Vertretungsbefugnis von UFO für das Kabinenpersonal an und sieht die "Gewerkschaftseigenschaft" ungeklärt.

Der langjährige Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies wurde sogar aus dem Lufthansa-Dienst entlassen. Die Ufo-Streiks bewertet Lufthansa in dieser Logik als rechtswidrig und hat Teilnehmern mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht.

Ungeachtet dessen hat Ufo seine Mitglieder in sämtlichen Lufthansa-Fluggesellschaften zu Urabstimmungen über unbefristete Streiks aufgerufen, die bis zum 1. November laufen sollen. Für sämtliche Betriebe gibt es unterschiedliche Forderungen.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Verdi einigt sich mit Eurowings auf Flugbegleiter-Betriebsrat

Dabei kämpft die Gewerkschaft auch um die eigene Macht in den Kabinen. Im Zuge der Streitigkeiten zwischen Lufthansa und der Gewerkschaft hatten zuletzt Verdi und auch die neue IGL Ansprüche auf die Vertretung von Flugbegleitern in den Kabinen von Airlines der Lufthansa Group formuliert. Verdi schloss sogar einen Tarifvertrag für Eurowings ab.

Von: dh mit dpa, AFP

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