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App der Verbraucherzentrale soll gestrandeten Flugreisenden helfen

Fliegen kann rasch zum Ärgernis werden, wenn stundenlange Verspätungen oder Flugabsagen die Reisepläne durcheinanderwirbeln. Verbraucherschützer warnen allerdings vor Fluggastrechte-Portalen. Die von der Verbraucherzentrale NRW entwickelte "Flugärger-App" soll informieren.

Zeiten auf einer Anzeigetafel am Flughafen © dpa/dpa-tmn / Fredrik von Erichsen

Der Flieger ist überbucht, zu spät oder fällt aus: In solchen Fällen steht Passagieren oft eine Entschädigung zu - abhängig von der Flugstrecke sind bis zu 600 Euro möglich. Voraussetzung ist, dass keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen.

Wann und in welcher Höhe ein Anspruch besteht, regelt die EU-Fluggastrechteverordnung. Betroffene müssen ihre Rechte bei den Fluggesellschaften durchsetzen. Im Internet gibt es zahlreiche Portale, die Verbrauchern dabei ihre Unterstützung anbieten.

Doch Verbraucherschützer warnen Flugreisende vor den Anbietern. Bevor Betroffene den Service nutzen, sollten sie die Geschäftsbedingungen genauer ansehen. Einige Anbieter würden einen beachtlichen Teil der Entschädigung als Honorar für ihre Dienste kassieren. Einige der Legal-Tech-Unternehmen arbeiten nicht ganz seriös, warnt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ). Vielfach würden ohnehin nur unstrittige Fälle angenommen.

App von Verbraucherschützern gibt Orientierung

Seit einem Jahr hilft eine kostenlose "Flugärger-App" der Verbraucherzentrale NRW Flugreisenden, zustehende Entschädigungen zu berechnen und Ansprüche bei den Airlines geltend zu machen. Bei den Verbrauchern kommt das offenbar gut an. In den vergangenen zwölf Monaten sei die App mehr als 70.000 Mal heruntergeladen worden, berichteten die Verbraucherschützer am Dienstag.

"Jede Flugreisende und jeder Flugreisende sollte diese App im digitalen Gepäck haben", betonte die NRW-Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) anlässlich des Jubiläums. Denn mit ein paar Klicks könne der Verbraucher erfahren, welche Entschädigungen ihm nach der europäischen Fluggastrecht-Verordnung zustehen und sie auch gleich bei den Airlines geltend machen.

Die App informiert auch über coronabedingte Reisebeschränkungen und daraus resultierende Ansprüche. Hier liegt nach Einschätzung des Vorstands der Verbraucherzentrale NRW, Wolfgang Schuldzinski, noch einiges im Argen.

Entschädigungsansprüche trotz Corona weiter

"Trotz geltender Ansprüche haben viele Betroffene ihr Geld noch nicht zurückerhalten. Die Fluggesellschaften tauchen größtenteils ab, Erstattungen fließen nur spärlich", berichtete er. Die Kontaktadresse der App diene hier als Kanal für Verbraucheranfragen und Beschwerden. Die Verbraucherzentrale gehe auf Grundlage dieser Fälle rechtlich gegen verschiedene Airlines vor.

Heinen-Esser betonte: "Es ist auch in Corona-Zeiten nicht akzeptabel, wenn Airlines die Verbraucherrechte aus der europäischen Fluggastrechte-Verordnung ignorieren und die Betroffenen ihren Ansprüchen hinterherrennen müssen."

© dpa, Tobias Hase Lesen Sie auch: Wie die EU-Fluggastrechteverordnung reformiert werden soll

In der Flugärger-App ist derzeit eine Prüfung der Fälle "Direktflug verspätet", "Anschlussflug durch Verspätung verpasst" sowie "Flug wurde annulliert" möglich. Für weiteren Flugärger wie zum Beispiel Nichtbeförderung oder Probleme mit dem Gepäck hält die App umfangreiche Informationen der Verbraucherzentrale NRW bereit.

Von: dpa-AFX, br

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