Flottenplanung für 737-Max-Betreiber weiter voller Unsicherheiten

Die Boeing 737 Max bleibt möglicherweise bis 2020 gegroundet und verursacht weitere Zusatzkosten für die Betreiber. Zwei US-amerikanische Fluggesellschaften haben ihre Planungen bereits bis November angepasst.

Boeing 737 Max auf einem Parkplatz neben dem Boeing-Feld in Seattle. © dpa / Elaine Thompson

Boeings Problemflieger 737 Max bleibt wohl noch länger am Boden, als bislang erwartet. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Behördenkreise und Pilotenvertreter berichtet, sind die Probleme mit dem Update der Flugsteuerungssoftware MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) so groß, dass die Max eventuell nicht vor Anfang 2020 wieder regulär im Liniendienst genutzt werden kann. Es gebe außerdem immer noch keinen festen Zeitplan bis zur Wiederindienststellung.

Sollte sich die Zulassung der Max tatsächlich bis Anfang 2020 hinziehen, müssen viele Airlines ihre Flottenplanung erneut anpassen. Bislang waren viele Fluggesellschaften von einer Wiederinbetriebnahme in einem Zeitrahmen von Herbst bis Ende des Jahres 2019 ausgegangen. So etwa Norwegian, die nach Angaben von Reuters nach wie vor von einer Wiederinbetriebnahme der Boeing 737 Max bis Oktober ausgeht. Die Kosten für das Grounding habe Norwegian mit 700 Millionen Kronen (gut 73 Millionen Euro) angegeben.

© AirTeamImages.com, KSK Lesen Sie auch: Boeing 787-Produktion wird von US-Justizministerium untersucht

Deutsche Airlines warten noch ab

Die deutsche Tuifly wartet momentan noch auf die Ergebnisse der behördlichen Untersuchungen, um das weitere Vorgehen vorzubereiten, wie Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt auf Anfrage von airliners.de sagte. Ein FAA-Testflug sei für Anfang bis Mitte September angesetzt. Letztendlich könnten aber nur Boeing und die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA verlässliche Auskunft zum Stand der Dinge geben, so Dünhaupt.

Tuifly betreibt in Deutschland bislang noch keine 737 Max, die europäischen Schwestergesellschaften haben aber nach Daten von CH-Aviation bereits 15 Maschinen von Boeing übernommen, die derzeit gegroundet sind. Nach den ursprünglichen Planungen von Anfang des Jahres hätte auch die deutsche Tuifly bereits vier 737 Max betreiben und weitere zwei bis Ende 2019 übernehmen sollen. Der gesamte Tui-Konzern hätte nach Angaben des Sprechers bis Ende 2019 auf 23 Maschinen kommen sollen.

Anfang Juni hatte Dünhaupt die Kosten durch das Startverbot für den gesamten Tui-Konzern bis Ende September gegenüber der Deutschen Presseagentur auf insgesamt rund 300 Millionen Euro beziffert.

Von der türkisch-deutschen Sunexpress gibt es keine konkreten Neuigkeiten, ein Sprecher äußerte sich auf Anfrage von airliners.de lediglich dahingehend, dass weiterhin die Informationen von Ende Juni gelten. Damals hatte Sunexpress erklärt, man habe für die kommenden Wochen mehr Puffer und Ersatzkapazität im operativen Bereich eingeplant. Sunexpress setze auf den kurzfristigen Einsatz von Wetlease-Maschinen um die angespannte Situation abzupuffern. Zum weiteren Zeitplan der Airline äußerte sich der Sprecher nicht.

American und United planen bereits länger ohne 737 Max

Andere Airlines haben ihre Planungen bereits geändert. So verkündete American Airlines am Wochenende, dass alle Flüge mit der Max bis zum zweiten November gestrichen seien, was pro Tag etwa 115 Flüge betreffe. Man sei aber zuversichtlich, dass die Flugzeuge noch in diesem Jahr wieder zugelassen würden. Laut Wall Street Journal ist diese Streichung bereits die fünfte Verschiebung bei American.

Auch United hat laut Huffington Post alle Flüge mit der Boeing 737 Max bis zum dritten November gestrichen. Damit sei die Planung ohne die Maschinen um einen Monat verlängert worden.

Nach den Abstürzen zweier Maschinen der neuen Boeing-737-Max-Baureihe waren alle Flugzeuge weltweit gegroundet worden. Insgesamt waren bei den Crashes der von Lion Air und Ethiopian Airlines betriebenen Maschinen 346 Menschen ums Leben gekommen.

Boeing hat ein Update für die MCAS-Flugsteuerungssoftware erarbeitet und eigene Testflüge mit dem Update abgeschlossen. Die neue Software befindet sich im Prozess der Prüfung und Zertifizierung durch die FAA, wie Boeing-CEO Dennis Muilenburg Ende Juni auf der Aspen Ideas Conference Ende Juni sagte. Auf Nachfrage hatte der Boeing-Boss damals erklärt, das Unternehmen gehe von einer Wiederindienststellung der Flugzeuge bis Ende des Sommers aus.

Von: hr

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