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Fliegen in Zeiten des Klimawandels – eine Herausforderung, © Bündnis 90/Die Grünen
Daniela Wagner © Bündnis 90/Die Grünen
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Vor zwei Wochen forderte der CDU-Politiker und Luftverkehrsbeauftragter der Bundesregierung Thomas Jarzombek auf airliners.de in einem Gastbeitrag die "klimaneutrale Luftfahrt". Ähnlich sieht das auch Daniela Wagner, die in der Bundestagsfraktion der Grünen für Luftverkehr zuständig ist. Der Weg ist ein anderer.

Wer wollte es bestreiten: Reisen - auch in sehr ferne Länder - bildet nicht nur und fördert das Verständnis für andere Kulturen und deren Werte, Reisen kann dadurch auch ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung und zum Frieden auf der Welt sein.

Was in Europa schon in zahlreichen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, erlangt zunehmend auch auf anderen Kontinenten Bedeutung: die Freiheit zu Reisen und Menschen aus anderen Kulturkreisen persönlich kennen zu lernen und zu erleben. Auch hat sich in wirtschaftlicher Hinsicht das Reisen "demokratisiert".

Durch die rapide gesunkenen Preise, selbst bei Linienflügen ehemals staatlicher Airlines, können sich mehr und mehr Haushalte einen oder gar mehrere Flüge pro Jahr leisten. Im Jahr 1957 wurde zum Beispiel ein Linienflug nach Mallorca ab München für 449 D-Mark angeboten. Airlines, die einen für 39 Euro nach Barcelona zum Shopping-Weekend bringen, gab es vor 63 Jahren nicht.

Klimawandel löst Fluglärm ab

Das alles hat für viele Menschen die Chance auf völlig neue Erfahrungen außerhalb ihrer gewohnten Reichweite bedeutet, und wird aus ihrer Sicht nachvollziehbar positiv beurteilt. Meine Großmutter, Jahrgang 1904, kam über einen Urlaub am Titisee im Schwarzwald nie hinaus. Ihr ökologischer Fußabdruck ist allerdings bei weitem kleiner als meiner. Womit wir beim weltweiten Gegenwartsthema Nummer 1 wären: dem Klimawandel.

Auf der Schattenseite des Fliegens war die Debatte über einen langen Zeitraum hinweg vor allen Dingen eine ums Thema Lärm, die vorrangig im Umfeld von Flughäfen geführt wurde. Bürgerinitiativen gründeten sich in aller Regel gegen Ausbaumaßnahmen, weil sie ein Anwachsen des Fluglärms fürchteten. Mittlerweile wird die Lärmdebatte stark überlagert vom Thema Klimawandel und dem Beitrag des Luftverkehrs dazu. Und manche, die sich gegen Lärm engagieren, erblicken im Klimawandel auch eine Chance, dem Luftverkehr Grenzen aufzuzeigen. Diese Debatte wird aber nicht mehr nur von Menschen in den Flughafenregionen getragen, sondern sie hat eine breite gesellschaftliche Basis.

Daniela Wagner gehörte für Bündnis 90/Die Grünen von 2009 bis 2013 und aktuell wieder seit 2017 dem Deutschen Bundestag an. Sie ist Mitglied im Verkehrsausschuss und im Rahmen dessen für Luftverkehr zuständig, außerdem Mitglied im Bauausschuss und stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss. Vor ihrer Zeit im Bundestag war Daniela Wagner zehn Jahre lang Mitglied der Fluglärmkommission Frankfurt, hauptamtliche Stadträtin/Dezernentin in ihrer Heimatstadt Darmstadt und davor Mitglied des Hessischen Landtags und der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung.

Da es in unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung schwierig bis unmöglich ist, Mobilität - also auch das Fliegen - mit ordnungspolitischen Mitteln zu begrenzen, zu kontingentieren oder anderweitig zu regulieren, dreht sich inzwischen die Debatte um drei beeinflussbare Faktoren: die Kapazität am Boden, den Preis und die Antriebstechnologie.

Nur wenn wir bereit sind, weiterhin bodenseitig alles zu tun, um jedwede Nachfrage bedienen zu können, nur wenn wir bereit sind weiterhin durch Gestaltung von Steuern, Abgaben und teils direkter, teils indirekter Subvention die Ticketpreise günstig zu halten und wenn wir eine bezahlbare synthetische Lösung beim Treibstoff finden, ist ein Wachstum in der bisher gekannten Form denkbar. Ich glaube aber kaum, dass wir diesen Kurs dauerhaft werden durchhalten können.

Weder gibt es in Deutschland Akzeptanz für immer weitere Ausbaumaßnahmen an unseren Flughäfen, noch ist dauerhaft von Akzeptanz auszugehen für eine weitere Subvention der Vielflieger durch die immer noch große Anzahl an steuerzahlenden Bürger*innen, die selten oder nie fliegen. Und selbst wenn es gelingt, synthetische Treibstoffe zu entwickeln, die CO2-neutral, weil nicht fossilen Ursprungs sind, ist wegen der sekundären Effekte absehbar kein Hinweis auf erreichbare Klimaneutralität zu erkennen. Wir befinden uns spürbar an den Grenzen dieses Wachstums und sollten ruhig damit beginnen, das zu akzeptieren.

© Tobias Koch, Lesen Sie auch: Die Luftfahrt muss mit Klimaschutz und Digitalisierung wachsen Gastbeitrag

Es gibt kein Menschenrecht auf mehrfache Flugreisen im Jahr zu vergleichsweise günstigen Ticketpreisen und wir sollten aufhören, das zu suggerieren. Und wir sollten auch nicht so tun, als sei das eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Es käme ja auch keiner auf die Idee, zu behaupten, nur wenn alle es sich leisten können einen Mercedes der S-Klasse zu fahren, sei soziale Gerechtigkeit erreicht. Löhne, von denen man gut leben kann, bezahlbarer Wohnraum, bezahlbare qualitätvolle Nahrungsmittel, Zugang zu sauberem Wasser und Energieversorgung - diese Dinge haben etwas mit sozialer Gerechtigkeit zu tun.

Fliegen braucht fairen Preis

Der Preis für Mobilität muss die ökologische Wahrheit sagen. Deshalb haben wir das Ziel, klimaneutrale, ökologisch verantwortliche Mobilität beim Preis zu entlasten und die Fortbewegungsarten, die uns den Klimawandel beschert haben, beim Preis zu belasten. Dazu gehört die Bepreisung von CO2 und zwar so, dass es wahrnehmbar und damit verhaltensrelevant wird. Und dazu gehört ein Abschmelzen der direkten oder indirekten Subventionierung des Luftverkehrs, einhergehend mit einer deutlich stärkeren Nutzerfinanzierung.

Die Mehreinnahmen (unteren anderem im Staatshaushalt) sollten auch und vor allem dafür eingesetzt werden, die Herstellung alternativer synthetischer Treibstoffe in relevanten Mengen und deren Markteinführung zu unterstützen. Ein Ausweichen auf sogenannten Bio-Sprit, der zu weiteren weltweiten Regenwaldfällungen für Palmölplantagen führen würde, kann, darf und wird keine Lösung sein.

Es wird immer Flüge geben, und es wird immer Menschen geben, die Reisen wollen und es sich leisten können, entscheidend ist, dass es gelingt, diese Flüge CO2-neutral, im Idealfall klimaneutral zu bewältigen.

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