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Die Born-Ansage (131) Gastautor werden

Fliegen mit Mundschutz

Die Luftfahrt- und Touristik-Unternehmen sollten beim Thema Coronavirus schnell in die kommunikative Offensive kommen, findet Kolumnist Karl Born. Andernfalls bestimmen Emotionen die Debatte und der Schaden für die Branche weitet sich aus.

Montage: airliners.de © Adobe Stock, Corona Borealis; Privat

Im Oktober 2002 hatte ich mir eine Menge Branchenärger eingehandelt, weil ich im Focus ein Interview gab, mit Ausblick auf die Zukunft, unter dem Titel: "Urlaub in Hotels hinter Stacheldraht." Es hat nicht lange gedauert, dann waren die beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen für Urlaubsflüge und -hotels Standard. Der Fatalismus der Urlauber hat das leichter weggesteckt, als die Kommunikationsabteilungen der Reisebranche.

Im Mai letzten Jahres habe ich hier an dieser Stelle geschrieben "Flugbranche bitte laut melden" und um dann im August hier an dieser Stelle feststellen zu müssen "Flugbranche als Staatsfeind #1".

Danach ist die Branche so langsam kommunikativ erwacht und in die Kommunikationsoffensive gegangen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings andere schon die Kommunikationshoheit übernommen.

Aktuell sind wir wieder an vergleichbarer Stelle. Der Coronavirus ist nicht nur in Deutschland, sondern spätestens seit Teneriffa, auch in der Touristik angekommen. Beide, Touristik und Flugbranche, sitzen wieder im gleichen Leidensboot.

Journalisten erzählen mir, wie sie von Verbands- und großen Touristikplayern mit allgemeinen Floskeln abgespeist werden. Wenn jetzt nicht ganz schnell die Offensive übernommen wird, sehe ich jetzt schon die Headline "Urlaub hinter Mundschutz". Gutmeinende setzen vielleicht noch ein Fragezeichen dahinter.

Emotionen kann man nicht mit Fakten bekämpfen

Es gilt jetzt wiederum "Emotionen kann man nicht mit Fakten bekämpfen, sondern wiederum nur mit Emotionen". Hinweise auf die heftigste Grippewelle in Deutschland 2017/18 mit 25.100 Toten (laut Robert-Koch-Institut) sind jetzt in der Diskussion genauso wenig hilfreich wie der Verweis auf 74.000 Tote in einem Jahr durch Alkohol in Verbindung mit Tabak. Die WHO hat für das Jahr 2016 eine Zahl von weltweit drei Millionen Toten durch Alkohol genannt, ohne einen internationalen Notstand auszurufen. Noch habe ich deshalb keinen Polizist vor einem Alkohol- oder Tabakladen gesehen.

Kurzum, die Fakten bringen uns auch im aktuellen Geschehen nicht weiter. Spätestens jetzt, nach dem sensationellen Sinneswandel innerhalb von 48 Stunden unseres Gesundheitsminister, hilft Abwiegeln nicht, es muss das Thema offensiv angegangen werden. Was unternehmen Airlines und Veranstalter konkret, um ihre Kunden zu schützen? Und natürlich auch, es sei leider als deutsche Eigenart geklagt, wie sieht es mit kurzfristigen Umbuchungen beziehungsweise Stornos aus?

Wenn Lufthansa laut darüber klagt, dass sie jetzt Flugzeuge stilllegen muss und es in Folge davon neue Einschnitte beim Personal gibt, ist das eigentlich nur eine sinnvolle (und vorbeugende) Botschaft an die Aktionäre, in Richtung Kunde leider das Gegenteil.

Das tagelange Gewürge "ITB Ja oder Nein" hat leider deutlich gemacht, wie entscheidungsschwach die handelnden Akteure sind. "Vertrauen schaffen" in solch schwieriger Zeit sieht jedenfalls ganz anders aus.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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